Mehr Anbieterwechsel

Jeder Berliner war 2015 im Schnitt zehn Minuten ohne Strom

Angeblich litten die Berliner weniger unter Stromausfällen als andere Deutsche. Trotzdem wechseln sie jetzt öfter den Anbieter.

Stromleitungen bei Wewelsfleth in Schleswig-Holstein

Stromleitungen bei Wewelsfleth in Schleswig-Holstein

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Jeder Berliner hatte im vergangenen Jahr im Schnitt 10,1 Minuten keinen Strom. Das ist etwas länger als im Vorjahr, in dem der Netzbetreiber Stromnetz Berlin erstmals knapp unter die 10-Minuten-Marke gerutscht war. „Für Deutschland ist das ein absolut exzellenter Wert“, sagte Stromnetz-Sprecher Olaf Weidner der Deutschen Presse-Agentur.

Fast jeder fünfte Berliner Haushalt hat sich 2015 zudem einen neuen Stromanbieter gesucht. Stromnetz Berlin registrierte 450 0000 Anbieterwechsel bei etwa 2,3 Millionen Haushalten und Gewerbebetrieben in der Hauptstadt. Damit ergriffen die Berliner deutlich häufiger die Chance auf günstigere Strompreise als im Vorjahr.

2200 Kilowattstunden Strom im Jahr

Im Jahr 2014 hatte es noch 72 000 Wechsel weniger gegeben. Damals hatten die Berliner allerdings auch etwas weniger Auswahl: Die Zahl der Stromanbieter stieg in einem Jahr von 420 auf 450. Einige Berliner wechselten den Stromanbieter inzwischen jedes Jahr, um immer wieder Wechselboni mitzunehmen, sagte Weidner.

Beim Stromverbrauch zeigt sich der Sparwille nicht mehr ganz so stark - er blieb in etwa stabil. Ein durchschnittlicher Berliner Haushalt nutzt etwa 2200 Kilowattstunden Strom im Jahr. Gewerbekunden eingerechnet floss 2015 geringfügig weniger Strom durch das Berliner Netz: 13 700 Gigawattstunden statt 13 800 im Vorjahr.

Etwa die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Stroms entfällt nach Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf die Industrie (47 Prozent), nur ein Viertel auf Privathaushalte. Hier fließt der größte Teil in Kochen, Trocknen und Bügeln sowie in Kühl- und Gefrierschränke. Fernseher, Computer und andere Unterhaltungselektronik landen auf Platz drei vor der Warmwasserbereitung.