Morde

Mordfälle Elias und Mohamed - Pressekonferenz der Polizei

Die Polizei informiert auf einer Pressekonferenz über die Ermittlungen in den Mordfällen Elias und Mohamed. Die Mitschrift.

Noch ist vieles ungeklärt bei den Mordfällen Elias und Mohamed. Die Polizei stellt sich den Fragen der Journalisten.

Michael von Hagen, Oberstaatsanwalt in Berlin: Der Leichnam hatte Spuren äußerlicher, stumpfer Gewalt gegen den Hals aufgewiesen. Das Kind wurde kurz nach der Entführung getötet. Der Beschuldigte ist gestern vernommen worden. Er hat Mohamed vom Lageso in seine Wohnung in Großgörschen gebracht. Es ist dort am Abend auch zu sexuellen Handlungen an dem Kind gekommen. Danach hat das Kind, so wie er sich ausdrückt, gequengelt und gemault und wollte weg. Weil er vermeiden wollte, dass die Tat offenkundig wird, er wohnte im Obergeschoss, seine Eltern im Erdgeschoss, hat er Mohamed mit einem Gürtel erwürgt. Dann hat er das Kind in einer Wanne auf den Dachboden gebracht. Er hat dann Katzenstreu gekauft und die Leiche abgedeckt, so dass die Leiche nicht mehr zu sehen war.

Er hat dann die Leiche in das Auto gebracht und ist mit dem Auto herumgefahren. Das hatte einen profanen Grund: Er musste noch ein Geschenk für seine Cousine kaufen. Als er in das elterliche Haus zurückkam, hat die Polizei bereits auf ihn gewartet. Er hat uns das sehr detailreich geschildert, sodass wir davon ausgehen, dass es sich um zutreffende Angaben handelt. Das deckt sich mit dem Ergebnis der Obduktion.

Er hat auf Nachfrage eingeräumt, ein weiteres Kind getötet zu haben und eingeräumt, dass es sich dabei um den vermissten Elias handeln soll.

Heinrich Junker, Leitender Oberstaatsanwalt in Brandenburg: Wir haben die Vernehmungsprotokolle bekommen und ausgewertet und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es besteht der Verdacht, dass Silvio S. Elias entführt und anschließend getötet hat. Er hat im Vergleich zu Mohamed keine detaillierten Angaben gemacht, sondern nur die Tat eingeräumt. Weitere Details hat er nicht genannt. Die Vernehmung wurde beendet und ist nicht weiter fortgeführt worden.

Er hat mitgeteilt, dass das Kind vergraben wurde und hat eine Skizze mitgeteilt. Polizei und Kriminaltechnik sind vor Ort. Wir wissen aber noch nicht, ob dort eine Leiche vergraben und zu finden ist.

Winfrid Wenzel, Kriminaloberrat: Es gibt nach wie vor keine Hinweise, dass Silvio S. in Berlin beruflich aktiv gewesen ist. Auch der Fall der vermissten Inga in Sachsen-Anhalt wird noch einmal überprüft, weil das Land in räumlicher Nähe liegt.

Wir gehen nach wie vor davon aus, dass es sich bei Silvio S. um einen Einzeltäter handelt. Die Hinweise, dass es sich um einen Einzelgänger handelt, der auch mobil ist, treffen alle auf Silvio S. zu.

Junker: Er hat keine detaillierten Angaben zu Elias gemacht - auch nicht, wann er den Jungen getötet hat. Es könnte aber unmittelbar nach der Tat gewesen sein. Er hat eine Andeutung gemacht.

von Hagen: Das würde auch zu den Angaben im Fall Mohamed passen, wo er den Jungen einen Tag nach der Entführung vom Lageso umgebracht hat.

Junker: Das war aber am Ende seiner Vernehmung, wo er sehr wortkarg geworden ist.

Wenzel: Er hat am Tag der Tat, als er das Lageso betreten hat, Kuscheltiere und Spielzeug dabei, die er habe spenden wollen (auf die Frage, ob er Mohamed zufällig getroffen hat).

Natürlich ist dem Verdächtigen auch ein Fahndungsplakat von Elias gezeigt worden und er hat bestätigt, dass es sich um den Jungen handelt, den er getötet hat.

Michael Scharf, Polizei Brandenburg: Die Soko Schlaatz ist jetzt an dem Ort, wo Elias vergraben sein soll, mit Berliner Kollegen. Wir arbeiten mit der Berliner Polizei zusammen. Wir haben auch gestern Kontakt aufgenommen. Wir ermitteln auch nach wie vor intensiv und schauen jetzt, was am Ende letztlich bei rauskommt.

Was die Mutter von Elias betrifft, haben wir Kontakt mit ihr aufgenommen und entsprechende Unterstützung angeboten. Wir haben ihr auch angedeutet, was eintreten kann (dass die Leiche von Elias gefunden werden könnte). Wir sind als Ansprechpartner für sie auf alle Fälle da.

