Haushalt 2016/2017

Klinikum Steglitz wird teilweise saniert – auch die Fassade

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Andreas Abel
Die Häuser der Charité - hier die Fassade des Klinikums Steglitz - erhalten in den kommenden Jahren mehrere Hundert Millionen Euro

Die Häuser der Charité - hier die Fassade des Klinikums Steglitz - erhalten in den kommenden Jahren mehrere Hundert Millionen Euro

Foto: imago/Schöning

Die Sanierung der denkmalgeschützten Fassade des Uniklinikums Steglitz ist umstritten. Jetzt gibt es dafür 24 Millionen Euro.

Der Senat investiert in den kommenden Jahren mehrere hundert Millionen Euro in Gebäude der Charité. Ende nächsten Jahres soll das rundum sanierte und modernisierte Bettenhochhaus in Mitte wieder in Betrieb genommen werden - mit 202 Millionen Euro das größte Einzelprojekt des Universitätsklinikums. Eine Aufstellung von Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) listet darüber hinaus weitere 17 große Investitionsvorhaben auf, die bis zum Jahr 2026 abgeschlossen sein sollen.

Neues Herz-Kreislauf-Zentrum

Der Neubau einer Vorklinik sowie eines Fachzentrums für Neuro- und Immunwissenschaften auf dem Campus Mitte sind bereits Teil des bestehenden Masterplans Charité und werden jeweils mehr als 40 Millionen Euro kosten. Neu aufgenommen in die Projekteliste ist die Sanierung der historischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Mitte. Sie ist mit 13,2 Millionen Euro veranschlagt. Ein neues Herz-Kreislauf-Zentrum am Campus Virchow in Wedding soll 55 Millionen Euro kosten. Dieser Umbau eines 40 Jahre alten Gebäudes ist notwendig, weil die Charité künftig enger mit dem Deutschen Herzzentrum kooperieren will.

Zehn Millionen Euro für klinische Forschung

Ein OP-Trakt in Mitte, den die Charité nach der Eröffnung des Bettenhochhauses nicht mehr benötigt, wird für zehn Millionen Euro zu einem klinischen Forschungs- und Gesundheitszentrum umgebaut. Die Kommunikations- und Sicherheitstechnik muss an allen Standorten überholt werden, das allein kostet weitere 17,8 Millionen Euro.

Am Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz wurde bereits damit begonnen, OP-Säle und Intensivstationen zu sanieren. Das wird ab 2019 fortgesetzt und mit zehn Millionen Euro finanziert. Die Pflegestationen sollen für mehr als sieben Millionen Euro erneuert werden. Aus dem Investitionsfonds des Landes Berlin für die wachsende Stadt fließen 13,7 Millionen Euro in eine neue Starkstromversorgung und weitere 4,5 Millionen Euro in die Sanierung der Hochschulambulanzen.

Fassade kostet insgesamt 60 Millionen Euro

Der größte finanzielle Einzelposten am Steglitzer Klinikum betrifft allerdings eine sehr umstrittene Baumaßnahme, die Sanierung der charakteristischen, denkmalgeschützten Fassade an beiden Bettenhäusern. Dafür sind in der bis 2026 reichenden Finanzplanung des Senats für die Wissenschaftsbauten mehr als 24 Millionen Euro vorgesehen. Das aber reicht nicht einmal: Insgesamt wird für die denkmalgerechte Wiederherstellung der Fassade mit knapp 60 Millionen Euro gerechnet. Kritiker sagen, Berlin solle das Geld lieber in Bereichen der Charité investieren, die den Patienten zugute kommen.

Insgesamt will der Senat in den zehn Jahren 2017 bis 2026 rund 1,2 Milliarden Euro in Hochschulbauten investieren (wir berichteten). Die Liste der Wissenschaftsverwaltung nennt mehr als 40 Projekte. So ist zum Beispiel an der Technischen Universität der Neu- und Umbau eines Mathematikgebäudes für 90 Millionen Euro geplant. An der Humboldt-Universität steht die Grundinstandsetzung des Hauptgebäudes Unter den Linden an. Allein der erste Bauabschnitt schlägt mit 46,8 Millionen Euro zu Buche. Der Umbau eines maroden Laborgebäudes an der Invalidenstraße zum neuen Zentrum der Sprachwissenschaften an der HU kostet 56,6 Millionen Euro. In Adlershof baut die HU für rund 25 Millionen Euro am „Iris“-Institut (Integrative Research Institute for the Sciences) Laborneubauten an ein altes Kasernengelände an.

Grundsanierung des Instituts für Chemie

An der Freien Universität wird die Grundsanierung des Instituts für Chemie fortgesetzt. Dafür sind 90 Millionen Euro veranschlagt. An der FU können aber auch zwei Forschungsneubauten realisiert werden, an deren Finanzierung sich der Bund beteiligt, weil sie von nationaler Bedeutung sind. Dabei handelt es sich um das 31,9 Millionen Euro teure tiermedizinische Zentrum für Resistenzforschung in Düppel, das 2019 eröffnet werden soll sowie um das Zentrum für Grenzflächenforschung in der Chemie und Physik. Es soll bis 2020 nahe der Fabeckstraße in Dahlem gebaut werden und knapp 38 Millionen Euro kosten. FU-Präsident Peter-André Alt begrüßte die Zehn-Jahres-Planung des Senats für Wissenschaftsbauten. Dies schaffe Planungssicherheit im Bau- und Investitionsbereich. Die Summen seien zudem erheblich, „das drückt die Wertschätzung unserer Leistungskraft aus“, sagte Alt der Berliner Morgenpost.

Die Beuth-Hochschule für Technik ist bei den Zukunftsprojekten mit zwei großen Vorhaben vertreten. Zum einen sind 106 Millionen Euro dafür vorgesehen, das Flughafengebäude in Tegel nach Inbetriebnahme des BER zum neuen Campus der Hochschule auszubauen. Zudem soll „die Beuth“ für 53 Millionen Euro einen Neubau der Labore für Bio- und Lebensmitteltechnologie sowie Pharma-Technik an der Luxemburger Straße bekommen. Begründung für den Neubau sind die in der Vergangenheit stark gestiegenen Studentenzahlen. Labore mussten in gemietete Außenstellen umziehen, diese sind allerdings inzwischen sanierungsbedürftig. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung habe ergeben, dass die Sanierung plus Miete langfristig teurer ist als ein Neubau.

Die von Sandra Scheeres (SPD) geführte Wissenschaftsverwaltung hat die 1,2 Milliarden Euro allerdings nicht vollständig verplant. 180 Millionen Euro sind noch ungebunden, um etwa auf Sanierungsanforderungen flexibel reagieren zu können.