Nachwuchs im Tierpark

Willkommen in Berlin, kleines Nashorn

Panzernashorn Betty hat im Tierpark einen kleinen Bullen zur Welt gebracht. Liebevoll kümmert sie sich um das kleine Rhinozeros.

Panzernashorn "Betty" mit ihrem Sohn

Panzernashorn "Betty" mit ihrem Sohn

Foto: Frederic Schweizer / dpa

Es geschah um 7.35 Uhr, in aller Stille, und unbeobachtet. Noch bevor der Tierpark öffnete und die Besucher hereinströmten. Am Sonnabendmorgen brachte Panzernashorn Betty im Tierpark Friedrichsfelde einen kleinen Bullen zur Welt. Ohne Komplikationen, wie der Tierpark mitteilte.

Liebevoll und routiniert kümmert sich die Dickhäuter-Dame um das kleine Rhinozeros. Sie wird es eineinhalb Jahre säugen und erziehen. 30 Liter Milch verputzt der Kleine in seinen ersten Lebenswochen – am Tag und in der Nacht. Zum Schlafen wird seine Mutter deshalb nur selten kommen. Ihr Sohn – noch hat er keinen Namen – aber wird groß und stark. „Zu seinen Spitzenzeiten wird das Jungtier bis zu zwei Kilo pro Tag zunehmen und sein Geburtsgewicht so in den nächsten sechs Monaten bereits verfünffachen“, erklärt Tierarzt Günter Strauss.

477 Tage lang war die Nashorn-Dame trächtig. Betty und ihr Sohn leben zu zweit in der größten Box des Elefantenhauses. In den kommenden Tagen können sie sich in aller Ruhe beschnuppern und von der Geburt erholen. Die Besucher können den Tieren dabei zusehen. Rumliegen und faulenzen werden die beiden wohl nicht. Das Mini-Nashorn ist schon an seinem ersten Lebenstagen sehr munter gewesen und neugierig umhergetapst.

Sein Vater ist Belur. Er wurde im Januar 1990 im Tierpark geboren, wo auch Betty 1995 zur Welt kam. Doch Belur wird an der Erziehung vom Sohnemann nicht beteiligt sein, Betty bleibt alleinerziehende Mutter. Denn Nashörner sind Einzelgänger, Bullen und Kühe treffen sich nur zur Paarungszeit. Dennoch – Belur und Betty verstehen sich gut. Das kleine Nashornbaby ist nämlich ihr sechstes gemeinsames Kind. 2002 wurde Betty das erste Mal Mutter eines Nashornmädchens, das jedoch bald verstarb. 2004 brachte sie den Bullen Patna zur Welt, 2005 das Weibchen Saathi. 2008 folgte Manjula und 2011 Aruna. Die Kinder des Nashorn-Paares sind in andere Zoologische Gärten abgegeben worden, nach Großbritannien, Ungarn und Frankreich. Im Tierpark Berlin lebt auch noch Jhansi, die Mutter von Betty. Sie macht gelegentlich Ausflüge in den Berliner Zoo, weil sie sich mit einem der dortigen Bullen gut versteht.

Noch hat das jüngste Nashorn im Tierpark eine recht glatte Haut, verglichen mit seiner Mutter, die schon tiefe Falten aufweist. Nicht aus Altersgründen, nicht wegen vieler Sorgen um den Nachwuchs, sondern weil diese Falten für ein Panzernashorn charakteristisch sind. Etwa zwei Zentimeter dick ist die Haut. Auch das Gewicht ist beachtlich. Bettys Sohn kann, wenn er ausgewachsen ist, bis zu 1,85 Meter hoch werden und 2100 Kilo wiegen. Weibliche Panzernashörner werden nur bis 1,60 Meter groß und bringen bis zu 1600 Kilogramm auf die Waage. Dennoch sind die schweren Tiere leichtfüßig, beweglich und beachtlich schnell.

Nashörner in freier Wildbahn sind vom Aussterben bedroht

Wenn sie in freier Wildbahn die Flucht ergreifen, können sie eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreichen und dabei auch schnell ihre Richtung ändern. Außerdem sind sie gute Schwimmer. Und noch ein paar Rhinofakten: Jeder Fuß eines Panzernashorns besitzt drei Zehen, jeweils mit einem Huf. Panzernashörner können fast vier Meter lang werden. Sie haben einen ausgeprägten Geruchssinn, können auch gut hören. Aber sie sehen schlecht.

Während die Berliner Dickhäuter unbedroht leben können, sind ihre Artgenossen in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht. Grund ist das Horn, das aus Keratin besteht, ein Leben lang wächst und bis zu drei Kilogramm schwer werden kann. Das Horn wird in Ostasien in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. Bis zu 100.000 Dollar verdienen Wilderer mit einem Exemplar, das sie nach China schmuggeln. Die Heimat der Tiere liegt im Nordosten von Nepal und Indien. Dort leben etwa 2800 Exemplare. Sie bevorzugen das offene Grasland und Sumpflandschaften entlang von Flüssen. 2008 hat die Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen die Art als gefährdet eingestuft. Schutzmaßnahmen wurden angeordnet und Tiere in Nationalparks umgesiedelt. Auch ein Zuchtprogramm der internationalen Zoologischen Gärten soll dazu beitragen, die Art zu erhalten und zu schützen.