Ich bin geflüchtet und neu in Berlin

Sie sind neu in der Stadt und haben tausend Fragen. Hier versuchen wir, Ihnen ein paar Antworten auf die wichtigsten Alltagsprobleme zu geben.

Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Berlin

Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Berlin

Foto: Patrick Pleul / dpa

Ich brauche eine Wohnung

In einer Notunterkunft möchte niemand auf Dauer leben. Außerdem reicht der Platz nicht aus, deshalb sucht das Land Berlin nach Wohnraum in Privatwohnungen und hat das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk mit der Vermittlung betraut, an das Sie sich wenden können. Außerdem können Sie sich beim Internetportal Flüchtlinge Willkommen registrieren, das WG-Zimmer vermittelt.

Detaillierte Informationen zur Wohnungssuche finden Sie hier auf Englisch oder Arabisch.

Ich will von A nach B

In Berlin können Sie sich mit Bus, Straßenbahn, S-Bahn oder U-Bahn fortbewegen. Wenn Sie noch nicht registriert sind, gilt das Armband vom LAGeSo als Ticket, danach gibt es ein spezielles Sozialticket. Informationen dazu hier. Wie darüber hinaus der öffentliche Nahverkehr in Berlin funktioniert und wie man an Fahrkarten kommt, erklärt dieses Video.

Außerdem ist Berlin eine Fahrradstadt. Der Verein Rückenwind sammelt Fahrräder für Flüchtlinge und repariert diese gemeinsam mit Ihnen, so kommen sie gratis an ein Fahrrad. Bei Interesse eine Mail an info@rueckenwind.berlin.

Wenn Sie in eine andere Stadt fahren wollen, geht das etwa mit der Deutschen Bahn (DB) oder mit Fernbussen. Hier eine Anleitung dazu.

Ich will Deutsch lernen

Leider haben Sie nur als anerkannter Flüchtling Anspruch auf einen bezahlten Deutschkurs. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, gibt es jedoch viele ehrenamtliche Angebote verschiedener Initiativen und Vereine. Das Netzwerk "Deutschkurse für alle" hat viele Kurse aufgelistet, als Liste oder auf einer Karte. Die Initiative "Deutsch für dich" zum Beispiel gibt Deutschkurse in einer Neuköllner Bar, an denen man gegen ein geringes Trinkgeld teilnehmen kann.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich einen sogenannten "Tandempartner" zu suchen, der Ihre Muttersprache lernen möchte und dafür mit Ihnen Deutsch übt.

Die wichtigsten Redewendungen finden Sie im "Refugee Phrasebook", außerdem gibt es online viele kostenlose Wörterbücher, für Arabisch etwa "Lessan", für Kurdisch und Paschto "Glosbe".

Ich will arbeiten

Das ist in den ersten drei Monaten offiziell nicht möglich. Dieses Video erklärt Ihnen, wie Sie danach in Deutschland Arbeit finden können. Die Seite „RefugeesWork“ bringt Neuankömmlinge und Locals beruflich zusammen.

Ich will ein Bankkonto eröffnen

In Deutschland kann man überall bar zahlen, trotzdem brauchen Sie irgendwann ein Bankkonto, etwa für Mietzahlungen. Obwohl Anfang September 2015 angesichts der vielen Flüchtlinge die Regelungen zur Kontoeröffnung gelockert wurden, eröffnen nur wenige Banken Flüchtlingen ein Konto. Zu ihnen gehört etwa die Berliner Sparkasse, die dafür eigens zwei neue Filialen eröffnet hat. Informationen dazu hier (auch auf Arabisch).

Ich brauche Internetzugang

Zum Internet werden Sie so schnell wie möglich Zugang haben wollen, da es oft das einzige Mittel ist, mit den Daheimgebliebenen zu kommunizieren. In Berlin gibt es kostenlose Hotspots in Cafés, auf öffentlichen Plätzen oder in Bibliotheken, eine Liste finden Sie hier. Weitere freie Netze der Initiative Freifunk hier als Kartenansicht.

Und hier eine Anleitung, wie Sie mit Ihrem Smartphone ins Internet kommen.

Ich brauche Rechtsberatung

Anwälte sind teuer. Deshalb bieten manche von ihnen kostenlos telefonische Rechtsberatungen an.

Wie in vielen Städten bieten auch Berliner Jurastudenten bald kostenlose Rechtsberatungen im Rahmen einer sogenannten „Refugee Law Clinic“ an.

Auf der interaktiven Karte „Arriving in Berlin“ sind zudem Arabisch- und Farsi-sprechende Anwälte, die auf Asylrecht spezialisiert sind, aufgeführt.

