Jobmarkt

Zahl der Arbeitslosen in Berlin sinkt auf historisches Tief

Die Zahl der Erwerblosen ist in Berlin auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Lehrstellen werden aber noch gebraucht.

Die Arbeitslosenzahlen in Berlin gehen weiter zurück

Die Arbeitslosenzahlen in Berlin gehen weiter zurück

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Noch nie seit der wirtschaftlichen Wiedervereinigung der Stadt waren in Berlin weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Juni 2015. Nur direkt nach dem Mauerfall, ehe viele Ost-Betriebe zusammenbrachen, gab es in der Stadt weniger Arbeitslose. Nach Daten der Arbeitsagentur waren im Juni 191.613 Personen ohne Job, 4740 weniger als im Monat Mai und fast 10.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank auf 10,5 Prozent, 0,5 Prozentpunkte weniger als im Juni 2014.

„Wir haben in Berlin einen robusten Arbeitsmarkt“, sagte die Chefin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Jutta Cordt. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) hob hervor, dass Berlin bei der Arbeitslosenquote nun auch im Sommermonat Juni die rote Laterne unter den Bundesländern abgegeben habe.

Verantwortlich für den Rückgang der Arbeitslosigkeit ist vor allem der Zuwachs an Arbeitsplätzen in Berlin. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist in einem Jahr um fast 40.000 gestiegen, in den vergangenen zweieinhalb Jahren kamen 120.000 Arbeitsplätze hinzu. Der Trend ist ungebrochen. „Wir sehen keine griechische Sommergrippe“, kommentierte die Industrie- und Handelskammer.

62.000 Langzeitarbeitslose

Weil die meisten dieser neuen Jobs aber von Zuzüglern oder Pendlern besetzt wurden, sank die Zahl der Arbeitslosen im gleichen Zeitraum nur um rund 37.000. Davon wiederum profitierten auch langzeitarbeitslose Hartz-IV-Empfänger. Im Juni galten 62.000 Berliner als langzeitarbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr ging deren Zahl um 4300 oder 6,5 Prozent zurück. Die meisten dieser Menschen wechselten jedoch nicht in reguläre Jobs, sondern in Beschäftigungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen der Jobcenter, noch mehr gingen in Rente und schieden deshalb aus der Statistik aus. Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck wies darauf hin, dass „der Beschäftigungsaufschwung noch immer größtenteils an den Arbeitslosen“ vorbeigehe: „Es sind mehr Anstrengungen nötig, damit auch diese Menschen durch eine bessere Qualifikation eine Perspektive bekommen“, sagte Amsinck.

Die Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Doro Zinke, bewertete die Zahlen als Beleg für die Wirksamkeit des Mindestlohns, der seit sechs Monaten gilt. „Die an die Wand gemalte Arbeitsplatzvernichtung durch den Mindestlohn gibt es nicht.“ Die Wirtschaft profitiere von einer guten Binnennachfrage“, sagt die DGB-Bezirksvorsitzende.

Regionaldirektionschefin Cordt sagte voraus, der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit werde künftig noch schwieriger werden, weil eben unter den verbleibenden Hartz-IV-Beziehern besonders viele schwer vermittelbare Menschen zurückblieben. In Berlin leben 54Prozent der Hartz-IV-Empfänger schon länger als vier Jahre von dieser Sozialleistung.

Die Lage der Jugendlichen unter 25Jahren hat sich abermals verbessert. Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe ging auf 9,8 Prozent zurück. Dennoch mahnte Cordt die Unternehmen, mehr Ausbildungsplätze bereit zu stellen. Bisher hätten sich bei den Arbeitsagenturen 17.523 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz gemeldet. Die Firmen hätten 12.089 Lehrstellen angeboten, von denen noch 6554 unbesetzt seien. Im Juni waren noch fast 9000 junge Menschen unversorgt.

Neue Jugendberufsagenturen

Regionaldirektionschefin Jutta Cordt kündigte an, dass die Zahlen der ausbildungswilligen Jugendlichen in den kommenden Jahren eher steigen würden, sich die Ausbildungsstatistik also eher schlechter lesen werde als früher. Das werde ein Effekt der neuen Jugendberufsagenturen sein. Diese gemeinsamen Einrichtungen der Arbeitsagentur und der Bezirke werden sich ab 2016 in allen Bezirken um Jugendliche unter 25Jahren kümmern. Marzahn-Hellersdorf, Tempelhof-Schöneberg, Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg gehen schon im Oktober 2015 an den Start.

Dort werden die Fachberater der Jobcenter zusammen mit Berufsberatern und Sozialarbeitern der Bezirke unter einem Dach arbeiten. Vorgesehen ist, dass junge Leute gleich im gleichen Haus auch eine Schuldner- oder Suchtberatung erhalten, wenn diese Probleme sie daran hindern, einen Job oder eine Ausbildungsstelle zu finden. Durch besseren Kontakt zu den Schulen werde man mehr Jugendliche als bisher erreichen und ansprechen, so die Erwartung der Arbeitsagenturen. Deshalb werde die Zahl der als ausbildungssuchend registrierten Jugendlichen steigen. Es wird damit gerechnet, dass zunächst rund 20.000 junge Leute sich für Ausbildungen interessieren. Darunter sind aktuelle Schulabgänger, aber 60 Prozent kommen als bisher unversorgte Abgänger der Vorjahre hinzu.