Ernst-Reuter-Platz

Tod in der U-Bahn: Hätte sich die Tat verhindern lassen?

Nach dem Tod einer 20-Jährigen im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz herrscht Fassungslosigkeit. Und die Frage, ob die Sicherheit ausreicht.

Ein Mann geht in die U-Bahnstation Ernst-Reuter-Platz

Ein Mann geht in die U-Bahnstation Ernst-Reuter-Platz

Foto: Paul Zinken / dpa

„Wie gehen Menschen miteinander um? Das, was hier geschehen ist, kann ich nicht verstehen. Ein Leben ausgelöscht, ein anderes für immer ruiniert“, sagt eine Frau auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz. Täglich arbeitet sie von 3 Uhr an auf dem U-Bahnhof. Sie steht hinter dem Tresen eines kleinen Kiosks. „Als ich am Morgen hier ankam, war noch alles abgesperrt. Erst gegen 4 Uhr war alles wieder frei“, sagt sie am Morgen, nachdem eine 20-Jährige vor eine U-Bahn geschubst worden ist. Nur wenig später füllten sich die Bahnsteige mit Fahrgästen, so wie an jedem Morgen. Viele von ihnen hatten von dem dramatischen Ereignis noch gar nichts erfahren. Wer schon davon wusste, reagierte fassungslos.

Hätte sich die Tat verhindern lassen?, fragen sich viele. Die Fahrerin der U-Bahn habe keine Chance mehr gehabt, zu reagieren, heißt es bei der BVG. „Es handelt sich um eine Situation, wo totale Ohnmacht einsetzt. Der Fahrer oder die Fahrerin sieht das Unglück kommen und kann doch nichts tun, weil sich alles im Bruchteil einer Sekunde abspielt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Mittwoch.

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Geholfen hätte in dieser Situation vermutlich nur, wenn der U-Bahnsteig zu den Gleisen hin abgeschlossen wäre. In manchen Großstädten wie Singapur, dem japanischen Kyoto oder zum Teil auch in Paris gibt es Vorkehrungen in Form von Wänden zum Bahnsteigrand. In diesen befinden sich Schiebetüren, die sich öffnen, wenn der Zug eingefahren ist. Eine solche Umrüstung halten Fachleute jedoch für praktisch unbezahlbar, da Berlin 174 U-Bahnstationen hat. Auch technisch wäre ein solches Projekt kaum realisierbar, da die in der Stadt fahrenden Bahnen unterschiedlichen Typs sind. Sperrwände mit integrierten Türen sind jedoch auf einheitliche Fahrzeugtypen zugeschnitten.

Bei dem Verkehrsunternehmen herrscht großes Entsetzen über den Tod der jungen Frau. Die U-Bahnfahrerin hat einen schweren Schock erlitten und musste zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden. Sie werde psychologisch betreut, teilte die BVG weiter mit. „In so einer Situation lassen wir natürlich niemanden allein“, betonte die Unternehmenssprecherin.

Was kann man tun, wenn man Zeuge wird

Petra Reetz lobte die gute Reaktion der Zeugen, die den Täter überwältigten und festhielten. Generell empfiehlt sie für den Fall, dass jemand auf die Gleise stürzt oder gestoßen wird, „sofort den roten Knopf an den Infosäulen zu drücken“. Damit werde unmittelbar die ständig besetzte Sicherheitszentrale erreicht, wo sie Mitarbeiter sofort reagieren könnten. „An den Säulen gibt es beim Drücken des roten Knopfes keine Wartezeiten, sofort schaltet sich eine Kamera ein und die Mitarbeiter in der Zentrale können einfahrende Züge zum Halten bringen“, erläuterte Petra Reetz die Reaktionsmöglichkeiten.

Zahlreiche Zeugen des Geschehens haben am Dienstag den U-Bahnhof verlassen, ohne Aussagen zu machen. Die Polizei bittet sie, sich bei der 5. Mordkommission des Landeskriminalamtes an der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer (030) 4664 - 911 555 oder einer anderen Polizeidienststelle zu melden.

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