13 Euro extra

Strom in Berlin wird wieder teurer

Die Umlagen für erneuerbare Energien und für die Netzentgelte steigen. Ein Durchschnittshaushalt muss mit 13 Euro extra rechnen.

Die Berliner müssen für Strom im nächsten Jahr voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen

Die Berliner müssen für Strom im nächsten Jahr voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen

Foto: Jan Woitas / dpa

Strom dürfte in Berlin in den nächsten Monaten deutlich teurer werden. Der Preisanstieg wird voraussichtlich in Ostdeutschland insgesamt stärker ausfallen als in anderen Regionen der Bundesrepublik. Dafür verantwortlich sind die erhöhte Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien. Hinzu kommen höhere Kosten der Übertragungsnetzbetreiber, die die Netze trotz der steigenden Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom in der Balance halten müssen. Diese Belastung trifft den nordostdeutschen Netzbetreiber 50 Hertz Transmission besonders, weshalb die Nutzungsentgelte in Berlin und Umgebung stärker steigen als anderswo.

Die EEG-Umlage wird ab 2016 genau 6,35 Cent pro Kilowattstunde betragen. Im laufenden Jahr müssen Deutschlands Stromkunden 6,17 Cent aufbringen, um den Anbietern von Ökoenergie ihren ins Netz eingespeisten Strom zu höheren als den Marktpreisen vergütet zu können. Die Wirtschaft beklagte sich am Donnerstag über diese Mehrbelastung. Der Präsident des Bundesverbandes Deutsche Industrie (BDI), Ulrich Grillo, warf Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, die versprochene Kostenbremse beim Ökostrom sei „Wunschdenken“ gewesen. „Die hohe Belastung des Produktionsfaktors Strom gefährdet unsere Industrien“, sagte Grillo. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) warnte, mit der steigenden Umlage wachse das Risiko für höhere Energiepreise. Der Anteil staatlich bedingter Lasten am Strompreis liege bei mehr als 50 Prozent. In diesem Umfeld kann sich ein funktionierender Preiswettbewerb nur noch schwer entwickeln“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder.

Anbieter können Kosten an ihre Kunden weitergeben

Zumal die EEG-Umlage nur der kleinere Kostentreiber ist. Mehr als doppelt so stark schlagen steigende Netzentgelte zu Buche. Die Stromnetz Berlin GmbH, eine Tochter des Vattenfall-Konzerns, kündigte am Donnerstag an, die Stromnetzentgelte würden ab 2016 um acht Prozent steigen. Schuld daran seien aber nicht eigene Kosten oder Investitionen, sondern steigende Preise für das Übertragungsnetz. 50 Hertz werde die Entgelte um 30 Prozent anheben, sagte Stromnetz-Berlin-Chef Thomas Schäfer. Letztlich ergebe sich daraus für den privaten Berliner Stromkunden ein Plus von acht Prozent der Netzentgelte insgesamt, von 5,36 Cent pro Kilowattstunde auf 5,79 Cent. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 2200 Kilowattstunden pro Jahr zahlt demnach statt 131 künftig 140 Euro für das Netz. Bei Industrie- und anderen Großkunden, die an Leitungen mit höherer Spannung und damit näher am Übertragungsnetz hängen, steigen die Netzentgelte um 13 Prozent. Insgesamt fließen die Netzkosten zu 23 Prozent in den gesamten Strompreis ein.

Die Kosten bei 50 Hertz steigen auch wegen des in Ostdeutschland erfolgreichen Ausbaus der erneuerbaren Energien besonders stark an. Weil die Erweiterung großer Stromtrassen nach Süddeutschland stockt, muss das Netz immer wieder ausbalanciert werden, wenn zu viel Windstrom in den Leitungen ist. Dann müssen kurzfristig Gaskraftwerke im Süden der Republik angefahren werden. Die Kosten dafür trägt der nordostdeutsche Stromkunde in den acht lokalen Verteilnetzen im 50 Hertz-Gebiet. Die regionalen Netzbetreiber und 50 Hertz haben deshalb eine Initiative gestartet, damit die durch die Energiewende entstehenden Kosten auf die Stromkunden im ganzen Bundesgebiet umgelegt werden.

Berlin als „Zahlmeister der Energiewende“

IHK-Funktionär Eder warnte, die Berliner drohten aufgrund der „naturgemäß geringeren Zahl Erneuerbarer-Energien-Anlagen“ zunehmend zum „Zahlmeister der Energiewende“ zu werden. „Der Saldo aus Mittelzufluss und -abfluss durch das EEG beträgt für Berlin schon mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr. Diese Schieflage wird noch weiter zunehmen“, sagte Eder.

Wie stark die Stromrechnungen tatsächlich steigen, ist angesichts von mehr als 400 Anbietern in Berlin noch nicht abzusehen. Beim größten Versorger Vattenfall mit 1,5 Millionen Kunden hieß es, aufgrund von Prognosen werde kein Unternehmen seinen Tarif anpassen. Aber die zusätzliche Belastung könnte so groß werden, dass alle Anbieter sie an die Kunden weiterreichen. Insgesamt summieren sich die Zusatzkosten aus beiden Effekten auf 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Durchschnittshaushalt wären das 13 Euro jährlich, wenn die Mehrkosten komplett durchgereicht werden. Verbraucherschützer raten den Stromkunden, ihren Tarif zu überprüfen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln.