Verkohlte Leiche

Berlinerin in Brighton verbrannt: Prozess hat begonnen

In England hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder einer Berliner Studentin begonnen. Sie war bei lebendigem Leib verbrannt.

Silhouette der Justitia mit Waagschalen: An diesem Montag begann vor dem Guildford Crown Court in der Grafschaft Surrey der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Christopher Jeffrey-Shaw. Er soll im März 2015 eine junge Berlinerin ermordet haben

Silhouette der Justitia mit Waagschalen: An diesem Montag begann vor dem Guildford Crown Court in der Grafschaft Surrey der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Christopher Jeffrey-Shaw. Er soll im März 2015 eine junge Berlinerin ermordet haben

Es war ein Tod, den man seinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde. Im März letzten Jahres wurde die verkohlte Leiche der Berlinerin Janet M. auf einem Feldweg nahe des britischen Flughafens Gatwick gefunden. Sie lag im Kofferraum eines ausgebrannten VW-Jetta.

Gerichtsmediziner stellten fest, dass die 21-Jährige an einer Rauchvergiftung gestorben war. Janet M. lebte noch, als das Auto in Flammen aufging. Sie verbrannte bei lebendigem Leib.

An diesem Montag begann vor dem Guildford Crown Court in der Grafschaft Surrey der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Christopher J. Der 27-Jährige hat auf die Mordanklage mit unschuldig plädiert. Es wird erwartet, dass das Verfahren bis zu drei Wochen dauert.

Tiefe Betroffenheit in der Kant-Schule

Janet M. ging auf die private Kant-Schule in Wilmersdorf. Dort machte sie im Sommer 2012 ihr Abitur, zusammen mit Emilia Schüle. Die Schauspielerin (“Freche Mädchen“) hatte am Rande der Berlinale in der „Bild am Sonntag“ von ihrer Erschüttterung über den Tod ihrer Schulfreundin berichtet.

Es wäre grausam, was passiert sei, Janet sei „ein ganz liebes Mädchen“ gewesen. Natürlich werde sie den Verlauf des Prozesses verfolgen. Auch Andreas Wegener, Direktor der Kant-Schule, ist geschockt über Janets Tod: „Wir kannten sie gut. Wir sind über diese Tragödie tief betroffen.“

Nach ihrem Abitur ging Janet M. nach Brighton, eine Stadt an der Südküste Englands. Dort studierte sie International Event Management und stand kurz vor dem Bachelor-Abschluss. Am 12. März vergangenen Jahres wurde die 21-Jährige als vermisst gemeldet.

Aufzeichnungen von Überwachungskameras, die in Großbritannienn weit verbreitet sind, zeigen sie am Abend in einem Regionalzug, dann um 22.33 Uhr in einer Unterführung und schließlich um 0.55 Uhr am nächsten Morgen an einer Tankstelle. Danach verliert sich ihre Spur.

Von der Spurensicherung bis zum Prozess

Am frühen Nachmittag des 13. März wird die Feuerwehr zu einem Feldweg nach Illfield, rund fünf Meilen südlich von Gatwick, gerufen. Dort entdeckt man Janets Leiche im ausgebrannten VW-Jetta.

Es handelte sich um einen Leihwagen. Die Polizei konnte eine Spur zu einem Verdächtigen ermitteln, gab ein Fahndungsfoto heraus und rief Christopher J. namentlich auf, Kontakt mit den Behörden aufzunehmen.

Der damals 26-Jährige aus Lewisham, Südlondon, meldete sich am 17. März bei der Polizei, wurde verhaftet und am nächsten Tag wegen Mordes angeklagt. Die Eröffnung des Verfahrens gegen ihn hat sich überraschend lange hinausgezögert, nicht zuletzt deswegen, weil Kürzungen aufgrund der Sparpolitik im Justizwesen zu einem großen Rückstau an Fällen geführt haben.

Am Montag schließlich konnte der Prozess gegen Christopher J. mit der Auswahl und Vereidigung der Jury beginnen. Sollten ihn die zwölf Geschworenen für schuldig befinden, muss Christopher J. mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen.