Streit um das Gymnasium

Schulleiter fordern drei Jahre Oberstufe bis zum Abitur

Bildungssenatorin verschiebt Änderung des Schulgesetzes auf späteren Zeitpunkt. Oberstudiendirektoren sprechen von „Affront“.

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat sich den Unmut der Gymnasialdirektoren zugezogen

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat sich den Unmut der Gymnasialdirektoren zugezogen

Foto: Reto Klar

Im Bildungsbereich zeichnet sich ein neuer Streit zwischen den Koalitionsparteien ab. Es geht um eine Änderung des Schulgesetzes, die sicherstellen soll, dass es an den Berliner Gymnasien eine dreijährige gymnasiale Oberstufe gibt. Dies ist eine Festlegung der Kultusministerkonferenz (KMK) und wird von den Berliner Gymnasialdirektoren, aber auch vom Arbeitskreis Bildung der CDU seit Langem gefordert. Die Gesetzesänderung war von der Bildungsverwaltung jetzt angekündigt worden, ist dann aber wieder zurückgenommen worden.

Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, spricht von einem Affront gegen Berlins Gymnasien. "Die Dreijährigkeit der gymnasialen Oberstufe muss auch in einem zwölfjährigen Bildungsgang bis zum Abitur gewahrt werden", forderte er.

Mittlerer Schulabschluss soll an Gymnasien wegfallen

Nach Einschätzung der Schulpraktiker sei es nötig, die Jahrgangsstufe zehn an den Gymnasien zu stärken, sagte Treptow. Dazu gehöre eine personelle Verstärkung sowie eine inhaltliche Stärkung in Form eines besonderen Lehrplans. Auch unnötige Prüfungen müssten wegfallen. Dazu gehöre der Mittlere Schulabschluss (MSA).

Thorsten Metter, Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte, dass es mit der KMK keinen Konflikt wegen der gymnasialen Oberstufe an den Berliner Gymnasien gibt. "Entscheidend ist, dass von Jahrgang fünf bis zwölf mindestens 265 Wochenstunden unterrichtet werden. Das ist in Berlin der Fall." Zudem betonte Metter, dass die Jahrgangsstufe zehn in der Praxis längst als gymnasiale Oberstufe gelte. Er fügte hinzu, dass es demnächst durchaus eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes geben werde. Allerdings seien noch einige Fragen zu klären wie etwa die, welche Rolle künftig der Mittlere Schulabschluss am Gymnasium spielen solle.

Auch Katrin Schultze-Berndt, Vorsitzende des Arbeitskreises Bildung der CDU, sagte der Berliner Morgenpost, dass es in Berlin endlich eine gesetzliche Reglung zur dreijährigen gymnasialen Oberstufe geben müsse. "Dann ist auch der MSA am Gymnasium nicht mehr nötig", so Schultze-Berndt. Die Vorbereitung auf diese Prüfung sei reine Zeitverschwendung und halte die Schüler nur auf. 99,7 Prozent der Gymnasiasten würden den MSA ohnehin bestehen. "Das Schulgesetz muss jetzt schnell geändert werden", forderte die CDU-Politikerin. Berlin dürfe nicht länger die entsprechende Vereinbarung der Kultusministerkonferenz brechen.

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