Grundstücke umgewandelt

Wo der Senat neue Wohnungen in Berlin plant

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Isabell Jürgens

Berlin braucht dringend Wohnungen. Der Senat wandelt nun zehn große Grundstücke um und schafft so neue Flächen für Tausende Einheiten.

Der Wohnungsmangel in Berlin nimmt immer dramatischere Züge an. Zwar werden in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 10.000 Wohnungen fertiggestellt – immerhin gut 3000 mehr als 2014. Damit deckt das Neubauaufkommen allerdings noch immer nicht den Bedarf, denn die Zahl der Haushalte ist seit 2009 jedes Jahr um mehr als 20.000 gestiegen. Experten etwa des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung gehen davon aus, dass die Bevölkerung bis 2030 auf rund vier Millionen Einwohner wächst.

Ursache für den schleppenden Neubau, der dem tatsächlichen Bedarf so deutlich hinterherhinkt, ist vor allem der zunehmende Mangel an Bauland. Der Senat hat in seiner Sitzung am Dienstag deshalb zehn Änderungen des Berliner Flächennutzungsplans beschlossen. Insgesamt umfassen die Änderungen Gebiete für über mögliche 6580 Wohnungen an zehn Standorten.

Ehemaliger Truppenübungsplatz für 2500

Das mit Abstand größte Areal ist ein knapp 100 Hektar große ehemaliger Truppenübungsplatz der US-Armee in Lichterfelde-Süd (Steglitz-Zehlendorf). Nachdem im vergangenen Monat ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung des Areals scheiterte, soll dort auf einer Teilfläche nun ein Wohngebiet mit 2500 Wohneinheiten entstehen.

Östlich Niederneuendorfer Allee soll in Spandau eine zuvor gewerblich genutzte Fläche für die Entwicklung von überwiegend kleinteiligen Wohnungen in attraktiver Wasserlage umgewidmet werden. Insgesamt sollen 315 Wohnungen entstehen. Ebenfalls in Spandau, westlich der Griesingerstraße soll aus einem ehemaligen Klinikstandort ein „landschaftlich geprägtes Wohngebiet“ werden. 200 Wohnungen sollen entstehen, der Waldbestand jedoch erhalten bleiben.

Schneller Bauen durch „vereinfachtes Verfahren“

Am Blockdammweg im Ortsteil Karlshorst (Lichtenberg) soll auf einer überwiegend brachliegenden Gewerbefläche ein neues Wohnquartier mit bis zu 1000 Wohneinheiten entwickelt werden. Vorgesehen ist auch ein Grünzug, der den Volkspark Wuhlheide mit der Spree verbindet.

Im Einzugsbereich des Ortsteilzentrums Mahlsdorf (Marzahn-Hellersdorf) werden an der Elsen-, beziehungsweise Parlerstraße zwei Potenzialflächen durch Neuordnung der umgebenden Wohnbebauung ermöglicht. Im Einzugsbereich an der Tram zwischen den S-Bahnhöfen Mahlsdorf und Köpenick können 920 Wohneinheiten entstehen.

„Berlin wächst und wandelt sich ständig. Deshalb ist es wichtig, den Flächennutzungsplan immer wieder zu aktualisieren und an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen“, begründete Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) die Änderungen. So werde die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Planungsziele für den dringend benötigten Wohnraum umgesetzt werden könnten.

Fünf weitere Änderungen des Flächennutzungsplans betreffen Areale, auf denen der Senat ohnehin schon Wohngebiete errichten wollte. Durch das sogenannte „vereinfachte Verfahren“, soll dies jetzt jedoch schneller möglich werden. So sind etwa Umweltverträglichkeitsprüfungen nicht mehr erforderlich.

Berlin widmet sogenannte „Gemeinbedarfsflächen“ um

In der südlichen Friedrichstadt (Friedrichshain-Kreuzberg) sollen 720 Wohnungen und Grünflächen entstehen. An der Leonorenstraße (Steglitz-Zehlendorf) ist die Nachnutzung des ehemaligen Krankenhausstandortes am Teltowkanal vorgesehen, Insgesamt 80 Wohnungen sollen in die lockere Wohnbebauung integriert werden.

An der Wexstraße Ecke Erfurter Straße (Tempelhof-Schöneberg) soll Platz auf den ehemaligen Gemeinbedarfsflächen für maximal 400 Wohneinheiten entstehen. Auf solchen Flächen hätten ohne die Änderung nur Einrichtungen errichtet werden dürfen, die der Allgemeinheit dienen – etwa Kitas, Schulen, Kirchen oder kulturelle Einrichtungen. Nördlich der Rudower Chaussee und östlich des Segelfliegerdamms im Ortsteil Adlershof (Treptow-Köpenick) soll das Stadtquartier um den zentralen Landschaftspark herum weiterentwickelt und damit zusätzliche 350 Wohnungen ermöglicht werden. In Altglienicke (Treptow-Köpenick) sollen auf ehemaligen landeseigenen Gemeinbedarfsflächen nördlich des Mohnweges und den angrenzenden Brachflächen insgesamt 100 Wohnungen Platz finden. Für das wiedervereinigte Berlin wurde der erste gemeinsame Flächennutzungsplan 1994 beschlossen. Dieser Plan gilt noch. Allerdings wurden seitdem rund 200 Änderungen beschlossen.