Aktion

Künstlerkollektiv bestattet Flüchtlinge in Gatow

In einer umstrittenen Aktion hat das „Zentrum für politische Schönheit“ die sterblichen Überreste zweier Flüchtlinge in Berlin beigesetzt.

Rund 200 Teilnehmer sind am Dienstagmorgen zum muslimischen Friedhof im Ortsteil Gatow in Spandau gekommen, um die Beisetzung der beiden Flüchtlinge zu begleiten, die nach Angaben der Berliner Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" im Mittelmeer ertrunken sind. Zwei weiße Särge wurden schließlich, begeitet von jeweils sechs Sargträgern, an die beiden bereis ausgehobenen Gruben getragen. In einem der beiden mit roten Gebetsteppichen und weißen Lilien geschmückten Särgen sei jedoch keine Leiche, erläuterte Stefan Pelzer, Sprecher der Künstlergruppe, den zahlreich erschienenen Journalisten.

"Wir setzen hier eine junge Frau aus Syrien bei, die bei der Flucht über das Mittelmeer vor zwei Monaten 150 Kilometer vor der Küste ertrunken ist", so Pelzer. Während die Leiche der Frau geborgen werden konnte, sei das zweijährige Kind jedoch wohl auf immer unauffindbar in den Fluten versunken. Wie Pelzer weiter sagte, würde der Vater des Kindes mit drei weiteren Kindern in Deutschland leben. Allerdings sei ihm aufgrund der Residenzpflicht nicht erlaubt worden, an der Beisetzung teilzunehmen.

Die Trauerzeremonie wurde von Imam Abdallah Hajjir abgehalten. Der Immam sagte in seiner Ansprache, er habe kein Problem, eine Bestattung vorzunehen, die auf so großes mediales Interesse stoße. "Es geht um den guten Zweck", sagte der Geistliche. "Ich danke den Aktivisten, denn sie helfen, auf Missstände aufmerksam zu machen". Das Mindeste, was er für diese Menschen tun könne, sei, sie in Würde zu bestatten.

Den Vorwurf, die Aktivisten würden die vor Italien angespülten Leichen für ihre Kunstaktion missbrauchen, wies auch Stefan Pelzer zurück: "Das ist kein Theater,das ist bittere Realität", sagte der Sprecher. In dieser Woche würden noch weitere Leichen nach Deutschland überführt, die auch auf anderen Friedhöfen beigesetzt werden sollen. Zudem werde man am Sonntag vor dem Bundeskanzleramt die Grundsteine für einen neuen Flüchtlings-Gedenkfriedhof legen und auch dort ertrunkene Flüchtinge beisetzen. Mit diesen Aktionen will die Gruppe gegen die europäische Flüchtlingspolitik protestieren.