Berlin

Czaja verbietet Vivantes Aufbau einer Herzchirurgie

Der Senator untersagt der Klinik den Aufbau einer kleinen privaten Herzchirurgie. Der Konzern befürchtet nun finanzielle Einbußen.

Am OP-Tisch. Senator Mario Czaja möchte die Herzchirurgie an der Charité in Kombination mit dem deutschen Herzzentrum konzentrieren

Am OP-Tisch. Senator Mario Czaja möchte die Herzchirurgie an der Charité in Kombination mit dem deutschen Herzzentrum konzentrieren

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Dass Berliner Senatoren im Grundsatz die Geschäftspolitik landeseigener Unternehmen vorgeben, ist normal. Was aber jetzt beim Klinikkonzern Vivantes stattgefunden hat, ist in Berlin ungewöhnlich.

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hat die Vivantes-Geschäftsführerin Andrea Grebe angewiesen, auf den Aufbau einer privaten herzchirurgischen Abteilung am Krankenhaus Neukölln zu verzichten. Der Aufsichtsrat hatte den Plan zuvor mit breiter Mehrheit gebilligt, jedoch gegen die Stimmen der Senatsvertreter im Kontrollgremium. Aufsichtsratschef Peter Zühlsdorff sprach von einem „sehr außergewöhnlichen Vorgang“, den er in seiner Zeit als Aufsichtsrat diverser Landesunternehmen noch nicht erlebt habe.

Hintergrund ist ein Streit zwischen Vivantes und Czaja über die Zukunft der Herzchirurgie in der Stadt. Der Senator möchte dieses Fach an der Charité in Kombination mit dem deutschen Herzzentrum konzentrieren. Vivantes argumentiert, ohne eigene Herzchirurgie auch viele nichtchirurgische Eingriffe am Herzen nicht mehr durchführen zu können. Dazu gehören vor allem so genannte Tavis, bei der zusammengefaltete neue Herzklappen durch die Blutgefäße eingeführt werden.

Schaden auf 25 Millonen Euro jährlich beziffert

Den wirtschaftlichen Schaden für die bisher starke Vivantes-Kardiologie bezifferte der Konzern auf bis zu 25 Millionen Euro jährlich. Das könnte Vivantes in die roten Zahlen treiben. Mit der privaten Herzchirurgie glaubte die Geschäftsführung, einen Ausweg gefunden zu haben, um weiterhin selbst die lukrativen Tavis einsetzen zu können. Ein Monopol in der Herzchirurgie sei zudem langfristig schlecht für die Patienten, so das Argument von Vivantes.

Die Gesundheitsverwaltung hält dagegen. Wegen der „vielfältigen innovativen Entwicklungen in der Herzchirurgie“ sei es im „Interesse von Qualität und Wirtschaftlichkeit notwendig“, den „uneingeschränkten herzmedizinischen Versorgungsauftrag auf eine hochleistungsfähige Einrichtung zu begrenzen“, sagte eine Sprecherin Czajas. Die Behörde gehe davon aus, dass der herzchirurgische Bedarf nur in geringem Umfang zunehmen werde. Diesen Bedarf könnten in der Herzchirurgie am Herzzentrum und in der Kardiologie am Standort Campus Virchow Klinikum gedeckt werden. „Für eine weitere Abteilung am Standort Neukölln sehen wir keinen Bedarf“, sagte die Sprecherin. Zumal nach dem Vivantes-Notplan dort nur privat versicherte Patienten behandelt werden könnten.