Berlin

Ein Hooligan kommt straflos davon

Ein Polizist hat einen 29-jährigen 1. FC-Union-Fan bei einer Randale eindeutig identifiziert. Dennoch wird das Verfahren eingestellt

Es gibt Fans, die gehen aus sportlichem Interesse zu einem Fußballspiel. Und es gibt Krawallmacher wie Kevin G. (Name geändert). Der 29-Jährige muss sich wegen schweren Hausfriedensbruchs verantworten. Vor Gericht machte der gelernte Verkäufer am Montag von seinem Schweigerecht Gebrauch – erfolgreich, wie sich am Ende herausstellen sollte. Die Tat spielte sich am 25. Januar 2014 im Stockholmer Stadtteil Johanneshov ab. Angesetzt war ein Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem schwedischen Verein Djurgardens IF. Ein Freundschaftsspiel wie es hieß – die Hooligans sahen es anders.

Ein als Zeuge geladener Beamter des Landeskriminalamtes gab zu Protokoll, dass einige Union-Fans schon beim Betreten des Stadions „im Kassenbereich einfach durchgebrochen“ seien. Dieses hochaggressive Verhalten habe sich noch gesteigert, als Fans des Djurgardens IF ein Banner des Fußballvereins BFC Dynamo Berlin hochgehalten hätten – eine gezielte Provokation. Der BFC Dynamo – er galt zu DDR-Zeiten als Stasiverein – war und ist für die Union-Fans ein rotes Tuch. Es funktionierte: „50 Anhänger des 1. FC Union begaben sich zum Teil vermummt auf das Spielfeld, um die gegnerischen Fans anzugreifen“, heißt es im Anklagesatz. Einer der Randalierer war den Ermittlungen zufolge der große, kräftige Kevin G. Er habe den Angeklagten „100-prozentig erkannt“, sagte der Polizist. Auch wenn er „seinen Pullover bis unter die Nase gezogen“ habe.

Die Richterin wollte wissen, woran er ihn erkannt habe. „An seinem Gang und seinen Gesten“, antwortete der Beamte, „und an seine Augen, ich stand ja zeitweise nur zweieinhalb Meter entfernt von ihm.“ Die Richterin wirkte dennoch nicht überzeugt. Auch nicht, als der Polizist vorträgt, dass er schon seit 14 Jahren als „szenekundiger Beamter“ tätig sei, mit dem Schwerpunkt 1. FC Union. Den Angeklagten kenne er schon seit etwa zehn Jahren. Kevin G. gehöre „zu den einflussreichen Fans, die was zu sagen haben in der Szene“.

Auch das reichte der Richterin nicht. Es folgte eine Prozessunterbrechung, es gab Absprachen und schließlich eine Entscheidung: Das Verfahren gegen Kevin G. – der schon sieben szenetypische Eintragungen in seinem Strafregister hat – wird vorläufig eingestellt. Dabei wurde Bezug auf eine Verurteilung des Amtsgerichtes Kaiserslautern genommen, das Kevin G. im Januar 2015 wegen Bedrohung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilte. „Es hätte heute hier sowieso nur eine Gesamtstrafe gegeben, die unwesentlich über der in Kaiserslautern verhängten Geldstrafe gelegen hätte“, versuchte der Staatsanwalt den Prozessausgang zu erklären. Er wirkte nicht sehr glücklich dabei.