Wenzel: Es gibt ein Grundstück, auf das der Beschuldigte Zugriff hat, und das jetzt von der Polizei Brandenburg aufgesucht wurde. Das soll auch der Ort sein, wo Elias von ihm vergraben wurde. Das ist im Nahbereich von Luckenwalde.

von Hagen: Es gab bislang keine Erkenntnisse, die ihn mit sexuellen Taten in Verbindung bringen. Insofern ist er weiter für uns ein unbeschriebenes Blatt.

Scharf: Es gibt noch keinen konkreten Hinweis, was den schwarzen Kombi betrifft (der im Fall Elias von Zeugen gemeldet wurde). Er könnte ein Fahrzeug des Wachschutzes, für den er arbeitete, genutzt haben. Mit dem weißen Wagen (in dem er Mohameds Leiche transportierte) war er offenbar nicht in Schlaatz, wo Elias entführt wurde. Das Fahrzeug spielte in allen Hinweisen keine Rolle.

von Hagen: Gestern ist die Vernehmung auf seinen Wunsch unterbrochen worden, er war dann ermüdet. Es ist heute versucht worden, die Vernehmung fortzuführen, er hat dann aber auf Anraten seiner Anwälte davon Abstand genommen, weitere Details zu nennen.

Scharf: Wir haben zurzeit das Grundstück weiträumig abgesperrt, um zu verhindern, dass weitere Spuren zerstört werden. Zurzeit ist die Gerichtsmedizin vor Ort und sucht das Gelände ab. Der Verdächtige hat in seiner Skizze eine ganz konkrete Stelle benannt. Und es ist auch so, dass an dieser Stelle Grabungen stattgefunden hatten. Jetzt wird das Erdreich abgetragen, und zwar die ganze Liegenschaft, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass noch mehr gefunden werden könnte.

von Hagen: Er war wohl darauf bedacht, dass seine Eltern das nicht mitbekommen, dass er einen Jungen in seiner Wohnung hat. Deshalb hat er Mohamed auch umgebracht, weil das Kind immer lauter wurde und er nicht entdeckt werden wollte.

Wenzel: Wir haben ihm keine weiteren Fahndungsplakate vorgelegt. Der Teil Elias, das war für ihn so etwas wie die innere Erlösung, dass er den Mord gesteht, dann wollte er aber keine weiteren Auskünfte sagen.

von Hagen: Ganz entscheidend für den Ermittlungserfolg sind die Videos gewesen. Der Täter hat gesagt, dass er schon nach den ersten unscharfen Bilder von seiner Mutter angesprochen worden sei, ob er das sei. Das habe er noch glaubhaft verneinen können. Nach den zweiten schärferen Bildern habe seine Mutter ihn wieder angesprochen und er habe auch das Gespräch mit ihr gesucht. Er habe dann vorgehabt, zur Polizei zu fahren, sie rief dann aber bei der Polizei an.

Wenzel: Der Verdächtige hat nicht das Chaos am Lageso ausgenutzt. Er hatte ganz klar gesagt, dass er vorhatte, Sachen zu spenden. Und der Fall Elias zeigt, dass er so nicht vorgegangen ist.

von Hagen: Er hat keine konkreten Angaben zu Uhrzeiten gemacht. Er sei an einer Stelle auf Mohamed aufmerksam geworden, und habe ihm ein Plüschtier gegeben, das der auch genommen habe. Der Junge sei dann hinter ihm hergelaufen, dann habe er ihn an die Hand genommen und das Gelände verlassen und sei zu seinem Fahrzeug gegangen, das in der Nähe geparkt gewesen sei. Er sei dann rumgefahren, habe überlegt, was er machen solle und sei dann mit dem Kind zu sich nach Hause in die Wohnung gefahren.

Wenzel: Er war im Teltower Wachschutz tätig, aber wir können keine Aussagen machen, ob er an irgendwelchen Flüchtlingsunterkünften eingesetzt worden war.

von Hagen: Der Verfolgungseifer der Strafverfolgungsbehörden richtet sich im Moment ganz bestimmt nicht gegen den Wirt. Es ist auch zweifelhaft, ob es sich um eine Straftat oder um eine Ordnungwidrigkeit handelt. Wir werden ganz bestimmt nicht gegen ihn vorgehen (auf die Frage, ob der Wirt, dessen Kamera den Verdächtigen aufgenommen hatte, mit rechlichen Konsequenzen rechnen muss).

Er hat sich ganz konkret Gedanken gemacht, dass eine Leiche irgendwann anfängt zu riechen und ist dann auf Katzenstreu gekommen. Er hat zwei bis drei Packungen gekauft und auf die Leiche in der Wanne gekippt, so dass es dann nicht zu einer Geruchsbildung gekommen ist (auf die Frage, wie der Verdächtige auf Katzenstreu gekommen sei).

+++ Ende der Pressekonferenz +++

Hinweis: Die Mitschrift gibt Auszüge aus der Pressekonferenz wieder.