Chinesischer Künstler

Regimekritiker Ai Weiwei landet in Berlin

Ai Weiwei ist in Berlin zu Gast, am Nachmittag landete er in Tegel. Als erstes ging er in Prenzlauer Berg zum Vietnamesen.

Ai Weiwei landete am Mittwoch in Berlin

Ai Weiwei landete am Mittwoch in Berlin

Er sei nun ein freier Mensch, das hätten ihm die chinesischen Behörden versichert. Und nun ist Ai Weiwei auch frei zu reisen, wann er immer will, wohin er auch will. Was er auch tut.

Erst hatte er die vergangenen Tage in München verbracht und sich dort ärztlich untersuchen lassen, dann ging es nach Berlin. Am Mittwoch landete der 57-Jährige mittags in der Bundeshauptstadt mit einer Maschine der Lufthansa. Seine Galerie Neugerriemschneider sagte auf Anfrage, dass man über die privaten Pläne des Künstlers nicht informiert sei. Aber viel Fantasie braucht man dafür nicht, denn schließlich leben seine Lebensgefährtin Wang Fen und ihr gemeinsamer Sohn Ai Lao in der Stadt. Die beiden hatten Ai Weiwei bereits in München getroffen und waren mit ihm zurück nach Berlin geflogen.

Ai Weiwei ist der Stadt ohnehin stark verbunden. Im vergangenen Jahr lief seine Schau „Evidence“ im Martin-Gropius-Bau. Es war die weltweit größte Einzelausstellung des chinesischen Künstlers, über 240.000 Besucher zählte sie. Immer wieder hatte es damals schon Gerüchte gegeben, der Künstler würde in die Stadt einreisen, doch offensichtlich war die Zeit nach Auffassung der chinesischen Behörden noch nicht reif.

Seit 2011 durfte er das Land nicht verlassen, er stand unter Hausarrest, Steuerhinterziehung wurde ihm vorgeworfen. „Ich durchlebte alle Grade der Unfreiheit“, hat er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. Gesundheitlich scheine „alles okay“ zu sein, nur sein Gedächtnis lasse nach, das könne aber auch am Alter liegen. 2009 hatte er sich in München am Kopf notoperieren lassen, die Verletzungen resultierten aus einem Übergriff der chinesischen Geheimpolizei.

„Ein bisschen reden“

Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ zeigte sich Ai Weiwei, der bekannteste Regimekritiker des Landes, recht versöhnlich und verständnisvoll mit den einheimischen Behörden: Die Atmosphäre sei offener geworden, man könne „mit den Leuten jetzt ein bisschen reden“. Die Behörden würden sich demnach nicht mehr außerhalb des Gesetzes bewegen. Zudem habe die Polizei „natürlich“ das Recht, Verdächtige zu verhaften. Auch Gereon Sievernich, Sinologe und Chef des Martin-Gropius-Baus, sieht Chinas Regierung auf einem Weg, der stärker die Menschenrechte respektiert. „Die Nagelprobe hat die chinesische Regierung mit der Ausreise bestanden“, hatte er in der vergangenen Woche bereits in der Berliner Morgenpost gesagt.

Das alles klingt danach, als wenn Ai Weiwei viel Wert darauf legt, es sich nicht mit den Autoritäten in seinem Heimatland zu verscherzen. Was wiederum nicht dafür spricht, als ob er plant, sein Domizil für längere Zeit in der Stadt aufzuschlagen. Obwohl es dafür – neben der Familie – auch gute Gründe gibt. Schließlich hat ihm die Universität der Künste eine Gastprofessur angeboten. Das passierte bereits 2011, ist aber natürlich immer noch gültig. In den kommenden Tagen soll es ein Gespräch mit ihm geben, einen genauen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Nudelsuppe beim Vietnamesen in Prenzlauer Berg

Am frühen Mittwochabend ging es dann in ein vietnamesisches Restaurant an der Hufelandstraße in Prenzlauer Berg. Es gab, dieses Details wollen wir nicht verschweigen, Nudelsuppe. Er unterhielt sich mit seinen beiden Begleiterinnen, und sein Sohn suchte auf der harten Bierbank verzweifelt nach einer bequemen Sitzposition.

Unerkannt blieb er natürlich nicht, und angesprochen wurde er dann auch von einem Radfahrer „Ai Weiwei! You’re here! Welcome to Berlin!“ Der Künstler zögerte kurz und bedankte sich: „That’s very nice.“ Der Radfahrer wollte dann wissen, ob ihm das Essen schmecke. Da musste Ai dann doch kurz zögern. Die Nudelsuppen scheinen in Peking besser zu sein.