Bezirksamt

Köpenick lehnt 1250 Wohnungen am S-Bahnhof ab

Ein Investor will am Bahnhof Köpenick 1250 Miet- und Studentenwohnungen bauen, doch der Baustadtrat des Bezirksamtes winkt ab.

Visualisierung der Stellinghöfe in Köpenick: Das Bezirksamt lehnt das Projekt ab

Visualisierung der Stellinghöfe in Köpenick: Das Bezirksamt lehnt das Projekt ab

Foto: Berlin Punkt GmbH

Auch das gibt es in der wachsenden Stadt Berlin. Ein Investor will ein Quartier mit mehr als 1200 Wohneinheiten bauen, doch die Behörden sagen: Vorerst keine Chance. Das ist der Fall bei einer Fläche am S-Bahnhof Köpenick. Das Grundstück erstreckt sich über zwei Kilometer fast bis zur nächsten S-Bahn-Station Hirschgarten.

Vor rund drei Jahren erwarb die Köwo GmbH das 58.000 Quadratmeter große Areal. Das Unternehmen will zusammen mit einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft das Quartier Stellinghöfe errichten. 850 Mietwohnungen und 400 Apartments für Studenten sollen entstehen, außerdem eine Kita mit etwa 120 Plätzen und ein Fahrradparkhaus.

2015 wurde die Widmung des Grundstücks als Bahnfläche aufgehoben. Damit ist die Voraussetzung gegeben, dass ein Bebauungsplan entwickelt werden kann. Der Berliner Flächennutzungsplan weist das Gelände als Wohnbaufläche aus.

Bedenken im Bezirksamt

Doch Treptow-Köpenicks Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) hat Bedenken. „Es ist ein sehr schwieriges Areal“, sagt er. Denn im Norden, auf dem Stellingdamm, fährt die Straßenbahn. Im Süden rollen S-Bahnen, Fern- und Güterzüge. „Der Lärm kommt von zwei Seiten“, so der Stadtrat. Am westlichen Rand des Grundstücks liegt der stark befahrene Verkehrsknoten Bahnhofstraße und Mahlsdorfer Straße.

Hinzu kommen zwei langfristige Projekte. Ein Straßenneubau ist vorgesehen, die so genannte Ost-West-Trasse. Für sie soll ein Tunnel gebaut werden, der unter dem Areal der Stellinghöfe nach Südosten führen wird. Bekannt ist auch, dass am Bahnhof Köpenick in einigen Jahren auch Regionalzüge halten sollen.

Stadtrat will Areal später entwickeln

„Mehrere Konflikte sind zu lösen, sie machen ein Bebauungsplanverfahren kompliziert“, meint Stadtrat Hölmer. Das sei der Grund, warum der Bezirk schon vor einigen Jahren diese Fläche „ganz bewusst ausgeklammert“ habe, als es um Potenziale für Wohnungsbau ging. „Langfristig kann man das Areal entwickeln. Aber in Berlin müssen wir, wegen der wachsenden Bevölkerung, sehr schnell sehr viel Wohnraum schaffen.“ Das sei auf der Fläche am Bahnhof Köpenick nicht möglich.

Doch die Planer der Stellinghöfe, die Architekturbüros Göllner Architekten Berlin und Kottmair aus Köln, meinen, dass ihr Konzept der komplizierten Situation gerecht wird. Ein Schallschutz-Büro hat die Planung begleitet. Eine Schallschutzwand entlang der Bahntrasse soll den Lärm der Züge im neuen Quartier mindern. Weitere verglaste Lärmschutzwände zwischen den Wohngebäuden und so hoch wie die Häuser sollen den Geräuschpegel für die Bewohner senken.

Mehrgeschossige Bauten geplant

Die Pläne für die Stellinghöfe sehen mehrgeschossige Bauten mit Natursteinsockeln vor. Spielplätze, Innenhöfe und Freiflächen sind geplant. „Wir wollen das Grundstück öffnen, Fahrradwege und Verbindungsachsen schaffen, und Lebensräume für Flora und Fauna“, sagt Marcus Beck, Geschäftsführer der BerlinPunkt GmbH, die das Projekt betreut.

Die BerlinPunkt hat das Konzept für die Stellinghöfe im Bezirksamt und im Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick vorgestellt. Einzelheiten sollen, so wünschen es sich die Projektentwickler, in einem Bebauungsplanverfahren ausgearbeitet werden, zusammen mit dem Bezirksamt.

Lärm und Verkehr sprechen gegen Projekt

Doch Baustadtrat Hölmer sagt: „Es ist machbar, aber man muss geeignete verkehrstechnische und lärmtechnische Lösungen finden. Dazu fehlt uns jetzt die Zeit.“ Erst in den Jahren 2025 bis 2030 gebe es dafür eine Chance. Auch Stadtentwicklungssenator An­dreas Geisel (SPD) sehe das Projekt ähnlich.

„Für die Grundstückseigentümer tut mir das leid“, sagt Hölmer. „Sie haben eine Fläche erworben, in der Hoffnung, dort Wohnungen bauen zu können.“ Doch die Ausweisung im Flächennutzungsplan als Wohnungsbaufläche sei „keine Garantie für einen Erwerber, dass das schnell passiert“. Der Käufer habe den Fehler gemacht, sich nicht vor dem Erwerb der Fläche mit dem Bezirksamt in Verbindung zu setzen.

Wohnquartiere neben den Bahngleisen

Andere Bezirke sammeln bereits Erfahrungen damit, wie man neue Wohnquartiere dicht neben Bahngleisen plant. In Tempelhof-Schöneberg ist es eine Fläche auf dem stillgelegten Güterbahnhof Wilmersdorf. 65.000 Qua­dratmeter groß ist die Brache in der Nähe der Stadtautobahn. 940 Wohnungen sind geplant, das Bebauungsplanverfahren ist fortgeschritten. Seit Jahren kooperieren Bezirksamt und Investor für dieses Projekt.

Anwohner wurden einbezogen. Der Schallschutz der künftigen Bewohner ist ein wichtiges Thema. Nahe der Bahn sollen Hochhäuser gebaut werden, die die niedrigeren Gebäude dahinter schützen. In diesen Hochhäusern werden Treppenhäuser in dem Gebäudeteil angelegt, der den Gleisen zugewandt ist.

An der Bautzener Straße in Schöneberg, auf einer Brache an den Gleisen nahe dem S-Bahnhof Yorckstraße, sollen knapp 300 Mietwohnungen entstehen. Höfe, Vorplätze und kleine Stichstraßen sind geplant. Noch hat der Bau nicht begonnen, doch das Projekt ist bereits wegen seiner Nachhaltigkeit ausgezeichnet worden.

600 Wohnungen auf Güterbahnhofsgelände

Ein weiteres Vorhaben gibt es in Prenzlauer Berg. Auf dem Gelände des Güterbahnhofs Greifswalder Straße sollen 600 Wohnungen gebaut werden. Das neue Quartier liegt zwischen den Gleisen der Ringbahn und dem Ernst-Thälmann-Park. Kita, Grundschule und Sporthalle sollen errichtet werden. Bezirksamt und Investor wollen gemeinsam den Bebauungsplan für das neue Quartier entwickeln.

Davon ist man bei den Stellinghöfen in Köpenick noch weit entfernt. Derzeit sei der Bezirk mit mehr als 100 Bebauungsplanverfahren beschäftigt, so Baustadtrat Hölmer. „Knapp 30 davon haben hohe Priorität.“ Für 4.400 neue Wohnungen hat Treptow-Köpenick 2015 die Baugenehmigung erteilt, so viele wie kein anderer Bezirk.