Berlin-Besucher

2015 war „das beste Jahr für den Berlin-Tourismus“

Die Auslastung der Hotels stieg auf fast 80 Prozent. Die Branche erwartet mehr als 30 Millionen Übernachtungen. Silvester ist die Stadt voll.

Zahlreiche Touristen drängen sich vor dem Brandenburger Tor

Zahlreiche Touristen drängen sich vor dem Brandenburger Tor

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Der Jahreswechsel 2015/2016 markiert für Berlins Hoteliers und Gastronomen den krönenden Abschluss eines Rekordjahres. Zu Silvester erwartet die Tourismusgesellschaft „Visit Berlin“ wieder zwei Millionen Besucher in der Stadt, die sich mit der größten deutschen Open-Air-Party am Brandenburger Tor einen Ruf als Silvestermetropole erarbeitet hat. Die Stadt sei voll, hieß es.

Die Tourismusbranche ist jedenfalls überaus zufrieden. „2015 war für Berlins Hotellerie und Gastronomie ein ausgezeichnetes Jahr“, sagte Willy Weiland, Präsident des regionalen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, der Berliner Morgenpost. An bessere Zahlen kann sich Weiland, der seit 1987 in Berlin ist, nicht erinnern. „Visit Berlin“-Sprecher Christian Tänzler bestätigte den Eindruck: „Das wird wohl das beste Jahr für den Berlin-Tourismus sein.“ Die Nachwirkungen zum Mauerfall-Jubiläum 2014 hätten der Stadt Auftrieb gegeben und vor allem internationale Besucher angelockt.

Ein Hotelzimmer kostet durchschnittlich 93 Euro

Die Beherbergungsbranche profitiert davon. Die Auslastung der Hotels sei trotz gewachsenem Zimmerangebot um zwei Prozentpunkte auf 77,8 Prozent gestiegen, sagte Dehoga-Chef Weiland: „Ein tolles Ergebnis.“ Und auch der Übernachtungspreis, der lange ein Sorgenkind der Branche war, habe um vier Prozentpunkte deutlich zugelegt. 93 Euro zahlten die Besucher im Durchschnitt für ihr Hotelzimmer. Ein Grund für die positive Entwicklung ist laut Weiland das Finale der Fußball-Champions League, das Anfang Juni die Hotels der Stadt zu sehr guten Preisen komplett gefüllt hatte.

Zwar liegen erst im Februar die offiziellen Zahlen vor, aber die Branche geht davon aus, im Jahr 2015 die Marke von 30 Millionen Übernachtungen geknackt zu haben. „Ich schätze, wir sind über diese Zahl hinaus gekommen“, sagte Weiland. Die leichte Stagnation bei deutschen Gästen aus dem Sommer hat sich nicht fortgesetzt, und bei Ausländern ist der Run auf die deutsche Hauptstadt ungebrochen. Vor allem Briten, Italiener, Holländer, Amerikaner und Spanier kommen in Massen.

Rekordzahlen auch an den Berliner Flughäfen

2014 waren 11,8 Millionen Gäste und 28,7 Millionen Übernachtungen gezählt worden. Bis inklusive Oktober registrierte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit 25,7 Millionen Übernachtungen bereits deutlich mehr Gäste als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, das Plus lag bei 5,6 Prozent. Die 30-Millionen-Marke würde schon dann erreicht, wenn im November und Dezember nur genauso viele Gäste in Berlins Beherbergungsbetrieben nächtigten wie 2014. Nichts deutet jedoch darauf hin, dass der Wachstumstrend des Gesamtjahres ausgerechnet in den letzten beiden Monaten abbrechen wird. „November und Dezember sind gut gebucht“, so der Dehoga-Präsident.

Die Berliner Flughäfen melden ebenfalls einen neuen Rekord: Erstmals wurden mehr als 29 Millionen Passagiere abgefertigt. Auch für das kommende Jahr bleibt die Branche optimistisch. Man sehe ähnliche Zahlen wie 2015, sagte Weiland. Dazu beitragen werde die irische Billigfluglinie Ryan Air, die fünf zusätzliche Maschinen in Schönefeld stationiert hat.

42 Millionen Euro Einnahmen aus der Übernachtungssteuer

Während die Hotelbranche das Vorgehen der Politik gegen illegale Ferienwohnungen begrüßt und davon profitiert, bleibt die City Tax, die Übernachtungssteuer, ein Streitthema mit dem Berliner Senat. Der Tourismusrekord sorgt im ablaufenden Jahr für 42 Millionen Einnahmen aus der Abgabe von fünf Euro auf private Hotelübernachtungen. Nicht jeder Hotelier könne das über den Preis reinholen und müsse den Betrag letztlich aufbringen, sagte Weiland. Der Rechtsstreit der Dehoga mit dem Senat liegt im Moment auf Eis, weil es in Hamburg und Bremen Klagen gegen ähnliche Landessteuern auf Übernachtungen gibt. Sorgen macht der Branche auch die Entwicklung im wichtigen Messe- und Kongresstourismus. Weil das Internationale Congress Centrum geschlossen sei, könnten weniger Kongresse eingeworben werden. „Das geht als Geschäft an uns vorbei“, sagte Weiland.

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