Bahnstreik

Notfahrplan – Welche S-Bahn-Linien ab Dienstag noch fahren

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Foto: S-Bahn Berlin

Die Berliner S-Bahn hat einen Notfahrplan vorgelegt. Welche Bahnen fahren? Und welche Alternativen gibt es zur Deutschen Bahn? Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Lokführer-Streik.

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Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) will ab Dienstagmorgen, zwei Uhr nachts, bis Sonntagmorgen, neun Uhr morgens, streiken. Berlin trifft das doppelt. Denn neben Führern von Fern- und Regionalzügen legen auch viele Fahrer der S-Bahn wieder ihre Arbeit nieder. Die S-Bahn befördert nach eigenen Angaben pro Tag bis zu 1,3 Millionen Fahrgäste. Besonders schwierig dürfte es für die etwa 300.000 Menschen werden, die aus dem Umland nach Berlin zur Arbeit pendeln. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Streik.

Fährt gar keine S-Bahn mehr?

Die Berliner S-Bahn hat am frühen Montagmorgen einen Ersatzfahrplan vorgelegt. Er soll wegen des angekündigten Streiks der Lokführergewerkschaft GDL von Dienstagmorgen bis zum Streikende am Sonntagmorgen gelten, teilte die S-Bahn Berlin GmbH mit. Wie schon bei den vorangegangenen Streiks wird die Ringbahn stillgelegt, weil es hier gute Ausweichmöglichkeiten auf U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen gibt. Außerdem fahren die S25, die S47, S75, S8 und S85 nicht. Die S7 bedient nur den Abschnitt zwischen Marzahn und Alexanderplatz, die S5 fährt nur zwischen Strausberg und Alexanderplatz. Auf allen befahrenen Linien gilt ein 20-Minuten-Takt.

Im Detail:

S1: Potsdam <> Oranienburg, alle 20 Minuten

S2: Blankenfelde <> Bernau, alle 20 Minuten

S25: fährt nicht

S3: Erkner <> Ostkreuz, alle 20 Minuten

S41, S42: Ringbahn, fährt nicht

S45: fährt nicht

S47: fährt nicht

S5: Strausberg (Strausberg Nord) <> Alexanderplatz, alle 20 Minuten. SEV: Strausberg Nord <> Am Annatal <> Strausberg

S7: Marzahn <> Alexanderplatz, alle 20 Minuten

S8: fährt nicht. SEV: Blankenburg <> Hohen Neuendorf

S85: fährt nicht

S9: Flughafen Schönefeld <> Landsberger Allee, alle 20 Minuten

>> Das Streckennetz der S-Bahn während des Streiks <<

Weitere Informationen zum Notfahrplan gibt es auf der Homepage der Berliner S-Bahn oder via Twitter.

Wie verlässlich ist der Notfahrplan?

Vergangene Streiks haben gezeigt, dass die S-Bahn gelernt hat und ein recht verlässliches Angebot liefert. So konnte die Bahntochter beim Streik im November vergangenen Jahres rund ein Drittel ihres normalen Fahrplan-Angebots auch tatsächlich anbieten. Doch auch diesmal wird es Unwägbarkeiten geben. So ist unklar, wie viele Lokführer dem Streikaufruf der GDL folgen. Zudem zeigt die Erfahrung, dass S-Bahner, die nicht Mitglied der GDL sind, sich krank melden, um unter den Kollegen nicht als Streikbrecher zu gelten. Andererseits haben sich in der Vergangenheit immer wieder auch einige GDL-Mitglieder bei der Berliner S-Bahn nicht am Ausstand beteiligt, offenbar weil sie die Gangart ihrer Gewerkschaft für zu hart halten.

Was passiert mit den Tickets?

Sie können in der Regel zurückgegeben werden. Fahrgäste, die aufgrund des Streiks ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, haben Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises im DB Reisezentrum oder in DB Agenturen. Fällt ein Zug aus, dürfen Fahrgäste den nächstmöglichen Zug nutzen – auch wenn der Fahrpreis höher wäre, etwa wenn es sich um einen ICE handelt. In diesem Fall wird bei Angeboten wie dem Sparpreis-Ticket die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen sind aber regionale Angebote mit erheblicher Ermäßigung (Schönes Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets) sowie Züge, für die eine Reservierungspflicht besteht.

Wie fahren die Busse und Straßenbahnen?

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehören nicht zur Deutschen Bahn, werden also auch nicht bestreikt. Der Bus- und Straßenbahnverkehr ist daher nur indirekt betroffen. Denn aufgrund des großen Andrangs werden sich die Fahrzeiten bei der BVG verlängern. Die Erfahrung zeigt, dass in überfüllten Bussen besonders das Schließen der Türen für Verzögerungen sorgt. Aus Sicherheitsgründen muss vor den Türen nämlich stets ein Bereich frei bleiben.

Welche Alternativen zur Bahn gibt es?

Private Busunternehmen haben bereits angekündigt, wie bei vergangenen Streiks zusätzliche Fahrzeuge einzusetzen. „Wir werden zusätzliche Busse anmieten“, sagte ein Sprecher der Firma Mein Fernbus. Verbindungen finden und Tickets buchen geht am schnellsten im Internet, bei Vergleichsportalen wie www.Fernbusse.de und www.Busliniensuche.de. Neben bekannten Anbietern von Mietwagen kann auch die Suche nach einer Fahrgemeinschaft eine kostengünstige Lösung sein, auf Internet-Portalen wie www.mitfahrgelegenheit.de oder www.fahrtfinder.net

Worum geht es bei dem Streik?

Es geht ums Geld. Die Gewerkschaft hatte am Donnerstag das neue Tarifangebot der Bahn zurückgewiesen. Das Unternehmen hatte angeboten, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni. Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Rangierlokführer ins Tarifgefüge der Bahn.

Wo kann ich mich über die Auswirkungen des Streiks informieren?

Bei vergangenen Streiks hat die Bahn auf ihrer Internetseite über Zugausfälle und Notfallfahrpläne unter www.bahn.de informiert. Das Unternehmen hatte zudem eine kostenlose Hotline eingerichtet. Die Nummer stand am Sonntagabend noch nicht fest.

BM