Illegale Autorennen

"Waffenschein" - Sieben Vorschläge gegen Raser in Berlin

Mehr Überwachung, lebenslanger Führerscheinentzug, Sozialarbeit: Autor Hajo Schumacher hat da ein paar Ideen, um Raser auszubremsen.

Jede Gesellschaft hat ihre Fetische. Und wo Kult herrscht, setzt der Verstand aus. In den USA gilt die Schusswaffe als Freiheitssymbol, in Deutschland das Auto. Wer diesem Fetisch huldigen will, darf über hochsubventionierte Rennstrecken in Eifel oder Lausitz düsen. Aber Kudamm, Potse, B1, jede öffentliche Straße ist tabu. Freie Fahrt für freie Bürger - einer der unsinnigsten Slogans, die dieses Land je hervorgebracht hat.

Faszinierend, wie die ganze Stadt mal wieder so tut, als sei das Raser-Drama diese Woche ein Einzelfall. Das Gegenteil stimmt. Das hirnlose Gebretter gibt es täglich. Ob Rennen oder Angeberei, das ist völlig egal. Tuning-Freaks stellen frech die Videos ihrer Rennen ins Internet. Am Tag nach dem tödlichen Unfall geschah gleich der nächsten Crash. Warum? Weil Raser denken: Uns kann keiner.

Es sind immer die gleichen präpotenten Typen, die tumb aus dem Fenster glotzen. Nie ältere Damen, keine Nobelpreisaspiranten, sondern überwiegend junge Kerle mit großer Klappe und defizitärem Selbstwert, die ein Auto als Verlängerung ihres Gemächts begreifen, die Lärm machen müssen, weil sie sonst kein Gehör finden, die es total geil finden, wenn Menschen in Todesangst von der Straße springen, weil sie ausprobieren, wie fix man zwischen zwei Ampeln beschleunigen kann. Das Schlimmste: Diese Hirnis können nicht mal Auto fahren.

Raser sind Kandidaten fürs Gericht

Hier geht es nicht um Ordnungswidrigkeiten, sondern um eine Spielart des gesellschaftlichen Terrorismus: Angst verbreiten, Schäden aller Art billigend in Kauf nehmen, Gesetze und Regeln dummdreist ignorieren, das ist nicht putzig, sondern kriminell. Wer mit 200 Stundenkilometern grienend über den Kudamm brettert, der – sorry - scheißt auf jeden von uns.

Nein, Raser sind kein Fall für Sozialarbeiter, die mit den Tätern wegen ihrer schweren Kindheit reden müssen, sondern Kandidaten fürs Gericht. Die Botschaft einer zivilisierten Stadtgesellschaft muss ganz einfach lauten: Nein! Wir wollen diese Autos nicht, wir wollen diese Typen nicht, wir wollen diesen Missbrauch der Straße nicht und diese unverschämte Attitüde erst recht nicht.

„Zu viel Testosteron“, sagt Innensenator Frank Henkel. Zu wenig politischer Wille, entgegnet der Bürger und erinnert sich an über 500 Polizisten plus Heli im epischen Gefecht gegen ein paar linke Spinner in der Rigaer Straße. Was wäre, wenn die Ordnungsmacht mit ähnlicher Akribie gegen die Raseritis vorginge?

Hier eine Liste mit sieben Vorschlägen, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

  1. Auf dem Kudamm und anderen beliebten Rennstrecken ein dichtes Netz aus stationären Blitzern und Kameras.
  2. Führerscheine nicht nur von Tätern, sondern auch von Autohaltern lebenslänglich einkassieren. Wer ein Auto fahren will, dass eher einer Waffe als einem Fortbewegungsmittel ähnelt, der wird auch so behandelt, also:
  3. Fahrertraining mit Test, gleichsam als Waffenschein.
  4. Für getunte oder sonstwie unsinnig motorisierte Gefährte wird ein Fahrtenschreiber Pflicht, etwa ein verplompter GPS-Sender, der jeden Meter aufzeichnet. Kosten trägt der Halter. Bei Manipulation, siehe Punkt 2.
  5. Beim Rasen erwischte Fahrzeuge enden öffentlich in einer gläsernen Schrottpresse in Anwesenheit des Halters, Live-Übertragung auf RTL.
  6. Sollten Täter während ihrer langen Haftstrafe Freigang bekommen, dann führt ihr Weg zunächst in eine Unfallklinik für Verkehrsopfer, wo sehr viele Sozialstunden abzuleisten sind.
  7. Kudamm für Individualverkehr komplett sperren und nur noch Lieferverkehr, ÖPNV und E-Autos zulassen, gedrosselt auf 30 km/h.