Flüchtlingskrise

Nach der Nacht am Lageso: Welche Fragen sich nun stellen

Das Team der Berliner Morgenpost verbrachte eine Nacht am Lageso und dokumentiere die Situation vor Ort. Sie wirft neue Fragen auf.

Eine ganze Nacht hat das Team der Berliner Morgenpost am Lageso verbracht und die Ereignisse in einem Live-Ticker dokumentiert. Die wichtigste Erkenntnis nach der Live-Reportage: Ohne freiwillige Helfer läuft am Lageso gar nichts.

Der bisherige Umgang mit den Flüchtlingen am Lageso wirft viele Fragen auf:

Warum müssen Flüchtlinge auf der Straße übernachten?

Tagsüber warten hunderte Flüchtlinge in den beiden beheizten Zelten, die vor dem Lageso-Gebäude aufgebaut sind. Nachts werden diese geräumt. Die Schutzsuchenden, unter ihnen auch viele Kinder, übernachten auf der Straße, die großen beheizten Zelte bleiben leer.

Warum läuft die Versorgung der Wartenden bis heute nur über private Helfer?

Im Minutentakt fahren freiwillige Helfer vor das Gebäude. Sie verteilen warme Mahlzeiten und heiße Getränke. Einige kommen mit Schlafsäcken und Decken, ohne die die nächtliche Kälte kaum auszuhalten wäre. Finanziert wird die Hilfe komplett aus privater Hand.

Warum gibt es keine zentrale Anlaufstelle für Informationen?

Es ist schwierig, vor Ort an Informationen zu kommen. Noch schwieriger ist es für die Flüchtlinge, die kaum oder gar nicht Deutsch sprechen. Stundenlang warten Flüchtlinge auf einen Bus, der für 18 Uhr angekündigt war. Zwei Stunden später ist immer noch kein Bus in Sicht.

>>>Live-Report - Eine Nacht am Lageso in Berlin

Wie lange geht das noch so?

Die gereizte Stimmung vor Ort ist spürbar. Übermüdete Flüchtlinge, überfordertes Schutzpersonal, überarbeitete Helfer. Die Situation zerrt an allen Nerven und die fehlenden Lösungsansätze entmutigen oft.

Kann man die Organisation besser koordinieren?

Täglich werden 500 Flüchtlinge zur Registrierung zum Lageso bestellt. Dabei können nur rund 300 abgearbeitet werden. Das hat zufolge, dass viele das Lageso-Gelände gar nicht erst verlassen und auf der Straße übernachten. Sie erhoffen sich dadurch, morgens in der Schlange möglichst weit vorne zu stehen und so schneller von den Lageso-Mitarbeitern angehört zu werden. Doch das Anstehen in den vorderen Plätzen ist kein Garant dafür, dass man vorgelassen wird.

Trotz der vielen Baustellen in der Organisation und Planung ist immer wieder der Einsatz der freiwilligen Helfer vor Ort zu loben. Und auch die Organisation entwickelt sich mit der Zeit. So dürfen Frauen und Familien in einem gesonderten Zelt auf ihre Bearbeitung warten. Diese werden bei der Registrierung am Lageso bevorzugt.

Auch abends, wenn die Busse zu den Unterkünften fahren, haben Frauen und Familien den Vortritt. Erst danach werden allein oder in Gruppen reisende Männer abgearbeitet. Es ist eine große Aufgabe, vor der Berlin steht, doch mit der großen Unterstützung aus der Bevölkerung ist auch diese Krise sicherlich zu meistern.