Museumsinsel

Der große Durchbruch am Pergamonmuseum

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Gabriela Walde
Der Durchbruch zum Pergamonmuseum ist geschafft

Der Durchbruch zum Pergamonmuseum ist geschafft

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die James-Simon-Galerie kommt voran. Der Durchbruch zum Pergamonmuseum ist geschafft.

Schwierige Situationen managt Günther Schauerte, Vize der Preußenstiftung, gewöhnlich mit einem sehr eigenen Humor. „Das schießt wie Spargel in die Höhe“, sagt er und meint damit das Sorgenkind der Museumsinsel, die James-Simon-Galerie, das zentrale Eingangsgebäude für die Häuser des Ensembles, das zum Unesco-Welterbe gehört. Drei Kräne stehen auf der gigantischen Baustelle, der Rohbau ist über die letzten Monate rasant gewachsen. Das war nicht immer so, das Projekt war aus dem Ruder gelaufen, weil es erhebliche Probleme mit dem Grund gab, also der Baugrube am Kupfergraben. Der Bau steht nun auf 1200 Pfählen.

Über drei Bauleitern sind wir auf der Decke der ersten Etage angekommen, dem Boden für das Obergeschoss, das demnächst in die Höhe gezogen wird. Der Blick wandert von hier über das Alte Museum Richtung Humboldt-Forum, das wächst und wächst. Der James-Simon-Rohbau grenzt hier direkt an die Südseite des Pergamonmuseums, dort ist jetzt ein Durchbruch in der Wand zu erkennen, der in den nächsten Wochen noch vergrößert wird: Durch dieses Empfangsgebäude sollen die Besucher künftig direkt ins Pergamonmuseum gelangen, ohne sich etwa bei Regen oder Schnee in die gewöhnlich lange Besucherschlange zu stellen. Es wird also komfortabler für die Gäste.

Richtfest für 2016 geplant

Dort, wo der Durchbruch ist, – einen Meter dick ist die Wand des Pergamonmuseums – hängt eine blaue Plastikplane. Sie sieht beinahe aus wie ein Bühnenvorhang, der nun feierlich geöffnet wird. Fotos werden geschossen, die Projektdamen vom Bundesamt für Bauwesen (BBR) stellen sich auf, lächeln, die Architekten vom Büro Chipperfield kommen dazu. Günther Schauerte ist heute nach feiern, und das war nicht immer so, schließlich hat sich die Bauzeit verlängert, vor allem aber sind die Gesamtkosten explodiert. Mit 133,8 Millionen Euro hat sich die Bausumme verdoppelt.

Heute aber geht es Schauerte darum, zu dokumentieren, dass der Bau endlich wächst. Und tatsächlich kann man sich endlich vorstellen, wo einmal das Restaurant sein wird und wo das Auditorium. Der Preußenvize sieht diesen baulichen Schritt als „Meilenstein“ und „historischen Moment“ im Masterplan der Insel. Die James-Simon-Galerie in der Planung von David Chipperfield sei schließlich der Kern des Masterplanes, der die einzelnen Häuser erst richtig zusammenführt, damit der Museumsbetrieb auch den Ansprüchen eines Publikums im 21. Jahrhundert gerecht wird. Als Besucherzentrum übernimmt das Gebäude zentrale Funktionen. Die Ausrichtung geht gen Süden, die neue Hauptadresse heißt Humboldt-Forum. Die Idee ist, den Besucherfluss zum und vom Schloss zu lenken.

Die einzelnen Museen entstanden zwischen 1830 und 1930. Über die Archäologische Promenade wird das Eingangsgebäude künftig das Publikum nicht nur ins Pergamonmuseum führen, sondern eben auch ins Neue Museum, das Alte Museum und das Bode-Museum. Immerhin an die drei Millionen Besucher sollen durch den schmalen Riegelbau mit der Hochkolonnade geleitet werden. „An diesem Gebäude wird sichtbar, dass die Insel ein lebender Organismus ist und nicht eingefroren ist in der Vergangenheit“, meint Schauerte. Dass der Denkmalrat und der Gralshüter, die Welterbe-Kommission, überhaupt den Eingriff genehmigt haben, ist für Schauerte eindeutig ein baupolitisches Signal.

Geschichte der Museumsinsel

Es wird zwei Eingänge geben, einer befindet sich auf der Hochebene im Neuen Museum, der andere führt über die großzügige Freitreppe von Chipperfield in das Gebäude. Darin befinden sich neben dem Auditorium ein 300 Quadratmeter großer Shop, Platz für Wechselausstellungen und zwei Cafés, eines innen, das andere draußen mit Blick aufs Wasser. In der James-Simon-Galerie soll der Besucher einen Vorgeschmack auf das bekommen, was er in den Museen sehen kann. Gerade Touristen wissen oft gar nicht, wie sie sich orientieren sollen. Vorbereitet wird nun eine Ausstellung zur Geschichte der Museumsinsel sowie eine Einführung zur Geschichte der Sammlungen anhand von Schlüsselwerken.

„Alles läuft gut“, so das Motto bei der Referatsleitung vom BBR. Was heißt: Das Richtfest wird im nächsten Jahr gefeiert, die Eröffnung ist für 2018 eingetaktet. Günther Schauerte indes lässt sich in der Woche mehrmals am Rohbau vorbeifahren. Einfach um zu schauen, ob sie wirklich wächst, die James-Simon-Galerie.