Zwillingstreffen

57 Zwillingspaare treffen sich in Berlin

Doppelt hält besser: In Berlin treffen sich am Sonnabend 57 Zwillingspaare aus ganz Deutschland.

Gruppenbild des diesjährigen Zwillingstreffens 2015 in Berlin. 57 Zwillingspaare zwischen 10 und 80 Jahren aus ganz Deutschland nahmen an dem Treffen teil

Gruppenbild des diesjährigen Zwillingstreffens 2015 in Berlin. 57 Zwillingspaare zwischen 10 und 80 Jahren aus ganz Deutschland nahmen an dem Treffen teil

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Maria Bidian

Sie saßen zusammen beim Italiener am Alexanderplatz. Er hatte sich ihr gegenüber gesetzt, sie hatte ihn ein bisschen zu lange angelächelt. Vorsichtig begannen sie zu reden, stellten fest, dass sie im gleichen Hotel übernachteten. Kurz stockte das Gespräch. Aber ein neues Thema war schnell gefunden: Schließlich waren beide Zwillinge und für das 12. Berliner Zwillingstreffen in die Hauptstadt gekommen.

Das war 2014. Ein Jahr später sind beide wieder für das 13. Zwillingstreffen in Berlin. Doch diesmal treffen sie sich nicht im Restaurant, sondern im Einkaufszentrum Alexa. Und diesmal sind sie nicht nur zusammen mit ihren Zwillingspartnern angereist, sondern auch zusammen als Liebespaar.

„Wir haben uns bei dem Zwillingstreffen letztes Jahr kennengelernt und sind seit dem zusammen“, erzählt Stephanie. Händchenhaltend laufen die beiden zum Eingang der Eisenbahn-Miniaturausstellung Loxx im Einkaufszentrum. Da Stephanie in Darmstadt und Wolfgang in Neuss lebt, führen sie eine Fernbeziehung. Um so mehr freuen sie sich auf den gemeinsamen Tag in Berlin.

Das Motto: Berlin von oben

Organisiert haben die Veranstaltung Christian und Andreas Bergel. „Das Motte von unserem diesjährigen Treffen lautet ‘Berlin von oben’“, erzählt Christian Bergel. Geplant ist der Besuch der Eisenbahn-Miniaturausstellung, dann ein Mittagessen im Brauhaus Lemke am Hackeschen Markt und zum Abschluss die Besichtigung des Fernsehturms.

„2003 haben wir mit den Zwillingstreffen begonnen“, erklärt Andreas Bergel. Die Idee sei bei dem Besuch eines befreundeten Zwillingspärchens entstanden. „Als wir uns zusammen Berlin anschauten, haben wir beschlossen, in Zukunft noch weitere Zwillingspaare einzuladen. Das haben wir dann gemacht und jedes Jahr sind mehr gekommen“, so Andreas Bergel.

2015 sind es knapp 60 Paare, die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Hauptstadt gereist sind. „Das Alter der Teilnehmer reicht von 5 Jahren bis 80“, sagt Christian Bergel. Mehr als die Hälfte der Zwillingspaare kommen jedes Jahr wieder zu dem Treffen. Natürlich sind alle entsprechend vorbereitet. Das heißt als richtiger Zwilling: Von Kopf bis Fuß gleiche zurecht gemacht.

Auch Jasmin und Nicole Bazant haben sich ausnahmsweise einmal die gleichen Kleidungsstücke übergestreift. „Eigentlich tragen wir sehr unterschiedliche Kleidung und haben auch verschiedene Freundeskreise“, erklärt die 26-jährige Jasmin aus Marburg. Die beiden Studentinnen sind zum ersten Mal bei einem Zwillingstreffen dabei und sind gespannt, wie ähnlich sich andere Paare sind. Ein Zwilling zu sein, sei aber auf jeden Fall toll, finden die beiden. „So habe ich meine beste Freundin bereits zur Geburt mitbekommen“, strahlt Nicole.

Nicht immer nur spaßig

Das das Zwillingsdasein nicht immer nur spaßig ist, wissen Elke Jelinski und Karin Bego-Voeva. “Als Kinder fanden wir es lustig, uns gleich anzuziehen und den Erwachsenen Streiche zu spielen. Besonders in der Schule wurden wir immer wieder verwechselt“, erzählt Karin Bego-Voeva. Bei der Partnerwahl sei es jedoch gar nicht so einfach ein Zwilling zu sein. „Wir haben eine sehr enge Bindung zueinander“, erklärt Elke Jelinski, „unsere Ehemänner mussten also den anderen Zwilling gleich noch mitheiraten.“ Das habe besonders in der Freizeit zu Problemen geführt. „Wir sind immer zusammen in den Urlaub gefahren. Das wollten wir nach der Heirat nicht aufgeben. Nur unsere Männer waren von den Urlauben zu Viert nicht so begeistert“, erinnert sich Elke Jelinski.

Um gemeinsame Urlaube mit den jeweiligen Ehepartnern müssen sich Ben und Max Daniel noch keine Sorgen machen. Die beiden 11-Jährigen spielen zwar gerne zusammen Fußball, Tennis und Klavier, sind manchmal aber auch froh, Zeit getrennt von einander zu verbringen.

„Wir sind bereits zum dritten Mal bei dem Treffen dabei. Für uns ist es sehr spannend, wie andere Eltern ihre Zwillinge erziehen“, erklärt Mutter Daniela Daniel. Als Zwilling seien die Kinder oft dem direkten Vergleich ausgesetzt. Für sie als Mutter sei es wichtig, aus der Erfahrung anderer zu lernen. So seien Ben und Max zwar früher in den gleichen Kindergarten gegangen, hätten jedoch zu unterschiedlichen Gruppen gehört. Auch in der Schule sind sie jetzt in verschiedenen Klassen.

Die Führung durch die Eisenbahn-Miniaturausstellung geht langsam zu Ende. Die Zwillingspärchen haben sich in der letzten Stunde bunt gemischt, aber wer zusammen gehört, ist dennoch sofort zu erkennen. Ben und Max freuen sich schon auf die Besichtigung des Fernsehturms. Zuvor geht es aber noch zum Mittagessen in das Brauhaus Lemke. Dort gibt es dann zwar statt Pizza und Pasta Bouletten und Ofenkartoffel, aber vielleicht sitzen, wie im vergangenen Jahr, wieder zwei Menschen gegenüber, die sich ein bisschen zu lange anlächeln.