Ausbildungsförderung

Nur jeder vierte Student in Berlin beantragt Bafög

29.175 Studierende an Berliner Hochschulen und Universitäten erhalten die Unterstützung. Doch sehr viel mehr hätten Anspruch darauf.

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz („Bafög“) regelt seit 1971 die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten in Deutschland

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz („Bafög“) regelt seit 1971 die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten in Deutschland

Foto: Jan Woitas / dpa

Berliner Studenten haben im vergangenen Jahr Bafög in Höhe von 170 Millionen Euro erhalten. Das entspricht einer durchschnittlichen monatlichen Studienhilfe in Höhe von 472 Euro. Insgesamt erhielten nach Angaben des Berliner Studentenwerkes 29.175 Studierende BAföG, 43.000 hatten einen Antrag gestellt. „Tatsächlich haben sehr viel mehr Studierende einen Anspruch, von den derzeit 170.000 Studenten in der Stadt beantragt aber nur rund ein Viertel Bafög“, sagt der Bafög-Chef des Studentenwerks, Christian Gröger-Hafermann.

Viele scheuen aber offenbar den bürokratischen Aufwand. „Die Antragstellung ist eine Herausforderung, das gebe ich zu“, so Gröger-Hafermann. Für einen Antrag auf finanzielle Unterstützung des Staates sind umfangreiche Angaben zum eigenen Einkommen und den Einkünften der Eltern und Geschwister notwendig. Ab Herbst 2016 soll das Verfahren vereinfacht werden, dann können Studenten den Antrag vollständig online stellen.

Änderungen für asylberechtigte und geduldete Flüchtlinge

In Zukunft erwartet das Studentenwerk einen Anstieg der Bafög-Anträge. Seit 1. Januar 2016 können anerkannte Flüchtlinge früher als bisher Bafög beantragen. So können junge asylberechtigte und geduldete Flüchtlinge bereits nach 15 Monaten Aufenthalt – statt bisher vier Jahren – Bafög oder Berufsausbildungsbeihilfe in Anspruch nehmen.

Ursprünglich war die Reduzierung der Frist zusammen mit der Bafög-Reform zum 1. August 2016 geplant. Sie wurde auf den 1. Januar vorgezogen, um Flüchtlinge schneller in Ausbildung zu bringen. Ab 1. August steigen dann auch die Bedarfssätze und Elternfreibeträge für alle Bafög-Berechtigten. Studenten mit eigener Wohnung können dann bis zu 735 Euro monatlich erhalten, derzeit sind es maximal 670 Euro.

Zahl der Bafög-Anträge relativ konstant

Während die Zahl der Studenten in Berlin seit Jahren steigt, liegt die Zahl der Bafög-Anträge in den vergangenen Jahren zwischen 35.000 und 45.000. Da der Anstieg der Studierenden in Berlin vor allem auf das Konto ausländischer Studenten geht, vermutet das Studentenwerk, dass die Bafög-Anträge deswegen relativ konstant bleiben. Viele Studenten arbeiteten zudem neben dem Studium und scheuten die Teilrückzahlung der staatlichen Unterstützung. Bafög wird in der Regel zur Hälfte als zinsloses Darlehen und zur Hälfte als staatliche Förderung ausgezahlt, die nicht zurückerstattet werden muss.

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz („Bafög“) regelt seit 1971 die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Schülern und Studenten in Deutschland. Um auch Schulabgängern ein Studium zu ermöglichen, die nicht von den Eltern finanziell entsprechend unterstützt werden können, wurde das Gesetz eingeführt. Insgesamt erhalten in Deutschland derzeit rund 1,7 Millionen Studierende Bafög.