Kommentar

Boomtown Berlin - Erfolg und Mahnung

Im Bereich audiovisuelle Medien boomt die Hauptstadtregion. Doch den heutigen Standortvorteil kann Berlin morgen schon verlieren, meint Patrick Goldstein.

Nichts prägt und revolutioniert unser Leben wie die digitale Technik. Wir arbeiten mit dem Computer, telefonieren mit dem Smartphone und buchen den Urlaub im Netz. Das digitale Zeitalter ist allgegenwärtig. Das Geschäft damit wird in und um Berlin gemacht.

Das Medienboard Berlin-Brandenburg stellte am Dienstag den Medienindex 2015 vor. Neben den Bereichen Film und Fernsehen gibt er Auskunft über wirtschaftliche Entwicklungen in den digitalen Märkten Web, Mobile und Games. Da geht es etwa um die Dienstleistung Datenverarbeitung, um drahtlose Telekommunikation und Handyspiele, die wir zur Entspannung zwischen zwei S-Bahnstationen anstellen. Ergebnis der Studie: Im Bereich audiovisuelle Medien boomt die Hauptstadtregion. Umsätze, Unternehmensdichte und Umfang der Beschäftigung machen gewaltige Prozentsprünge.

Die Region punktet mit drei Standortvorteilen: Hier ist die Infrastruktur für digitales Arbeiten. Hier sind die Fachkräfte. Und im nationalen wie internationalen Vergleich kann in Berlin günstig gelebt und gearbeitet werden.

In und um Berlin stoßen Investoren auf Menschen mit gewinnversprechenden Ideen. Die Start-up-Szene ist lebendig wie nirgendwo in Deutschland. Die großen Player der Games-Wirtschaft sind dem Ruf der Boomtown Berlin gefolgt. Sie heißen Wooga, King oder Seven Games und entwickeln oder vermarkten hier ihre digitale Ware.

Doch es ist nicht alles rosig am Standort Berlin-Brandenburg. Zwar steigt die Zahl der Film- und TV-Unternehmen. Aber von 212 Produktionsbetrieben waren im Berichtszeitraum 199 in Berlin und nur 13 in Brandenburg. Wer einen Film machen will, klagt bald über Prüfverfahren der Behörden, die mitunter sogar die Bedienungsanleitung der verwendeten Technik anfordern. Und wie lange Berlin für Fachkräfte attraktiv ist, wenn sie zukünftig Mieten zahlen wie in Hamburg und München, ist fraglich.

Die neuen Erfolgszahlen müssen Politik und Verwaltung daher auch als Mahnung verstehen. Den heutigen Standortvorteil kann Berlin morgen schon verlieren. Und dann wird das digitale Geschäft anderswo gemacht.