Berlin

Hoffen auf Hilfe

43 Millionen Euro kostet die Umgestaltung der Hedwigs-Kathedrale. Erzbischof will „betteln gehen“

In dem erbitterten Streit um den Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale sucht der Berliner Erzbischof Heiner Koch nach einem Ausweg. Am Donnerstag präsentierte er die nächsten Schritte, die schließlich zu einer Entscheidung führen sollen.

Erstmals legte der Erzbischof eine Kostenrechnung vor, nach der der Umbau der zentralen Bischofskirche etwa 43 Millionen Euro kosten würde. Würde man sich lediglich auf eine Sanierung ohne Umbau beschränken, müssten knapp 17 Millionen Euro veranschlagt werden.

Den Streit hat Erzbischof Koch mit seinem Amtsantritt von seinem Vorgänger Kardinal Rainer Maria Woelki geerbt. Der hatte in seiner Amtszeit von 2011 bis 2014 in Berlin einen Architekturwettbewerb ausgelobt, um den Innenraum repräsentativer zu gestalten und den liturgischen Anforderungen anzupassen. So bemängelte Woelki zum Beispiel, dass man den Altar nicht wie vorgesehen umschreiten könne.

Doch nach der Präsentation des Sieger-Entwurfs des Architekturbüros Sichau & Walter erhob sich ein Proteststurm von Denkmalschützern, Kunsthistorikern und Mitgliedern der Gemeinde. Von einer „Teilzerstörung eines Denkmals“ war die Rede. Der Entwurf sieht vor, die Öffnung zwischen Ober und Unterkirche im Innenraum zu schließen. Der Architekt Hans Schwippert hatte 1963 den Boden in der Kirche geöffnet, um eine Verbindung zwischen der Krypta, dem Ort der Vergangenheit, und dem Raum um den Altar, einem Ort der Gegenwart, zu schaffen. Die Initiative Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale will diese Öffnung erhalten, weil sie gerade darin die Einzigartigkeit der Kathedrale sehen.

Die Fronten sind verhärtet, ein Kompromiss scheint schwierig. Erzbischof Heiner Koch will nun die „sehr emotional“ geführte Diskussion durch ein Fachsymposium am 15. Dezember versachlichen, auf dem Experten noch einmal ihre Argumente austauschen sollen. Danach sollen die Gremien ihr Votum abgegeben. „Letztlich werde ich eine Entscheidung treffen“, kündigte der Erzbischof am Donnerstag an.

Zur Wahl stehen eine Sanierung ohne Veränderung des Nutzungskonzepts oder der Umbau und die Erweiterung der Kathedrale nach dem preisgekrönten Entwurf. Ein anderer Entwurf als der Erstplatzierte kommt nach den Wettbewerbsregularien nicht in Frage, allerdings können noch Änderungen eingefordert werden.

Die hohen Kosten für den Umbau von 43 Millionen Euro ergeben sich unter anderem auch durch den in dem Entwurf geplanten Neubau einer Tiefsakristei unter der Erde zwischen St. Hedwigs-Kathedrale und dem dahinter liegenden Bernhard-Lichtenberg-Haus. Allein dieser Neubau würde laut Berechnung des Architekturbüros 7,5 Millionen Euro kosten.

Doch gerade in diesem Punkt fürchten Kritiker, dass es zu einer unkalkulierbaren Kostenexplosion kommen könnte. „Wie riskant es ist, direkt neben dem Fundament der Kathedrale sieben Meter tief in die Erde zu gehen, zeigt das Beispiel der nicht weit entfernten Friedrichswerderschen Kirche“, sagte Werner Kohl von der Initiative Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale. Durch die Baugruben für die benachbarten Wohnbauten ist die Schinkel-Kirche stark beschädigt worden.

Bernd Jünemann, Dezernatsleiter für Bau und Finanzen, betonte jedoch, dass ein Gutachten ergeben habe, dass die Grube für die Tiefsakristei kein Risiko für die Kathedrale darstelle. Der Boden sei anders beschaffen als an der Friedrichswerderschen Kirche und die Ausgangsbedingungen wären daher nicht vergleichbar.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, Baumaßnahmen sind an der Kathedrale dringend notwendig. Das machte Erzbischof Koch eindringlich klar. Die Heizungsanlage sei teilweise defekt, die Wände seien verschmutzt, es gebe Feuchtigkeitsschäden, die Raumakustik sei unbefriedigend, die Elektrik veraltet und es gebe auch keinen behindertengerechten Zugang zu allen Räumen. Die Kosten für die reine Sanierung werden auf 17 Millionen Euro geschätzt, selbst dieser Betrag wäre finanziell für das Erzbistum Berlin schwer zu stemmen. Die Rücklagen für Instandhaltungsmaßnahmen würden 35 Millionen Euro betragen, so Jünemann. Allerdings müssten davon Baumaßnahmen an allen Bauten des Erzbistums einschließlich der zahlreichen Schulen finanziert werden.

Der aufwendige Umbau nach dem Siegerentwurf würde die Finanzkraft des Erzbistums in jedem Fall überschreiten. „Ich werde das Erzbistum nicht wegen der Baumaßnahmen in eine erneute Finanzkrise führen“, versicherte Erzbischof Koch. Auch die Zuschüsse für die Caritas würden nicht gekürzt, um davon bauen zu können.

Wenn eine Entscheidung gefallen ist, werde er „betteln gehen“, vor allem auch bei den anderen Bistümern. Unterstützung sei ihm von dort schon signalisiert worden.

Insgesamt hat Erzbischof Koch in der ganzen Debatte einen Wandel festgestellt. Es gebe zwar immer noch viel Widerstand, aber auch die Bereitschaft, einzulenken. „Ich bin dankbar, dass inzwischen viele mir geschrieben haben, dass sie mit der Kathedrale und dem Bischof verbunden bleiben wollen, auch wenn ihre Vorstellungen nicht umgesetzt werden“, sagte Koch.

Die Initiative Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale will weiter für den Erhalt der Kathedrale in der gegenwärtigen denkmalgeschützten Form kämpfen. „Damit die Kirche glaubwürdig bleibt, müssen die finanziellen Konsequenzen baulicher Maßnahmen in unserer Kathedrale einsichtig, notwendig und verantwortbar sein“, heißt es in ihrem Aufruf. Zum nicht öffentlichen Fachsymposium Mitte Dezember ist die Initiative nicht eingeladen.