Prozess

Wachleute vom Vorwurf der Gewalt freigesprochen

Zwei Sicherheitsmitarbeiter sollen vor dem Lageso-Gelände einen Flüchtling misshandelt haben. Jetzt stehe sie vor Gericht

Zwei Jahre nach einem Zwischenfall am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) haben zwei Wachleute am Donnerstag vor einer Tiergartener Strafrichterin eine Prügelattacke auf einen Flüchtling bestritten. Der Anklage zufolge war ein 34-Jähriger am 10. Oktober 2013 auf dem Gelände an der Moabiter Turmstraße von zwei Sicherheitsmitarbeitern angegriffen worden. Im Anklagesatz ist von Faustschlägen gegen den Kopf die Rede. Anschließend hätten die Angeklagten den Afghanen am Boden fixiert und ihn geschlagen und getreten. Der Flüchtling soll ein Schädel-Hirn-Trauma, Blutungen am Augapfel, Prellungen und Schürfwunden erlitten haben.

Die 34 und 42 Jahre alten Angeklagten wiesen die Vorwürfe zu Prozessbeginn zurück. Ihrer Aussage zufolge war der 34-Jährige an diesem Tag viel zur früh zu einem Termin erschienen und habe sich darüber erregt, als ihm dies mitgeteilt worden sei. Der Flüchtling habe in seiner Wut dann auch als erster zugeschlagen. Daraufhin habe sich einer der Angeklagten „reflexartig gewehrt“, einmal zurückgeschlagen und den aufgebrachten Mann dabei am Auge getroffen. Danach hätten sie den Flüchtling ohne weitere Gewaltanwendung beruhigen und in ein Gebäude bringen können.

Angeblich „wie ein Tier“ in ein Gebäude gezogen

Der als Zeuge geladene 34-Jährige schilderte es anders: Er sei an diesem Tag tatsächlich ein wenig zu früh erschienen, hieß es in seiner sehr aufgeregt vorgetragenen Aussage. Die beiden Wachleute hätten ihn dreimal rüde zurückgewiesen, ihn ausgelacht und offenbar auch verspottet – er spreche nur Persisch und habe ihre Wort nicht verstehen können. Nach der dritten Abweisung habe er sich umgedreht und enttäuscht wieder fortgehen wollen. Daraufhin sei ihm einer der Wachleute gefolgt und habe ihm von hinten aufs Auge geschlagen. Anschließend hätten sie ihn zu Boden gebracht, seine Arme mit einer metallenen Handfessel auf dem Rücken fixiert und ihn weiter malträtiert. „Ich dachte, mein Leben ist zu Ende und ich sterbe“, sagte der 34-Jährige. Er sei aus Afghanistan vor den Taliban geflohen und habe nicht erwartet, dass es ihm auch hier wieder schlecht gehen werde.

Auf Nachfragen der Richterin gab es jedoch deutlich Abweichungen von der Aussage, die er kurz nach dem Vorfall bei der Polizei gemacht hatte. So hatte er dort noch nicht erzählt, dass er von den Wachleuten verhöhnt worden sei und dass sie ihn angeblich „wie ein Tier ins Gebäude geschliffen“ hätten. Auch die von ihm geschilderten massiven Verletzungen ließen sich nicht mit dem Gutachten der Ärzte in Übereinstimmung bringen.

Am Ende wurden die Beschuldigten freigesprochen. Es sei kein Sachverhalt festgestellt worden, der zu einem Schuldspruch hätte führen können, so das Gericht. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf Freispruch plädiert.