Notfahrplan

Liveticker Bahnstreik - Pfingsten droht der Super-Stau

Die Bahn streikt, Millionen Bahnreisende müssen mit Zugausfällen zurechtkommen. Berlin ist besonders betroffen. Zwei Drittel der S-Bahnen fallen aus. Notfahrplan und neueste Infos im Liveticker.

>>> Der Liveticker zum Bahnstreik <<<

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn läuft die neunte Streikwelle über Deutschland. Nun wird auch der Personenverkehr bestreikt. Massiv betroffen ist erneut der Regional- und S-Bahn-Verkehr in Berlin und Brandenburg. Einen völligen Stillstand gibt es aber nicht. Zudem haben die Berliner und Brandenburger inzwischen große Streikerfahrungen. Am Morgen waren zwar viele Züge der U-Bahn voll, auf den Straßen Berlins blieb das befürchtete Chaos im Berufsverkehr aber weitgehend aus. Häufig waren die Straßen sogar leerer als an normalen Werktagen.

Berliner S-Bahn

Die S-Bahn Berlin GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn AG, hat einen „erweiterten Ersatzfahrplan“ in Kraft gesetzt, der etwa 35 Prozent des regulären Angebots umfassen soll. Danach wird der Zugverkehr „bis auf weiteres“ auf acht der insgesamt 15 Linien komplett eingestellt, darunter erneut auf den wichtigen Ringbahnlinien S41 und S42.

Auf einigen Streckenabschnitten wie etwa zwischen Teltow Stadt, Attilastraße und Südende und im Norden zwischen Hennigsdorf und Tegel sowie Strausberg Nord und Strausberg fahren Busse statt Bahnen.

Die gerade für Berufspendler aus dem Berliner Umland wichtigen Nord-Süd-Linien S1 (Wannsee-Oranienburg) und S2 (Blankenfelde–Bernau) bleiben hingegen in Betrieb, wobei die S1 als Ersatz für die im Westen gekappte S7 bis nach Potsdam verlängert wird.

>>> Hier informiert die Berliner S-Bahn zum Streik <<<

Seit Streikbeginn verlängert die S-Bahn die S5 bis nach Friedrichstraße. Zumindest tagsüber, in der Zeit von 5 bis 21.30 Uhr, fahren die Züge auf der S7 zwischen Ahrensfelde und Charlottenburg. Bei vorangegangenen Streiks war für die S5 und S7 bereits am Alexanderplatz Schluss, die City West war damit – beinahe wie zu Zeiten der deutschen Teilung – vom S-Bahn-Netz weitgehend abgehängt. Auf allen „Notlinien“ sollen die Züge verlässlich im 20-Minuten-Takt fahren. Ausnahme bildet die S2, die ab 21 Uhr nur noch alle 40 Minuten verkehrt.

>>> Der Notfahrplan mobil <<<

Regionalzugverkehr

Auch auf den Regionallinien, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, gilt ein stark reduzierter „Notfahrplan“. Betroffen sind etwa die Regionalexpresslinien RE1 (Magdeburg–Berlin–Frankfurt/Oder), RE3 (Stralsund–Berlin), RE6 (Wittenberge–Berlin) sowie der RE7 und die RB14, die die Berliner Innenstadt im Halbstundentakt mit dem Flughafen Berlin-Schönefeld verbinden. Zuletzt konnte die Bahn während der Streiktage nur etwa 15 Prozent des Normalangebots fahren.

„Wir werden aber wieder versuchen, mehr Züge fahren zu lassen. Das hängt aber davon ab, wie viele Lokführer sich jeweils zum Dienst melden“, sagte ein Bahnsprecher. Er empfiehlt, sich tagesaktuell über das Zugangebot zu informieren (www.bahn.de/aktuell).

Nicht betroffen vom Streikaufruf der GDL sind die Regionallinien, auf denen Züge der Ostdeutschen Eisenbahn Odeg (unter anderem RE2, RE4 und RB33), Niederbarnimer Eisenbahn NEB (unter anderem RB25, RB26 und RB27) sowie der Eisenbahngesellschaft Potsdam EGP (zum RB70) fahren. Der RE2 wird zusätzlich in Brieselang und Finkenkrug halten.

