Billigmode

Primark will weitere Filialen in Berlin eröffnen

Die Modekette Primark will in Berlin noch präsenter sein. Gesucht werden Standorte mit hoher Kundenfrequenz und niedriger Miete.

Die Primark-Filiale im Steglitzer Schloß-Straßen-Center

Die Primark-Filiale im Steglitzer Schloß-Straßen-Center

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Die Billig-Textilkette Primark will ihre Präsenz in Berlin verstärken. Das Unternehmen, das am Alexanderplatz und an der Schloßstraße bereits zwei seiner 19 Mode-Supermärkte in Deutschland betreibt, würde gerne weitere Filialen eröffnen. Das sagte Geschäftsführer Wolfgang Krogmann im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Er ist ein Urgestein des deutschen Textil- und Einzelhandels. In den 80er-Jahren hat er hierzulande den heutigen Mitbewerber H&M aufgebaut. Seit 2010 leitet er Primark in Deutschland. Er ist überzeugt, dass sich Billigproduktion und gesellschaftliche Verantwortung nicht ausschließen.

Der Filialist hat bei der Expansion keine Eile. Anscheinend laufen die Geschäfte trotz zahlreicher Mitbewerber wie Kik, H&M oder C&A gut. Wolfgang Krogmann will aber über neue Standorte erst im Detail sprechen, wenn die Verträge unterschrieben sind. Das Unternehmen sucht große Flächen mit einer hohen Kundenfrequenz und vor allem niedrigen Mieten. Denn bei Primark dreht sich alles um den Preis. Im Winter reichen 80 bis 100 Euro, um einen Menschen komplett einzukleiden. Im Sommer 40 bis 50 Euro, wie Krogmann sagt. Shirts gibt es unter drei Euro, Jeans für zwölf und Sneakers für elf Euro.

Kritik für Produktion in Billigstländern

Die Kernzielgruppe liegt zwischen 16 und 35 Jahren – darunter sind junge Familien, Schüler, Studenten. Da sind auf der einen Seite die Kunden, die wenig für die neueste Mode zahlen wollen. Auf der anderen stehen jene, die sich nicht mehr leisten können. Das klappt nur mit einer Produktion in Billigstländern, was Primark immer wieder Kritik einbringt. Das Unternehmen steht – wie auch seine Mitbewerber – unter Dauerbeobachtung von Globalisierungsgegnern und Nichtregierungsorganisationen.

Textilproduktion in der Dritten Welt sei auch mit ethischen Werten machbar, sagt der Geschäftsführer. Die Produktionsstätten würden ausgesucht, die Betriebe einer mehrmonatigen Prüfung unterzogen. Das Unternehmen ist Mitglied der Ethical Trade Initiative (ETI) in England, die sich aus Einzelhändlern, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen zusammensetzt und für fairen Handel steht. Kriterien seien die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten, Gehälter, das Verhalten des Management, die Herkunft der Rohstoffe und seit dem Einsturz einer Textilfabrik 2013 in Bangladesch mit weit über 1000 Toten auch die Gebäudesicherheit. Kinderarbeit sei tabu. Erst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, gehe ein Auftrag raus. Branchenübliche Zwischenhändler gebe es bei Primark nicht.

Die A-Klasse der bangladeschischen Textilwirtschaft

Krogmann weiß um die Produktionsbedingungen in Textilfabriken bei hoher Luftfeuchtigkeit und 40 Grad. Dass solche Arbeit anstrengend ist, sei keine Frage. Im vergangenen Jahr hat er sich vor Ort selbst ein Bild gemacht. Sein Urteil: Den Großteil der 4500 Textilfabriken in Bangladesch müsste man wegen unakzeptabler Arbeitsbedingungen sofort schließen. Mit 700 Fabriken arbeitet das Unternehmen zusammen. Das sei die A-Klasse der bangladeschischen Textilwirtschaft.

Für den Textilexperten liegt das Problem auf einer anderen Ebene: Primark uns seine in der Regel viel teureren Mitbewerber lassen oft in den gleichen Fabriken nähen. Der Preis des Endprodukts sage nichts über die Produktionsbedingungen und die Qualität aus.

Bezahlt würden die Arbeiter mindestens ortsüblich. Viele hätten nur die Alternative zwischen Textilproduktion und Landwirtschaft, sagt Krogmann. Mit dem verdienten Geld könnten die Arbeiter ihren Kindern eine Schulausbildung finanzieren.

Tarifvertrag für Beschäftigte in Deutschland

Besser dran sind die mehr als 6000 Beschäftigten in Deutschland: Für sie gilt seit Dezember 2015 ein Tarifvertrag mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, der in drei Stufen bis zum Jahr 2018 umgesetzt werden soll. Ver.di wertet den Abschluss als „wichtiges Signal für die gesamte Branche“.

3500 Mitarbeiter kommen nach Krogmanns Worten aus der Arbeitslosigkeit. Viele haben einen Migrationshintergrund. Wie der Geschäftsführer sagt, gibt es türkischstämmige Managerinnen, die ein Kopftuch tragen. Kunden würden solche Gleichbehandlung honorieren.

Primark ist eine Handelskette der Social-Media-Generation: 4,3 Millionen Fans auf Facebook, 2,6 Millionen Abonnenten bei Instagram und 32.600 Follower bei Pinterest und über 10.000 Abonnenten bei YouTube und zahlreiche Blogger. Das genügt dem Unternehmen als Werbung.

Margen für Onlineshop sind zu klein

Die Kette hat zwar fast 70 Prozent ihrer Kollektion ins Internet gestellt. Aber einen Onlineshop gibt es nicht. Die Margen sind zu klein. Versand- und Retourenkosten – unter denen Onlinehändler wie Zalando leiden – stehen in keinem gesunden Verhältnis zu den Preisen.

Die Firma setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Und anscheinend funktioniert das. Krogmann kann sich an Kunden der früheren Jahre erinnern, die stundenlange Fahrten zu Filialen auf sich genommen haben. Hinter dem Store am Alexanderplatz halten die Reisebusse aus Polen. Sie bringen mehrfach pro Woche Kunden. Ohne eigenes Zutun ist Primark auf der Sehenswürdigkeitenliste für Berlin nach oben gerutscht.