Berlin

Überschlagen, geschleudert, aufgefahren

Zahlreiche Opfer durch Unfälle bei illegalen Wettfahrten. Meist junge Erwachsene beteiligt

Illegale Autorennen und sogenannte Profilierungsrennen beschäftigen die Polizei in Berlin und Brandenburg schon lange und führen zu schweren Unfällen. Besonders auf dem Kurfürstendamm ist die Szene der PS-Protze häufig unterwegs. Hier fallen zumeist junge Fahrer auf, die die Motoren von getunten Autos extrem laut aufheulen lassen und die Wagen rasant beschleunigen. Mehrfach ist die Polizei dagegen mit Schwerpunktmaßnahmen schon eingeschritten. Oft wurden die Fahrzeuge beschlagnahmt, weil der Verdacht auf technische Mängel bestand.

Im vergangenen August büßte ein mehrfach aufgefallener 21-Jähriger deshalb seinen Führerschein ein. Der Mann war mit unterschiedlichen hochmotorisierten Fahrzeugen unterwegs gewesen und hatte mehrfach die Verkehrsregelungen auf dem Kurfürstendamm und in den Seitenstraßen missachtet. Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten kam zu dem Schluss, dass ihm die charakterliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen fehlt.

Zu oftmals spontan ausgetragenen Rennen kommt es häufig auf Ausfallstraßen sowie auf Straßen im Brandenburger Umland. Die Orte sind dabei nach den Feststellungen der Polizei eher willkürlich ausgewählt. Schon mehrfach kam es dabei zu schweren Unfällen. Bei zahlreichen Karambolagen besteht zudem der Verdacht, dass ein illegales Rennen stattgefunden hat, was sich aber im Nachhinein nicht beweisen lässt. Glück im Unglück hatten noch mehrere Jugendliche, die sich in Köpenick ein illegales Rennen geliefert hatten. Sie waren im August 2014 mit ihren Autos über ein Industriegelände an der Grünauer Brücke gerast und hatten die Kontrolle über die Fahrzeuge verloren. Eines der Autos raste bis auf die Böschung des Teltowkanals. Das andere Auto prallte gegen einen Lastwagen. Die Beteiligten blieben alle unverletzt.

Die Stadtautobahn als Rennpiste missbrauchten im Juni 2014 zwei Porsche-Fahrer. Sie waren nachts auf der A100 unterwegs, unternahmen waghalsige Überholmanöver. In Höhe der Anschlussstelle Kurfürstendamm fuhren beide Raser parallel auf der mittleren und der linken Spur. Dort war auch eine Frau unterwegs. Der Sportwagenfahrer hinter ihr wich so dicht vor dem anderen Porsche nach links aus, dass dieser das Steuer nach rechts riss, den Wagen der Frau streifte, sich überschlug und auf dem Dach liegen blieb. Der 26-Jährige und seine beiden 25 Jahre alten Beifahrer wurden schwer verletzt.

Schwere Verletzungen hat im März 2014 auch der Beifahrer eines an einem Rennen auf der Rudower Straße beteiligten Autos erlitten. Der Fahrer war auf einen BVG-Bus aufgefahren. Die Unbeteiligten kamen sämtlich mit dem Schrecken davon.

Illegale Autorennen sind kein Berliner Phänomen. Erst vor wenigen Tagen starb in Ludwigshafen eine 22-Jährige, die bei einem Rennen Beifahrerin war. In Köln sind im vergangenen Jahr bei unerlaubten Wettfahrten sogar drei Menschen ums Leben gekommen: eine Radfahrerin, ein Radfahrer und ein Taxifahrgast wurden durch schleudernde Autos getötet.