Berlin

Umstrittener Makler tritt als Partei-Vize ab

Nach der heftigen Kritik an seiner Warnung vor Flüchtlingen zieht Uwe Fenner doch Konsequenzen

Die Kritik kommt jetzt von allen Seiten. Nachdem der Berliner Makler Uwe Fenner in einem Rundbrief 150 Eigentümer dazu aufrief, ihre Wohnungen in Wilmersdorf aufgrund der neuen Registrierungsstelle für Flüchtlinge in der Bundesallee zu verkaufen, steht der 72-Jährige in der Kritik. Jetzt gibt es politische Konsequenzen. Fenner bot seiner Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa), deren Berliner Landesverband er als Vize-Vorsitzender angehörte, seinen Rücktritt an. „Wir werden den Rücktritt noch heute annehmen“, sagte Christian Schmidt, Sprecher des Alfa-Bundesverbands am Donnerstag. Fenner sei erst vor zwei Wochen in den Vorstand gewählt worden. „Auf Kosten der Flüchtlinge darf man keine Geschäfte machen“, sagte Schmidt. Die Alfa hatte sich unter der Führung von Bernd Lucke erst vor drei Monaten von der Alternative für Deutschland (AfD) abgespalten.

In seinem kritisierten Brief rät Fenners Unternehmen Stadt&Raum den Eigentümern in Wilmersdorf zu schnellem Verkauf, bevor der Wert ihrer Wohnungen durch die Nähe zur Registrierungsstelle um die Hälfte sinke. Fenner schreibt: „Die Nachricht von Gewalttaten in Flüchtlingslagern, von Einbrüchen, Diebstählen und einfach der Nachbarschaft mit vielen, vielen insbesondere jungen Männern, die nichts zu tun haben, weil unsere Behörden so langsam sind, diese Nachrichten gehen jeden Tag durch die Presse.“ In der Erstaufnahmestelle an der Bundesallee 171 werden seit einer Woche täglich 150 Flüchtlinge registriert, Warteschlange gibt es keine, eine Notunterkunft ist nicht vorgesehen. Auch der Immobilienverband Deutschland (IVD) in Berlin verurteilte Fenners Schreiben. „Die Aussagen von Herrn Fenner sind schlichtweg falsch“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dirk Wohltorf. Es gebe keinerlei Anzeichen, dass die Preise tatsächlich runtergehen, im Gegenteil. Der Zuzug werde immer stärker, der Wohnraum sei knapp, also stiegen die Preise. Die neue Registrierungsstelle für Flüchtlinge in einem ehemaligen Bankgebäude liegt in einer guten Wohngegend in Wilmersdorf in der Nähe zum Volkspark. Der Landesvorsitzende des Rings Deutscher Makler (RDM) distanzierte sich von Fenner. „Wäre der Verfasser in unserem Verband Mitglied, hätten wir ihn sofort rausgeworfen“, sagte Markus Gruhn. Er sprach von „geistiger Brandstiftung“ und „menschenverachtenden Lügen“, mit denen Ängste geschürt würden. Fenner ist in keinem der beiden Immobilienverbände Mitglied.

Ausgerechnet der Manager wirbt mit gutem Stil und Etikette

Fenner gilt in Berliner Maklerkreisen als schillernd. Er lehrt in seiner Nebentätigkeit gutes Benehmen. Als „Stilcoach“ vermittelt er „Sicherheit in Fragen des guten Stils und der Etikette“, wie er auf seiner Homepage wirbt. In der Berliner Promiszene ist Fenner längst bekannt. Er galt lange als Vorzeigeunternehmer und empfing bei seinen „Jahreszeitengesprächen“ im Potsdamer Ulmenhof Stars und Sternchen der Hauptstadt. Wolfgang Joop, Nadja Auermann und Model Shawne Fielding gehörten zu seinem Kreis, bevor es 2002 zu einer Razzia wegen vermuteten Drogenmissbrauchs kam. Die Polizei fand allerdings nichts.

Fenner entschuldigte sich mittlerweile für den Immobilienbrief und will, anders als geplant, den Brief nicht noch weiter verteilen. Er erhalte bereits Drohungen. Ob es zu rechtlichen Konsequenzen kommt, ist noch unklar. Es wäre für Fenner allerdings nicht das erste Mal vor Gericht: 2004 wurde er wegen Subventionsbetrug verurteilt.

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