Facebook-Post

Flüchtlingshelferin erhält Hausverbot am Lageso

Eine Helferin will einem Jungen in einem Zelt eine warme Hose anziehen – und wird rausgeworfen. Begründet wird dies mit Hygieneregeln.

Stundenlang warten die Menschen vor dem Lageso in Moabit

Stundenlang warten die Menschen vor dem Lageso in Moabit

Foto: dpa Picture-Alliance / Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ist bundesweit immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Jeden Tag stehen hier Hunderte und manchmal Tausende Flüchtlinge in langen Schlangen vor der zentralen Leistungsstelle an. Die Zustände sind chaotisch – auch wenn in den vergangenen Wochen immer wieder nachgebessert wurde.

Seit Freitag gibt es einen neuen Vorfall, der für Empörung sorgt. Jorinde Leonhardt, eine der freiwilligen Helferinnen, die die Flüchtlinge vor dem Lageso versorgen, veröffentlichte in der Nacht zu Freitag einen Eintrag im sozialen Netzwerk Facebook, der seither tausendfach geteilt wurde.

„Ich habe soeben Hausverbot im LaGeSo bekommen! Warum? Weil ich dem kleinen Jungen auf diesem Foto eine Ski-Hose anziehen wollte!“, schreibt sie in dem Eintrag und schildert den Fall wie folgt: Sie hätte mit den kleinen Jungen zum Umziehen auf die Straße gehen müssen. Im Zelt des Klinikkonzerns Vivantes, das auf dem Lageso-Gelände steht, sei es verboten, Kindern Kleidung anzuziehen. „Der Kleine sollte also raus in die Kälte, um sich dort umzuziehen – mitten auf der Straße.“

Vivantes begründet den Vorfall mit Hygienevorschriften

In den vergangenen Monaten habe sie bereits „Schikane ohne Ende“ erlebt. Jetzt sei ihre Geduld aber am Ende – immerhin gehe es um ein kleines Kind. An ihrem Rauswurf seien Sicherheitsmitarbeiter, eine Mitarbeiterin von Vivantes und mehrere Polizisten beteiligt. „Was hier geschieht, ist verabscheuungswürdig“, schreibt Leonhardt weiter.

Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett erklärte auf Anfrage der Morgenpost, es sei bei dem Vorfall um hygienische Aspekte gegangen. „Vivantes ist vom Lageso beauftragt, Flüchtlinge vor Ort rund um die Uhr mit Essen zu versorgen", sagte sie. Gegen 21 am Donnerstagabend hätten mehrere Personen im Vivantes-Essenzelt Kleidung an Flüchtlinge verteilen wollen. "Es ist nicht untersagt, im Vivantes-Zelt Kleidung anzulegen", betonte Tschenett, "Zum Schutz vor Infektionen ist jedoch das Verteilen von Kleidung und Essen im Essenszelt durch Dritte aus hygienischen Gründen untersagt, dafür bitten wir um Verständnis. Dieses Verbot wurde vom Sicherheitsdienst durchgesetzt.“

Auch Sascha Langenbach, Sprecher der für das Lageso zuständigen Senatssozialverwaltung, wies die Vorwürfe am Freitag zurück. Dabei nannte er die hygienischen Vorschriften ebenfalls als Grund, relativierte aber auch die Darstellungen in dem Facebook-Post. "Es sind keine Hausverbote erteilt worden", sagte er der Berliner Morgenpost. Die Flüchtlingshelfer könnten natürlich wiederkommen. "Wir haben alle gemeinsam das Ziel, den Menschen vor Ort zu helfen. Doch dabei muss man sich auch an Regeln halten." Auch halte er nicht viel von gegenseitigen Schuldzuweisungen. "Wichtig bei der Zusammenarbeit von Menschen ist immer der gegenseitige Respekt."