Lehrercasting

Wie Berlin Lehrer-Bewerber für das neue Schuljahr castet

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Regina Köhler

Foto: Krauthoefer

1400 neue Lehrer werden für das kommende Schuljahr in Berlin benötigt. Mit einem „Berlin-Tag“ will Bildungssenatorin Scheeres Bewerber für eine Anstellung gewinnen - und gleich auswählen.

Julia Didié, 29, hat am Freitag ihre letzten Prüfungen absolviert. „Alles im guten Zweier-Bereich“, sagt sie der Berliner Morgenpost. Didié ist nun Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte. Sie hat in Trier studiert und in Landau ihr Referendariat absolviert. Mit ihrem gerade erworbenen Zeugnis ist sie am Freitag nach Berlin gereist, um sich am Sonnabend verschiedenen Schulleitern vorzustellen. Gemeinsam mit ihrem Freund Tobias Morrosch, 30, ebenfalls Lehrer für Deutsch und Geschichte, nimmt sie dort am Berlin-Tag teil.

Die Bildungssenatorin der Hauptstadt, Sandra Scheeres (SPD), hat sie dazu eingeladen. Auch viele andere Lehrer und Lehramtsanwärter aus verschiedenen Bundesländern sowie Berliner Lehrer haben eine solche Einladung erhalten. Im Ludwig-Erhard-Haus an der Fasanenstraße will die Senatorin alle über das Berliner Schulsystem und die Einstellungsbedingungen informieren und sie für eine Anstellung in der Hauptstadt gewinnen.

Das Interesse der Lehrer ist groß. „Das IHK-Gebäude ist gut voll“, sagt Beate Stoffers, Pressesprecherin der Bildungssenatorin, am Rande der Veranstaltung. Mehr als 300 Lehrer aus allen Fachbereichen haben sich für diesen dritten Berlin-Tag angemeldet. Alle Bundesländer seien vertreten, besonders Bayern und Baden-Württemberg, aber auch aus Berlin seien zahlreiche Lehrer dabei. 63 Berliner Schulen, vor allem Grundschulen, präsentieren sich beim Berlin-Tag. „Im Schuljahr 2014/15 haben wir allein 101 Lehrkräfte aus Bayern eingestellt, das waren 7,2 Prozent aller Einstellungen in diesem Schuljahr“, so Stoffers. Der Berlin-Tag habe mit Sicherheit dazu beigetragen.

Chance auf einen unbefristeten Vertrag

Berlin braucht auch in diesem Jahr wieder neue Pädagogen. Für das kommende Schuljahr werden 1400 Lehrkräfte benötigt. Julia Didié und Tobias Morrosch interessieren sich für Berlin, weil sie dort die Chance auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben. „In Rheinland-Pfalz würden wir nur Jahresverträge bekommen“, erklärt Didié. Berlin biete eine bessere Perspektive.

Dass die Hauptstadt Lehrer anstellt und nicht mehr verbeamtet, stört die junge Pädagogin nicht: „Ich bin nicht Lehrer geworden, um verbeamtet zu werden.“ Didié und Morrosch können sich vorstellen, in jedem Bezirk zu arbeiten. Angst vor Brennpunktschulen haben sie nicht. „Wir haben beide an Förderschulen gearbeitet“, so Didié. Schwierige Schüler seien zwar eine Herausforderung, „wir würden davor aber nicht zurückschrecken“.