Flüchtlinge

Flüchtlinge ziehen in ehemalige Industriegebäude

In Heiligensee und Spandau laufen Vorarbeiten für den Einzug von Flüchtlingen. In einem Fall sollen es bis zu 2200 Menschen sein.

In Heiligensee und in Spandau sollen weitere Flüchtlingsunterkünfte rund 3000 Menschen Platz bieten

In Heiligensee und in Spandau sollen weitere Flüchtlingsunterkünfte rund 3000 Menschen Platz bieten

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Die Hennigsdorfer Straße in Heiligensee kurz vor der Stadtgrenze: viele Einfamilienhäuser, eine Kita, eine Physiotherapiepraxis. Am nördlichen Ende, nahe der S-Bahnstation Heiligensee, liegt das Tetrapak-Gelände, hier entstanden früher Verpackungen.

Demnächst sollen in die Hallen und einstigen Büros Flüchtlinge einziehen. Das ist die neue Linie des Senats: Ausweichen in Industriehallen. Aus der Sozialverwaltung verlautet: Ab kommender Woche sollen bis zu 1000 Menschen einziehen.

Ahnungslosigkeit unter den Bewohnern

Auf den ersten Blick weist am Montag wenig darauf hin – kein Gewusel etwa von Handwerkern. Man trifft lediglich auf zwei Grüppchen von Männern, die Blätter und Äste fegen. Der Transporter einer Sanitärfirma ist zu sehen, später ein Logistik-Lkw. Dann tauchen vier Männer auf, „Typ Planer“. Sie wollen oder dürfen nichts sagen.

Auch ein Teil der Anwohner ist zugeknöpft. Angela Gleß ist gesprächiger. Sie hat „immer mal wieder“ davon gehört, dass Flüchtlinge hier einziehen sollen, aber nichts Offizielles. Ähnlich äußert sich eine Frau aus einer Seitenstraße. Auch sie hat nur gerüchteweise davon gehört. Sie sieht keine Probleme für das Viertel, hätte sich aber gewünscht, offiziell informiert zu werden.

Indus­triehallen sind nicht für die Unterbringung konzipiert

Stephan Schmidt, Chef der CDU-Fraktion in der BVV Reinickendorf und des CDU-Ortsverbandes Heiligensee berichtet, dass die Zahl 2200 kursiere. So viele Menschen sollten hier untergebracht werden.

„Eine so massive Belegung würde meines Erachtens kaum eine Akzeptanz finden“, so Schmidt. Zumal nicht weit entfernt in Hennigsdorf bereits eine größere Einrichtung bestehe.Ungeklärt sei der Zustand beispielsweise der Sanitäranlagen. Eine Indus­triehalle sei nicht für die Unterbringung einer großen Zahl Menschen konzipiert.

Weitere 800 Plätze im Industriegebäude in Spandau

Auch in Spandau ziehen Flüchtlinge in ein ehemaliges Industriegebäude. Im November wird an der Pichelswerder­straße eine Gemeinschaftsunterkunft eröffnet, dort war bis Dezember 2014 das Automationsunternehmen Schleicher Electronic beheimatet.

Die Firma ist heute in Schöneberg ansässig. Betreiber der Unterkunft ist die Prisod-Wohnheimbetriebs GmbH, die in Berlin mehrere Flüchtlingsheime betreibt, darunter auch die Unterkunft in der ehemaligen Kaserne an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße in Spandau.

Die frühere Produktionsstätte wird laut Prisod seit einem halben Jahr umgebaut. Im November sollen dort zunächst 300 Flüchtlinge einziehen, nach Abschluss aller Bauarbeiten ist auf fünf Etagen Platz für 500 Menschen. Sie werden in rund 100 Ein- bis Dreizimmer-Appartements wohnen. Diese sind 30 bis 91 Quadratmeter groß und verfügen alle über eigene Küchen, Duschbäder und Toiletten. Für die Betreuung der Flüchtlinge würden 16 Mitarbeiter eingesetzt, so Prisod-Sprecherin Susan Hermenau.