Naturkundemuseum

T-Rex Tristan bekommt in Berlin ein neues Zuhause

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Paulina Czenskowski

Foto: Gregor Fischer

Wissenschaftler des Berliner Naturkundemuseums haben einzelne Schädelknochen des Tyrannosaurus rex "Tristan Otto" präsentiert.

Berlin. An diesem Nachmittag ist es im Naturkundemuseum ein bisschen so wie vor dem „Was ist was“-Buch über Dinosaurier. Nur dass da in der Mitte kein aufgeschlagenes Buch liegt, sondern in einem abgesperrten Bereich lauter einzelne Kisten mit lauter Knochen stehen.

Was ist das da? Nach und nach werden die Deckel abgenommen. Woran ist er wohl gestorben? Wurde er vielleicht getötet? Wie alt wurde er? Ein Hagel voller Fragen. Journalisten und Fotografen, die sich am Montag hier getroffen haben, scheinen in diesem Moment kein Stück erwachsen geworden zu sein. Die Faszination ist groß. Das wirkt charmant. Vermutlich denken alle an „Jurassic Park“ oder die englische Band T.Rex, die sich nach dem blutrünstigen Boss der Saurier benannte.

Als alle Kisten geöffnet sind, weicht die Aufregung allerdings Enttäuschung. Kaum Antworten, kaum Bilder. Es hieß: Der zu 98 Prozent erhaltene Kopf eines T-Rex’ komme nach Berlin, es sei der vollständigste Schädel, der in der Welt bisher bekannt ist. Nun aber liegen dort mittelgroße Einzelteile, durch das Fossil dunkel gefärbt.

Als Laie weiß man nicht, welcher Knochen nun wohin gehört. Und so richtig sehen kann man sowieso nichts. Der Generaldirektor des Museums, Johannes Vogel, erklärt: Die Teile seien sehr empfindlich, schließlich seien sie rund 66 Millionen Jahre alt. All e Fragen ließen sich erst nach ausgiebigen Forschungen beantworten. Bisspuren, Zahnanomalien, Kiefertumor. So viel wisse man. Doch der erschwerte Blick auf die knöchernen Puzzleteile lassen es einen nur schwer nachvollziehen.

Ein Wert von acht Millionen Euro

Und dann sieht man doch noch Zähne. Johannes Vogel greift in eine der Kisten und posiert lächelnd mit einem langen Stück Knochen vor den Kameras. Was ist das, ruft man ihm zu. Der rechte Unterkiefer vom T-Rex, sagt er stolz, als hätte er das Skelett selbst ausgegraben. Nur war er es nicht. Es war ein Amerikaner, der auf seinem Grundstück in Montana, USA, 2012 Knochenreste fand und sie befreien ließ. Zusammen kam ein zwölf Meter langes Originalskelett eines T-Rex’, das der Däne Niels Nilsen kaufte und nach seinem Sohn Tristan benannte. Für welche Summe ist nicht bekannt. Nach vollständiger Präparation werde der Dino einen Wert von rund acht Millionen Euro betragen.

T-Rex. Das klingt nach Macht. Nach Brachialität und Stärke. Blut, rohes Fleisch, gewaltige Kieferkraft. Und wenn man die Größe des Kiefers von Tristan, der noch nicht mal ausgewachsen gewesen sein soll, in den Händen des Direktors sieht, wird das noch mal deutlicher. Das T im Namen steht exemplarisch ohnehin für das lateinische Tyrannosaurus: Tyrannus, der König, der Despot. Saurus, die Eidechse. Und zwar eine ziemlich große, wenn auch mit sehr kurzen Armen. Woher die große Faszination für den T-Rex kommt, weiß man nicht. Aber er ist Jäger und damit ein großer Stratege. Das ist wohl Stoff genug. Mit seinem riesigen Schädel, in dessen Kiefer Bananen große Zähne wuchsen, seinem wuchtigen Schwanz und den stummelhaften Armen ist er Teil der Popkultur geworden.

Das komplette Skelett soll nun ab Dezember für drei Jahre im Museum zu sehen sein. Unter Experten gilt es als einmaliger Fund. Erst vor wenigen Wochen kürte der Fernsehsender CNN das Naturkundemuseum in Mitte zum wichtigsten über Saurier der Welt. Ein ehrwürdiges neues Zuhause für Tristan.

( dpa )