Gesundheit

Erste Infektionen: Mediziner raten zur Grippe-Impfung

Unter Krankenkassenversicherten entfacht eine Diskussion: Was ist dran an den Gerüchten um den „besseren“ Impfstoff?

Die Grippesaison hat angefangen. In Deutschland wurden erste Grippefälle registriert. Ärzte und  Experten raten zur Vorsorge.

Die Grippesaison hat angefangen. In Deutschland wurden erste Grippefälle registriert. Ärzte und Experten raten zur Vorsorge.

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

In Deutschland haben Ärzte und medizinische Labore die ersten Grippefälle registriert. Mit sieben nachgewiesenen Infektionen mit dem Influenzavirus ist die Zahl aber noch außerordentlich klein – wie üblich zu dieser Jahreszeit. Der Ansturm der Viren beginnt in der Regel erst Ende Januar.

Die ersten Fälle können aber eine Erinnerung sein, sich vom Hausarzt impfen zu lassen. Geraten wird zur Impfung im Oktober oder November. Zehn bis 14 Tage nach der Injektion ist der Schutz voll aufgebaut.

Rollt die Grippewelle schon und man hat den besten Impfzeitpunkt verpasst, sollte man sich dennoch impfen lassen – keiner weiß, wie lange die Grippesaison andauert und wann es einen selbst (ohne Impfschutz) erwischen würde. Empfohlen wird der Schutz vor allem Risikogruppen: Das sind Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke – etwa Diabetiker, Immungeschwächte, Leber- und Nierenkranke oder Herzkranke – sowie medizinisches Personal.

Mehrere Tausend Tote pro Saison sind keine Seltenheit

Viele Deutsche halten das für überflüssig – so eine Grippe gilt ihnen als Bagatelle. Doch die „echte“ Grippe mit Influenzaviren ist – anders als eine Erkältung (oft grippaler Infekt genannt) – für bereits geschwächte Menschen eine bedrohliche Erkrankung.

Je nach Schwere der Grippewelle sterben an den Infektionen und den oft hinzukommenden Komplikationen wie Lungenentzündung pro Saison einige Hundert bis zu 20.000 Menschen. So viele waren es zuletzt in der Grippesaison 2012/13.

Inzwischen spricht sich unter Krankenversicherten herum, dass es einen „normalen“ und einen „besseren“ Impfstoff (Vakzine) gibt. Wegen des gestiegenen Interesses, zeichnet sich eine Verknappung an. Der Dreifachimpfstoff („trivalent“) wirkt gegen drei Virenstämme, der Vierfachimpfstoff („quadri-“ oder „tetravalent“) gegen vier.

Robert-Koch-Instituts rät dringend zur Grippe-Impfung

In Berlin erhalten die Versicherten als Standard den erstgenannten. Will ein Arzt mit dem „besseren“ impfen, muss er dies mit der besonderen Gefährdung seines Patienten erklären. Der Hintergrund: Die potenziell wirksamere Vakzine ist dreimal so teuer wie die einfachere.

Wird den Krankenversicherten also eine wirklich wirksame Vorbeugung vorenthalten? Einige Mediziner meinen: ja. Experten des Robert-Koch-Instituts und der Charité bezweifeln hingegen, dass der quadrivalente Impfstoff dem Normalbürger einen wirklich relevanten Mehrnutzen bringt. Der Virenstamm, vor dem er zusätzlichen Schutz bietet, sei selten aktiv. Das Wichtigste sei, sich überhaupt impfen zu lassen.