Wirtschaftsentwicklung

Berlins Wirtschaft ist voller Euphorie

Der Mittelstands-Report belegt eine gute Geschäftslage und Optimismus in Berlin. Doch eine Schwäche bleibt.

Berlin.  Die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in der Hauptstadt sehen sich weiter im Aufwind. „Die Berliner Wirtschaft ist im Stimmungshoch“, fasste der Präsident der Creditreform, Christian Wolfram, am Mittwoch die Ergebnisse des KMU-Reports 2015 zusammen. Die Lage in Berlin sei besser als im Rest Deutschlands, sagte Jürgen Allerkamp, Chef der Investitionsbank Berlin (IBB): „Berlin hat sich vom Bundestrend abgesetzt.“

>> Kommentar: Gutes aus dem Mittelstand <<

Creditreform und IBB haben die Antworten von mehr als 1700 kleineren Unternehmen aus Berlin ausgewertet. Der untersuchte Sektor stehe für 80 Prozent aller Berliner Firmen, hieß es bei der Präsentation des von Creditreform und IBB erstellten Berichts.

Geschäftslage ist „sehr gut“ oder „gut“

Zwei Drittel der Firmen beurteilten ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut. Das ist ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr, als 58 Prozent zufrieden waren. Der Berliner Wert liegt auch deutlich über den Vergleichszahlen des Bundes. Dort beurteilten nur 56,3 Prozent der befragten Mittelständler ihre Geschäftslage dermaßen positiv. 43,1 Prozent der Berliner Firmen mit im Durchschnitt 20 Beschäftigten erwarten einen weiteren Aufschwung und bessere Geschäfte als im Vorjahr. Bundesweit waren das nur 38,7 Prozent. IBB-Chef Allerkamp wollte noch nicht von einer „Berliner Sonderkonjunktur“ sprechen. Sollten sich die Zahlen jedoch im nächsten Jahr bestätigen, können man „dieses Wort in den Mund nehmen“.

Der Aufschwung führt auch zu mehr Jobs. In allen vier Kernbranchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen planen deutlich mehr Unternehmen Neueinstellungen als Personalabbau. Der Bedarf nach Mitarbeitern ist in der Datenverarbeitung, der Elektrotechnik, im Nahrungsmittelgewerbe und im Maschinenbau besonders groß. Aber auch der Handel und das Baugewerbe suchen zusätzliches Personal. Auch die Investitionsbereitschaft ist ungebrochen, jedes zweite Unternehmen plant einen Ausbau, Ersatz alter Anlagen oder eine Rationalisierung. Solche Investitionen zu finanzieren sei derzeit so leicht wie noch nie, hieß es.

Zögerliche Innovationen

Als einzigen Wermutstropfen im positiven Bild hob Allerkamp die zögerliche Innovation von Prozessen hervor. Zwar brachte eine Mehrheit der Firmen neue Produkte auf den Markt, aber nur zwölf Prozent der verarbeitenden Betriebe habe die Bedeutung von neuen Produktionsverfahren erkannt. Dabei biete die Kooperation mit Berlins starker IT-Branche gerade kleinen Produktionsfirmen gute Chancen, so Allerkamp. Creditreform-Präsident Wolfram sagte, Berlin biete „perfekte Standortbedingungen. „Es lässt sich im Moment nicht vermeiden, dass es voran geht.“