Kältetoter

Obduktion: Obdachloser vom Kudamm starb an Unterkühlung

Am 16. Januar war am Kudamm ein toter Obdachloser gefunden worden. Jetzt steht fest: Der Mann ist erfroren.

Die wenige Habe von Thomas W. liegt vor dem Kiosk am Kudamm Ecke Joachimsthaler Straße.

Die wenige Habe von Thomas W. liegt vor dem Kiosk am Kudamm Ecke Joachimsthaler Straße.

Foto: Tobias Köberlein

In Berlin ist in diesem Jahr bereits ein Obdachloser erfroren. Das habe eine Obduktion ergeben, teilte der Leiter der Evangelischen Bahnhofsmission Dieter Puhl am Sonntag mit. Am 16. Januar 2016 war der Obdachlose Thomas W. auf dem Kurfürstendamm tot aufgefunden worden. Zunächst war die Todesursache des Mannes unklar.

Er sei der erste Kältetote in Berlin in diesem Winter, erklärte Puhl. Mit dem Tod von Thomas W. sei das passiert, was verhindert werden müsse. Der Bahnhofsmissions-Chef verwies darauf, dass obdachlose Menschen oft psychisch beeinträchtigt seien und die Obdachlosigkeit meist eine Folge der Erkrankungen sei.

>>> Kommentar: Wer hat die Schuld am Kältetod?

Den Angaben zufolge leben in Berlin derzeit zwischen 5.000 und 6.000 Obdachlose. Puhl kritisierte, dass das Hilfesystem für Menschen auf der Straße in Berlin etwa in Form von Notübernachtungsplätzen „schon lange nicht mehr“ ausreiche. Der Bahnhofsmissions-Chef äußerte zudem die Befürchtung, dass es bei kälterem Wetter in Berlin noch mehr Kältetote geben könne. Nur wegen des milden Winters sei dies glücklicherweise noch nicht der Fall gewesen.

>>> Unsichtbar: Obdachlose erzählen vom Leben auf der Straße