Berlin

Neue Räume für gute Ideen

Technische Universität Berlin baut am Ernst-Reuter-Platz ihr Gründungszentrum aus

Am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg entsteht in den Räumen der Technischen Universität (TU) ein neues Gründerzentrum. Studierende der Hochschule, die eine Gründung planen, sollen dort Arbeitsplätze finden und ihre Projekte zur Marktreife führen. Geplant sind Arbeitsräume (Coworking Space), eine Prototypenwerkstatt und ein Café. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (beide SPD) informierten sich am Mittwoch über das neue Angebot und besichtigten mit TU-Präsident Christian Thomsen und dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Volksbank, Carsten Jung, das neue Zentrum.

Die TU wird für ihr neues Gründerzentrum das Parterre des Gebäudes für Bergbau und Hüttenwesen am Ernst-Reuter-Platz 1 umbauen. "Wir öffnen uns an einem prominenten Platz zur Stadt hin, präsentieren hier High-Tech-Innovationen und beleben mit unserer Gründerkultur und innovativen Atmosphäre die bisher vernachlässigte Ecke zwischen Hardenbergstraße und Ernst-Reuter-Platz", sagte Christian Thomsen. Die TU wolle sich zur Stadt hin öffnen sowie zur Gesellschaft, ergänzte Agnes von Matuschka, die Chefin des TU-Gründerzentrums.

Berlin als Start-up-Metropole

Senatschef Müller bezeichnete die Gründerszene als "Glücksfall für Berlin". Weiter sagte er: "Als Berliner Senat werden wir alles dafür tun, Berlin nachhaltig als führende Start-up-Me­tropole zu etablieren und den Start-ups vor Ort optimale Rahmenbedingungen zu bieten. Dies gilt insbesondere für die Schnittstelle zu Wissenschaft und Forschung." Die Einrichtung des Coworking Spaces an der TU und die Eröffnung des Charlottenburger Innovation Center (CHIC) leisteten dazu einen wichtigen Beitrag.

Ausgründungen aus der TU Berlin sind Wirtschaftsmotoren für die Stadt. Eine Studie des Lehrstuhls für Entrepreneurship und Innovationsmanagement zeigt, dass alle TU-Gründungen, die 2013 ihren Sitz in Berlin hatten, 20.000 Beschäftigte zählten und Umsätze von mehr als 2,7 Milliarden Euro erzielt haben. Pro Jahr gründen sich rund 20 Hightech-Start-ups aus der TU Berlin aus.

Wissenschaftssenatorin Scheeres bezeichnete die Universitäten als die Innovationstreiber und Impulsgeber der Stadt. "Aus ihren Reihen werden zahlreiche Start-ups gegründet und ihre Absolventen werden in den Unternehmen gebraucht", sagte die Politikerin. Das sei der Grund, die Gründungsförderung zu intensivieren. Ausgründungen seien inzwischen Teil der Hochschulverträge. Momentan werde darüber nachgedacht, ob ein Stipendienprogramm für Gründer aufgelegt werden könne. Sie wünschte sich, "dass Studierende gern nach Berlin kommen und das Land seine Hochschulen auch weiterhin unterstützen kann".

Berlin stellt für den Ausbau des Gründerzentrums 2,7 Millionen Euro zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Mittel, die durch die Bafög-Übernahme durch den Bund frei geworden sind. Durch Fundraising wurden weitere 230.000 Euro für den Ausbau eingeworben. Die Berliner Volksbank spendete 50.000 Euro. Volksbank-Vorstand Carsten Jung, selbst ein ehemaliger TU-Student, begründete die Spende so: "Gute Ideen brauchen gut ausgebildete Menschen." Das Konzept der TU für den Coworking-Space habe ihn überzeugt. Deshalb investiere die Bank in ein Projekt, das Arbeitsplätze schaffe. Er unterstrich die Bedeutung der Grundlagenforschung für die Gründerstadt Berlin. "Wir werden in Berlin nicht nur von E-Commerce und FinTech leben können."

Stolz auf mutige Ideen

Für die Zukunft wünschte sich der Regierende Bürgermeister "mehr solche Räume". Es sei wichtig, Orte zu schaffen, an denen sich Gründer vernetzen können, ohne sich langfristig zu binden. Er erwartet für die Zukunft, dass es Gründer wegen steigender Nachfrage und damit verbundenen Nutzungskonflikten schwerer haben werden, Arbeitsräume zu finden. Weiter sagte Müller: "Ich bin sehr stolz auf die vielen kreativen und mutigen Ideen sowie die motivierten und motivierenden Gründer."

Die zweite Station Michael Müllers auf dem Campus war das Charlottenburger Gründungs- und Innovationszentrum CHIC, das in Kürze eröffnen soll. Es ist Teil des Campus Charlottenburg und richtet sich mit seinen Angeboten vor allem an Unternehmensgründer sowie junge innovative und kreative forschungsorientierte Unternehmen. Das CHIC gilt als eines der größten und modernsten Gründerzentren Berlins. In dem Gebäudekomplex an der Bismarckstraße 10-12 (das ehemalige Gerling-Haus) haben sich bereits 50 Start-ups niedergelassen. Insgesamt sind dort rund 15 Millionen Euro investiert worden.

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