Neue Fahrzeuggeneration

So schick werden die neuen S-Bahn-Züge in Berlin

Berliner S-Bahn-Fahrgäste können sich freuen. Ab 2020 kommen neue Züge auf die Schienen. Sie werden durchgängig begehbar sein.

Blaue Sitze, viel Platz: So werden die neuen Wagons innen aussehen

Blaue Sitze, viel Platz: So werden die neuen Wagons innen aussehen

Foto: Copyright: Stadler Pankow GmbH

Äußerlich präsentiert sich die neue S-Bahn für Berlin wie gewohnt in den Traditionsfarben Rubinrot und Ockergelb. Doch bei Technik und Ausstattung soll bei den Zügen, die regulär ab 2021 im Schnellbahnnetz der Hauptstadt fahren sollen, vieles anders werden. Das versprechen zumindest die Hersteller Siemens und Stadler. Beide Unternehmen haben am Mittwoch weitere Einzelheiten der nächsten S-Bahn-Generation vorgestellt. Anlass war die Unterzeichnung des Verkehrsvertrages für das sogenannte Teilnetz Ringbahn.

>>>So sehen die neuen S-Bahn-Züge für Berlin aus<<<

Wie berichtet werden die Linien S41 und S42 sowie drei Zubringerlinien bis 2035 weiter durch die S-Bahn Berlin GmbH betrieben. Das Tochterunternehmen des bundeseigenen Bahnkonzerns hatte zuvor einen europaweiten Vergabewettbewerb für sich entscheiden können. Teil der Ausschreibung war auch die Beschaffung dringend benötigter neuer Fahrzeuge.

Die S-Bahn Berlin GmbH hat noch vor dem Jahreswechsel den Auftrag für insgesamt 382 neue Wagen erteilt. Der Auftrag mit einem Wert von 900 Millionen Euro ging dabei an das Konsortium von Siemens AG und Stadler Pankow GmbH. Die beiden deutschen Unternehmen hatten sich mit ihrem Angebot gegen den Branchenriesen Bombardier Transportation und Konkurrenz aus Polen durchgesetzt.

Neue S-Bahn-Züge werden in Pankow und Velten gebaut

Montiert wird die neue Fahrzeug-Generation – es ist die nunmehr siebte in der gut 90-jährigen Berliner S-Bahn-Geschichte – im Pankower Werk des Schweizer Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail, Erprobung und Auslieferung sollen im brandenburgischen Velten erfolgen. Siemens liefert nach eigenen Angaben für die neue Baureihe 483/484 unter anderem die Antriebstechnik, die Bremsanlagen, die Bordelektronik sowie das Fahrgastinformationssystem zu. „Auch wenn es nicht Teil der Ausschreibung war: Ich freue mich sehr, dass die Wertschöpfung in der Region geblieben ist“, sagte Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD), der für das Land Berlin den Verkehrsvertrag unterzeichnete.

Bestellt hat die S-Bahn 85 Vier-Wagen-Einheiten (Halbzug mit 184 Sitz- und 202 Stehplätzen) sowie 21 auch als Viertelzüge bezeichnete zweiteilige Einheiten (80 Sitz- und 94 Stehplätze). Diese sind kombinierbar, so dass je nach Bedarf Züge aus vier, sechs oder acht Wagen gebildet werden können. Wegen der großen Nachfrage sollen auf den Ringbahn-Linien in Zukunft aber mehrheitlich Züge mit acht Wagen fahren, derzeit werden dort bestenfalls Sechs-Wagen-Züge mit entsprechend weniger Platz eingesetzt.

Erstmals in der Geschichte klimatisiert

Die Fahrgasträume der neuen Wagen sollen hell und großzügig gestaltet und erstmals in der S-Bahn-Geschichte klimatisiert sein. An den Wagenübergängen wird es zusätzliche Sitzplätze geben. Abstellflächen für Fahrräder und Kinderwagen sind auf dem Boden mit gelber Farbe markiert, die Plätze für Rollstuhlfahrer befinden sich in unmittelbarer Nähe des Zugführers. Erstmals gibt es in den Wagen eine Videoüberwachung. Sie soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste verbessern.

In den neuen Zügen können die S-Bahn-Fahrgäste auch mit mehr Komfort rechnen als bisher. So wird es an jeder Wagenseite einen Bildschirm geben, mit dem Fahrgäste über Streckenverlauf und Umsteigemöglichkeiten informiert werden. Bislang werden auf Leuchtbändern lediglich die Linien-Nummer des Zuges, der aktuelle Halt sowie drei nachfolgende Stationen angezeigt. Alle Fahrinformationen sollen in Echtzeit erfolgen. Der Vorteil: Der Fahrgast kann sehen, ob er den geplanten Anschluss noch erreicht oder ob er sich eine Alternative suchen muss.

Laut Stadler-Chef Peter Spuhler werden zunächst zehn Vorserienfahrzeuge gebaut – je fünf Einheiten aus zwei und vier Wagen. Die Prototypen werden ab 2020 ausgeliefert. Sie durchlaufen dann Tests, bevor sie in den regulären Betrieb gehen. Nach S-Bahn-Angaben werden die ersten Züge auf der Linie S47 eingesetzt, die Spindlersfeld (Köpenick) mit der Ringbahn-Station Hermannstraße verbindet.

Betriebsaufnahme ab 2021

Der zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg mit der S-Bahn geschlossene Verkehrsvertrag sieht eine schrittweise Betriebsaufnahme ab 1. Januar 2021 vor, die bis Oktober 2023 abgeschlossen sein soll. Bis dahin darf die S-Bahn ihre alten, in den 80er-Jahren für die Westberliner BVG sowie für die DDR-Reichsbahn entwickelten Züge einsetzen. Damit diese so lange durchhalten, müssen die Züge aber noch mit einem Kostenaufwand von 150 Millionen Euro „ertüchtigt“ werden.

Das neue Design im Überblick

  • Die Züge sind weiterhin gelb-rot.
  • Eine neue Antriebs- und Steuerungstechnik soll die Fahrzeige effizienter und leiser machen.
  • Der Innenraum ist größer gestaltet - Fahrgäste können durch alle Wagen laufen.
  • Zum ersten Mal in Berlin werden die Fahrzeuge mit einer Klimaanlage ausgestattet.
  • Es wird Rollstuhlplätze in unmittelbarer Nähe zum Fahrer geben.
  • Die Sitze sind, wie in S-Bahnen üblich, fast ausschließlich vis-à-vis angeordnet.
  • Verriegelbare Zwischentüren – sie ermöglichen, dass bei Vandalismusschäden Züge mit beschädigten Wagen weiter eingesetzt werden können
  • Neue Fahrgastinformation – mit Fahrdatenanzeige in Echtzeit
  • Neue ergonomische Fahrerkabine – Bildschirme sind im Fahrerpult integriert
  • Fahrzeuge sind laut Hersteller „erstfehlertolerant“ - die Züge können auch bei Ausfall eines einzelnen Antriebs weiter fahren
  • Leistungselektronik ist von der Kühlluftführung hermetisch abgetrennt – Schnee und Eis können somit die Elektronik nicht mehr lahmlegen