Ich brauche eine medizinische Behandlung

Wenn Sie Schmerzen haben, schwanger sind oder akute gesundheitliche Beschwerden, haben Sie auch mit einem unsicheren Status Recht auf medizinische Behandlung, dazu wenden Sie sich an die für Sie zuständige Behörde.

Alternativ vermittelt das Medibüro unbürokratisch Termine bei Ärzten. Hier finden Sie Informationen zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne legalen Aufenthaltsstaus.

Auf der interaktiven Karte „Arriving in Berlin“ sind zudem Arabisch- und Farsi-sprechende Ärzte (auch Frauenärzte) aufgeführt.

Der Verein Xenion bietet psychosoziale Hilfe für politisch Verfolgte.

Ich will meine Kinder in der Schule anmelden

In Deutschland gibt es eine Schulpflicht und Ihren Kindern wird ein Schulbesuch sicher zugute kommen. Sie lernen dort Deutsch und können Freundschaften schließen. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Kind in der Schule anmelden können.

Viele Ehrenamtliche helfen bei den Hausaufgaben, etwa von der Caritas.

Kleinere Kinder können einen Kindergarten besuchen, Informationen dazu hat die Stadt Berlin mehrsprachig auf einem Flyer zusammengestellt.

Ich will meine Familie nachholen

Das geht leider erst, wenn sie im Besitz eines Aufenthaltstitels sind, Informationen dazu beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Sollten sich Familienangehörige ebenfalls im Ausland befinden, können Sie versuchen, sie über die Organisation Refunite wiederzufinden.

Ich will studieren

Auch etwas, das erst mit einem Aufenthaltstitel möglich ist. Es gibt aber Überbrückungsangebote: An der Humboldt-Universität etwa die Möglichkeit, sich als Gasthörer einzuschreiben und Vorlesungen zu besuchen, die Sie interessieren. Die Universität erlässt Ihnen die Gebühren, Sie gelten aber nicht offiziell als Student. Die Technische Universität bietet ein ähnliches Programm an, hier können im Einzelfall sogar Prüfungen abgelegt werden. Bei der Online-Universität Kiron können Sie kostenlos und ohne Papiere studieren - in den ersten beiden Jahren online, im dritten dann an einer Partnerhochschule.

Ich will Sport treiben

In Berlin gibt es knapp 2500 Sportvereine, einige von ihnen haben bereits Kooperationen mit Notunterkünften. Durch aktuelle Förderprogramme gibt es immer mehr Vereine, die speziell für Flüchtlinge Programme anbieten (wodurch Sie eventuelle Gebühren sparen). Nachfragen lohnt sich, für Fußball gibt es auch den Verein "Champions ohne Grenzen", für Basketball „One World Basketball“.

Um unkompliziert Leute zum Kicken, Joggen oder für andere Sportarten zu finden, oder herauszufinden, wann und wo sich bereits bestehende Gruppen treffen, schauen Sie auf Kiezsport030 nach.

Ich will etwas in meiner Freizeit unternehmen

In der Wartephase haben Sie mehr Freizeit, als Ihnen lieb ist. In Berlin gibt es aber viele Möglichkeiten, diese zu nutzen. Das Portal "Gratis in Berlin" listet täglich Veranstaltungen oder Kurse auf, an denen Sie kostenlos teilnehmen können. Auch die Berliner Bibliotheken können Sie umsonst nutzen. Jeden Wochentag um die Mittagszeit und kurz vor Mitternacht sendet das „Refugee Radio“ auf der Frequenz 96,3 Mhz.

Ich will nette Berliner kennenlernen

Die Initiative „Start with a friend“ vermittelt unkompliziert Kontakte und hilft, neue Menschen kennenzulernen, die gerne ihre Stadt zeigen, bei bürokratischen Dingen helfen und offen sind für gemeinsame Unternehmungen.

Der Verein „Über den Tellerrand kochen“ veranstaltet Kochkurse und gemeinsame Abendessen, bei denen Flüchtlinge aus aller Welt den Teilnehmern zeigen, wie man ein Menü aus ihrem Heimatland zubereitet.

Ich will etwas einkaufen, habe aber kaum Geld

Die Kleiderkammer der Notunterkunft gibt oft nicht das her, was Sie grad brauchen. In Berlin gibt es sogenannte Sozialkaufhäuser, wo Kleidung, Babysachen, CDs, Elektrogeräte etc. für wenig oder gar kein Geld bezogen werden können. Eine Liste finden Sie hier.

Zum Schluss...

Fünf verschiedene Mülleimer, auf der Rolltreppe rechts stehen und Flaschenpfand bezahlen? Wie jedes Land der Welt hat auch Deutschland seine Eigenheiten. Eine übersichtliche Einleitung in das praktische Leben bietet der Refugeeguide – gemeinsam mit Flüchtlingen erarbeitet und vom Verein ProAsyl abgesegnet.

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