Debatte nach Stillverbot

"Ein Kind zu stillen ist die normalste Sache der Welt"

Ein Berliner Wirt verbietet eine Mutter, in seinem Café ihr Baby zu stillen. Das sorgt für Aufregung. Manche haben aber Verständnis.

Stillende Mütter - darüber, ob dies in der Öffentlichkeit okay ist, gibt es immer wieder Kontroversen

Stillende Mütter - darüber, ob dies in der Öffentlichkeit okay ist, gibt es immer wieder Kontroversen

Foto: picture alliance / empics

Sie stillte ihr drei Monate altes Baby in einem Berliner Café - und musste das Lokal verlassen. Der Wirt teilte Johanna Spanke mit, dass das öffentliche Stillen bei ihm verboten sei. Dieses Ereignis nahm die Frau zum Anlass, um eine Petition zu starten, um die Rechte stillender Mütter per Gesetz zu verankern.

"Mütter sollten in Deutschland das Recht haben, ihre Kinder an öffentlichen Orten, wie Cafés und Restaurants zu stillen, ohne des Ladens verwiesen zu werden", heißt es in der Petition.

Bei Facebook wurde das Thema am Mittwoch kontrovers diskutiert - mit viel Verständnis für beide Positionen.

Auch Erwachsene können unappetitlich sein

Heike J. zum Beispiel schreibt: "Ein Kind zu stillen ist doch wohl die normalste Sache der Welt. Jeder von uns begann so mit der Nahrungsaufnahme." Ähnlich sieht es auch Martina M.: "Hier wird einem Baby Nahrung gegeben und es gibt tatsächlich Menschen, die sich über sowas aufregen?" Ebenso Ingeborg S.: "Stillen ist natürlich! So haben wir alle einst angefangen. Schmatzende, rülpsende oder Restaurantbesucher, die sich unappetitlich verhalten, sind viel schlimmer."

Ganz anders sieht es Catharina P. "Da wird einfach mal gefordert, das Hausrecht des Wirts auszuhebeln. Ganz im Sinne von "Ich bin Mutter, lasst mich durch!" Es gibt doch heute wirklich genug Mutter-Kind-Cafés, oder Still-Cafés, aber nein, da muss wieder auf die Sonderrechte einer Mutter gepocht werden, selbst wenn das zur Folge hat, dass bestehende Gesetze geändert werden und der Wirt in seinem Recht beschnitten wird."

Das unterstützt auch Thomas K.: "Der Wirt vertritt das Hausrecht und kann dessen Beachtung auch einfordern. Dann geht man da halt nicht mehr hin und gut ist." Sonja M. argumentiert ähnlich: "Man kann auch als stillende Mutter ein wenig diskret sein. Seit einiger Zeit ist es ja groß in Mode, allen zu zeigen, dass man Mutter ist", meint Sonja M.

Eine Stillecke für Mütter könnte helfen

Nutzerin Tanja F. berichtet aus eigener Erfahrung: "Ich habe meine Tochter öffentlich gestillt, aber immer einen Stillschal genutzt. Damit war der Blick auf meine Brust unmöglich, dennoch konnte ich meine Tochter sehen. Ich hatte auch keine Lust, mich öffentlich begaffen zu lassen. Ich habe mein Schamgefühl nicht mit der Geburt meiner Tochter abgegeben."

An D. sieht es ähnlich: "Ich würde es besser finden einen kleinen Stillraum bzw. eine schöne Ecke mit Vorhang einzurichten. Das Kind und die Mutter möchte ja auch ungestört sein. Es gibt ja nicht nur die, die sich belästigt fühlen, sondern auch die Gaffer."

Nutzer Thomas W. hingegen plädiert für weniger Streit - und für mehr Kompromisse: Heutzutage entwickeln sich immer mehr Alltagssitiuation zu Konfliktlagen, anstatt dass nach einem gangbaren Kompromiss gesucht wird. Das macht das Miteinander wahrlich nicht einfacher", schreibt er.

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