Sommer in Berlin

Das sind die Gewinner des Sommers in Berlin

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Anja Lindemann
Da wird der Platz knapp: Viele Berliner zieht es in diesen Tagen ins Strandbad Wannsee

Da wird der Platz knapp: Viele Berliner zieht es in diesen Tagen ins Strandbad Wannsee

Foto: Rainer Jensen / dpa

Sie profitieren vom Sommerwetter: Während viele Berliner die Hitze kaum noch ertragen, freuen sich andere über mehr Geld in der Kasse.

Es ist heiß. Seit Tagen schon und ein paar Tage noch. Viele jubeln „Endlich Sommer“, andere stöhnen, dieses Tropenklima sei ihnen zu viel. Es gibt aber auch Berliner, die die Hitze mögen, weil sie davon profitieren. Ein Überblick über die Gewinner des Sommers.

Freibäder „Die Besucherzahlen in den Freibädern sind super“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe. Im August kamen bislang 430.000 Gäste. Die beliebtesten Bäder sind das Strandbad Wannsee, das Prinzenbad in Kreuzberg, das Sommerbad in Wilmersdorf und das Sommerbad in Neukölln. „Vor dem Prinzenbad gibt es keine Schlangen mehr“, sagt Matthias Oloew. Die Zahl der Besucher würde sich momentan auf viele Tage verteilen, da das Wetter über einen längeren Zeitraum anhält. Anders war das am Wochenende Anfang Juli. Da kamen 180.000 Gäste, weil es nur an zwei Tagen ziemlich warm war. Diese hohen Besucherzahlen gibt es momentan nicht, insgesamt ist der Sommer bisher durchwachsen. Die hohen Besucherzahlen gleichen die geringe Anzahl von Besuchern am Anfang der Saison aus. „Pro Tag kommen momentan zwischen 30.000 und 65.000 Berliner in die Bäder“, sagt Oloew. Dies sei ähnlich wie im letzten Jahr.

Freiluftkinos Warme, trockene Abende sind perfekt für Freiluftkinos. In den letzten vier Tagen besuchten ebenso viele Menschen das Sommerkino am Potsdamer Platz wie in den ersten drei Wochen der Saison. Daniel Sibbers, Verantwortlicher für das Marketing in der Yorck-Kinogruppe, erwartet, dass es bis zum Ende der Saison weiter gut läuft. „Die Menschen hatten bisher wenig Chancen, ins Freiluftkino zu gehen. Jetzt sind die Voraussetzungen perfekt, da kann es also noch ein starker Kinosommer werden.“ Die Motivation, einen Film unter freiem Himmel anzuschauen, ist vor allem wetterabhängig. „Der Film spielt eine geringere Rolle“, so Sibbers. Trotzdem würde etwa der Film „Victoria“ viel besser laufen als ein unbekannterer Film. Auch Arne Höhne, Sprecher der Freiluftkinos Rehberge, Kreuzberg und Friedrichshain, spricht von schwankenden Besucherzahlen. Momentan sei das Freiluftkino sehr gut besucht, ähnlich wie im letzten Jahr. Noch sei keine Veranstaltung wegen schlechten Wetters ausgefallen. „Ich glaube, dass auch viele ältere Menschen das Freiluftkino als Abendveranstaltung für sich entdeckt haben“, so Höhne. Früher seien vor allem junge Menschen gekommen.

Klimaanlagen Bei den heißen Temperaturen fällt besonders vielen Autofahrern auf, dass ihre Klimaanlage nicht mehr richtig kühlt. Besonders viel hat Olaf Müller vom Klimaservice Müller in Neukölln zu tun, wenn die Temperaturen über 25 Grad Celsius steigen. Seine Erklärung: Die Wohfühltemperatur des Menschen liegt bei 22,5 Grad. Erst danach werde dem Menschen wirklich warm. Seit elf Jahren ist Müller auf Klimaanlagen spezialisiert, Meist muss er sie reparieren. „Das Nachrüsten von Klimaanlagen kostet etwa 4000 bis 8000 Euro, deshalb raten wir den meisten, ein neues Auto zu kaufen, statt eine Anlage einbauen zu lassen“, so Müller. Wer bei einem Oldtimer eine Klimaanlage haben möchte, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Jeden Morgen um acht Uhr fängt Müller an zu arbeiten und ist bis spät in die Nacht beschäftigt. „Etwa 18 Stunden am Tag arbeite ich momentan.“

Biergärten Der Biergarten „Zur Weißen Kastanie“ in Charlottenburg ist jeden Tag gut besucht. Tagsüber kommen viele Touristen, und abends sind meist die Stammgäste aus der Umgebung dort, schildert ein Mitarbeiter. Die 120 Plätze seien dann alle belegt und das seit fast 40 Jahren. Im Sommer müsse deshalb das Personal aufgestockt werden.

Auch im Biergarten „Maria und Josef“ in Lichterfelde müssen im Sommer Saisonkräfte angestellt werden, um alle Gäste zu bedienen. Bis zu 450 Personen können im Biergarten sitzen und noch mal 120 im Restaurant. „Am vollsten ist es zwischen 18 und 21 Uhr, zur Abendessenszeit“, sagt Betriebsleiter Pascal Genth. Am Tag sei es so warm, dass die meisten nichts essen wollen. Das Bier sei aber noch nie leer gewesen, denn das Lager ist voll, und es gibt viele verschiedene Sorten. Ein Biergarten sei ein sehr wetterabhängiges Geschäft. Bei zehn Grad Celsius weniger sei es gleich leerer.

Strandbars Viele, die im Sommer nicht ins Freibad fahren, suchen sich trotzdem ein gemütliches Plätzchen am Wasser. Da bietet sich die „Strandbar Mitte“ am Monbijoupark an. Dieses Jahr sei der Zustrom dort größer als 2014, so eine Mitarbeiterin der Verwaltung. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr bot die Strandbar kein Public Viewing an und so kamen viele Fußballfans nicht. Dies sei dieses Jahr anders. Der Großstadt kann man im Sommer aber auch am „Capital Beach“, direkt am Spreeufer, entfliehen. Mittags kämen schon die ersten Gäste, um sich im Schatten zu erholen. „Aber die meisten Gäste kommen am Abend, wenn es stimmungsvoller ist“ sagt Chef Thorsten Wieland. Am liebsten würden Aperol Spritz, Cuba Libre und Gin Tonic bestellt.

Fleischerei Bei dem Wetter wollen viele Berliner grillen, da freuen sich die Fleischer. Neun verschiedene Bratwurstsorten werden bei Bünger in Halensee verkauft. Zu dem speziellen Sortiment gehören etwa die Trüffelbratwurst und die Zitronenthymianbratwurst. Auch das marinierte Nackensteak oder die eingelegte Hähnchenbrust sind bei den Kunden beliebt.