Aktion für Flüchtlinge

Tausende Berliner formen Lichterkette für Flüchtlinge

30 Kilometer lang sollte die Lichterkette durch die Stadt werden. Zahlreiche Menschen versammelten sich an den Treffpunkten.

Es ist kalt und zugig am Ernst-Reuter-Platz. Dennoch haben sich dort am Sonnabendabend mehr als hundert Menschen eingefunden. In den Händen halten sie Kerzen, Windlichter oder Feuerzeuge. Georg Mörtter hat sich bei seiner Nachbarin eine Taschenlampe ausgeliehen. "Ich bin gebürtiger Kölner. Gerade nach dem Anschlag dort auf eine Oberbürgermeister-Kandidatin möchte ich ein Zeichen gegen Fremdenhass setzen", sagt der Charlottenburger. Die Deutschen würden mit Waffenlieferungen eine Mitschuld an den Kriegen tragen, die jetzt für die Flüchtlingswellen sorgten. Auch Rieke Gökcen aus Moabit hat sich in die Kette eingereiht. "Die Menschen fliehen aus großer Not. wir dürfen sie nicht als Bedrohung empfinden, sondern ihnen wo es geht helfen", sagt die Religionspädagogik-Studentin.

Die beiden Berliner am Ernst-Reuter-Platz gehörten zu den Tausenden Aktivisten, die am Sonnabend ihre Solidarität mit Flüchtlingen zeigen wollten. Die von Veranstaltern erhoffte 30 Kilometer lange Lichterkette quer durch Berlin kam allerdings nicht zustande. Für die Veranstalter war die Aktion dennoch ein Erfolg. Initiator Peter Kranz sprach von etwa 20.000 bis 25.000 Teilnehmern. An einigen Stellen hätten die Menschen sehr dicht gestanden, andernorts taten sich Lücken auf, berichtete der Pfarrer vom Ökumenischen Zentrum für Friedens-, Umwelt- und Eine-Welt-Arbeit. Nach anderen Schätzungen beteiligten sich 7000 bis 8000 Menschen an der Aktion. Angepeilt hatte die Initiative unter dem Motto "Flüchtlinge willkommen – Fluchtursachen überwinden" etwa 30.000 Personen, um so die ganze Strecke schließen zu können.

Viele Menschen an Brandenburger Tor, Siegessäule und Frankfurter Tor

Die Lichterkette wurde für rund 15 Minuten auf der Achse zwischen Staaken am westlichen Berliner Stadtrand und Kaulsdorf im Osten gestaltet. Besonders voll war es den Veranstaltern zufolge am Brandenburger Tor und an der Siegessäule. Am Frankfurter Tor im Ostteil der Bundeshauptstadt hätten sich rund 2000 Menschen eingefunden, berichtete Pfarrer Kranz.

Unterstützt worden war sein Aufruf von allen im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien sowie zahlreichen Organisationen und Gewerkschaften. Anlass für die Lichterkette war nach den Worten des Vorsitzenden des Ökumenischen Zentrums die bröckelnde Akzeptanz von Flüchtlingen in der Bevölkerung. Zudem sollte für das Ausland ein Zeichen gesetzt werden. Die Idee zu der Aktion war im August geboren worden, als bundesweit mehrere Unterkünfte in Brand gesetzt wurden, in denen Asylbewerber untergebracht werden sollten.

Am Ernst-Reuter-Platz mit dabei war auch die Familie von Simone B. aus Reinickendorf. Auch sie wollten einen Zeichen setzen gegen Fremdenhass. Dass am Ende weniger kamen als vielleicht erhofft, störte die vier nicht. "Besser, als zu Hause zu sitzen und still zu sein", sagte Sohn Hendrik und hielt sein Kerzenlicht fest in der Hand.

Der geplante Verlauf der Lichterkette durch Berlin (Foto: Google Maps)

Der geplante Verlauf der Lichterkette durch Berlin (Foto: Google Maps)

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