Busse und Bahnen der BVG

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzt wieder alle verfügbaren Fahrzeuge sowie zusätzliches Personal ein. Um den Ansturm zu bewältigen, lässt die BVG auf einigen besonders stark frequentierten Linien wie den Tram-Linien M5, M8 und 27 längere Züge ein.

Generell empfehlen S-Bahn und BVG den Fahrgästen, sich vorab zu informieren, was genau fährt, und generell mehr Zeit einzuplanen. Zuletzt gelang es beiden Verkehrsunternehmen ihre Fahrplanänderungen rechtzeitig in die elektronischen Informationssysteme – wie etwa die Fahrinfo-App des Verkehrsverbundes – einzugeben, so dass Reisende ihren Fahrten vorab planen konnten. Die Angaben erwiesen sich nach Aussagen von Fahrgastvertretern als zuverlässig.

Fernbusse

Als Reaktion auf den Lokführerstreik haben alle großen Fernbus-Unternehmen angekündigt, ihr Angebot ab Berlin deutlich aufzustocken. „Unmittelbar nach der Streikankündigung hatten wir bereits viermal so viele Buchungen wie an normalen Tagen“, sagte ein Sprecher vom größten Anbieter MeinFernbus/Flixbus. Auf stark frequentierten Strecken wie Berlin–Hamburg, Berlin–München oder die in Richtung Ostsee würden bis zu drei zusätzliche Busse am Tag eingesetzt. Aufgrund der großen Nachfrage könnte es aber speziell am Freitag vor Pfingsten teils zu Engpässen kommen. „Sollte ein Bus einmal ausgebucht sein, empfehlen wir, einfach ein paar Stunden später noch mal nachzufragen. Wir stellen ständig neue Kapazitäten bereit“, so der MeinFernbus-Sprecher.

Bei Verspätungen haben Bahnkunden bestimmte Rechte. Hier finden Sie die Informationen dazu.

Pfingsten droht der Super-Stau

Mit dem erneuten Lokführerstreik drohen am Freitag vor Pfingsten neue Stau-Rekorde auf den Straßen. „Alle Zutaten dafür sind da“, sagte Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Die Lokführer der Deutschen Bahn sind in der Nacht zum Mittwoch auch im Personenverkehr wieder in den Streik getreten. Wann der Streik enden wird, hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) diesmal offen gelassen.

Der Freitag vor dem langen Pfingstwochenende sei üblicherweise der staureichste Tag des Jahres, sagte Schreckenberg. Die meisten Urlauber starteten dann in den Kurztrip, weil es sich sonst nicht lohne. Am Nachmittag setze der Berufsverkehr ein, zudem sei der Freitag ohnehin der Wochentag mit dem höchsten Verkehrsaufkommen. Auf die Autofahrer komme ein Szenario zu, das „wir so noch nie hatten“. Der Experte rechnet mit besonders langen Staus rund um Köln, Frankfurt, München und Hamburg.

Bereits bei den vorangegangenen Bahnstreiks hatten zahlreiche Unternehmen ihre Transporte von der Schiene auf die Straße verlagert. Damit rollten zusätzliche Laster über die Autobahnen.

Besser auf der Autobahn bleiben

Nach Einschätzung von Stauforscher Schreckenberg ist es außer bei einer Vollsperrung meist besser, auf der Autobahn zu bleiben, selbst wenn der Verkehr stockt. „Wenn nur zehn Prozent der Autos abfahren sind die Nebenstrecken meist schon überlastet“, warnt der Forscher. „Mit der Verbreitung von Navis sind die Ausweichrouten noch schneller voll.“

Im Stau bei jeder Lücke die Spur zu wechseln, um vermeintlich schneller voranzukommen – das verursache nur neue Stauwellen. Wären die Menschen kooperativer, ließen sich nach seiner Einschätzung viele Staus verhindern. Denn allen Spurwechseln zum Trotz: „Nach einer halben Stunde sind doch eh immer noch die gleichen Autos neben einem.“