Potsdam –

Nun wird die Nuthe ausgebaggert

Auf der Suche nach Elias schlagen Hunde am Ufer an. Zahlreiche neue Hinweise nach TV-Sendung

Potsdam –. Auf der Suche nach dem vermissten sechsjährigen Elias aus Potsdam konzentriert sich die brandenburgische Polizei noch einmal auf das Flüsschen Nuthe. Ein Teil des Gewässers im Potsdamer Stadtteil Schlaatz wird seit Donnerstag ausgebaggert und der Schlamm auf einer Schwimmplattform untersucht. Der Bagger wurde am Donnerstag zu Wasser gelassen. An der Stelle war nach Polizeiangaben bereits mehrfach mit Tauchern nach dem Kind gesucht worden. Zunächst wurde dort jedoch nichts gefunden. Elias wurde am 8. Juli zuletzt auf einem Spielplatz gesehen. Seitdem ist er verschwunden.

Die von Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks durchgeführten Arbeiten in der Nuthe sollen sich wahrscheinlich noch bis Freitag hinziehen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zuvor hatten an der Stelle Hunde angeschlagen, die auch Leichen aufspüren können. Das müsse aber nicht heißen, dass es um Elias gehe, hatte der Sprecher gesagt.

Die Zahl der Hinweise stieg weiter, mittlerweile gingen mehr als 500 ein, wie der Polizeisprecher sagte. Am Mittwochabend war in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ auf den mysteriösen Vermisstenfall hingewiesen worden. Nach der Ausstrahlung habe es nach Polizeiangaben etwa doppelt so viele Hinweise wie sonst im Verlauf einer Nacht gegeben.

Nach dem Verschwinden von Elias am Mittwochnachmittag vergangener Woche hatte sich die Polizei bei ihrer Suche zunächst auf die Möglichkeit eines Unglücks konzentriert: Der Junge könnte in die Nuthe oder in einen Heizungsschacht gestürzt sein, war die Überlegung. Aber auch ein Verbrechen wird von den Ermittlern mittlerweile ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Für wenig wahrscheinlich hält es die Polizei, dass der Junge einfach nur ausgerissen sein könnte.

Suchradius erweitert

Der Erstklässler hatte auf einem Spielplatz unmittelbar vor der Wohnung seiner Eltern gespielt, bevor er scheinbar spurlos verschwand. Als seine Mutter den Jungen zum Essen in die Wohnung rufen wollte, war der schmächtige Junge plötzlich nicht mehr zu sehen gewesen. Noch am späten Nachmittag hatte die Mutter den Jungen bei der Polizei als vermisst gemeldet. Unmittelbar darauf setzte eine umfangreiche Suchaktion ein, die auch von zahlreichen freiwilligen Helfern aus Potsdam und Umgebung unterstützt wurde.

Systematisch wurde der Suchradius ausgeweitet. Die Polizei suchte, von Feuerwehrleuten und Einheiten der Bereitsschaftpolizei unterstützt, sofort die nähere Umgebung ab. Das Wohngebiet Schlaatz wurde durchkämmt, angrenzende Wiesen, Laubenkolonien, leer stehende Gebäude, Kellerräume und Wasserläufe durchsucht, ohne dass sich eine Spur zum Verbleib des Kindes fand. Darüber hinaus sichteten Beamte der 170 Mann starken Sonderkommission der Polizei etwa 200 Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras. Zudem wurden alle Anwohner im Schlaatz aufgesucht sowie Mitarbeiter von Geschäften wie etwa Tankstellen oder Schnellrestaurants nach dem Sechsjährigen befragt. Doch sämtliche Maßnahmen ergaben bislang keine heiße Spur.

Die Ermittler stehen auch im Kontakt mit ihren Kollegen aus Sachsen-Anhalt. Anfang Mai verschwand dort in der Nähe von Stendal die fünfjährige Inga, mehr als 100 Kilometer von der brandenburgischen Landeshauptstadt entfernt.