Berliner Wohnungsmarkt

Nur jeder zehnte Bewerber bekommt bei Degewo eine Wohnung

Die landeseigene Degewo will bezahlbaren Wohnraum für Berlin vorhalten. Doch auf 5000 bis 6000 Anfragen kommen nur noch 500 bis 600 Wohnungen, besagt die Unternehmensbilanz. Neubauten sind nötig.

Foto: Massimo Rodari

Wie angespannt die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt inzwischen ist, beweist die Bilanz 2014, die die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo am Mittwoch vorgestellt hat. Demnach erreichen das Unternehmen 5000 bis 6000 Wohnungsanfragen im Monat. Demgegenüber stehen aber nur rund 500 bis 600 Wohnungen, die die Degewo im gleichen Zeitraum im Angebot hat. Neun von zehn Interessenten erhalten daher eine Absage. „Trotz des immensen Drucks am Markt sind die Mieten bei Berlins führendem Wohnungsunternehmen stabil geblieben“, sagte Degewo-Vorstand Kristina Jahn. Sie liege im Durchschnitt bei 5,58 Euro pro Quadratmeter (netto kalt).

Aktuell befinden sich bei der Degewo gut 500 Wohnungen im Bau. Um die stark gewachsene Nachfrage zu bewältigen, kündigte Jahn an, ihr Unternehmen werde in den kommenden zehn Jahren rund 11.000 neue Wohnungen bauen. Denn inzwischen sind nur noch 2,2 Prozent der 66.281 Degewo-Wohnungen nicht vermietet. „Dieser Leerstand ist allerdings auch erforderlich, damit wir zwischen zwei Mietverträgen auch die Chance haben, eine Wohnung zu modernisieren“, so Jahn.

500 Millionen Euro für den Neubau

Dass die Durchschnittsmiete bei der Degewo inzwischen bei rund 5,58 Euro pro Quadratmeter und damit vier Cent über dem im offiziellen Berliner Mietspiegel ausgewiesenen Mittelwert liegt, begründet Kristina Jahn mit dem gestiegenen Anteil an Neubauwohnungen und vor allem mit den höheren Mieten in den rund 5000 Wohnungen, die die Degewo in den vergangenen Jahren erworben hat. Zudem, so die Unternehmenschefin weiter, werde Mitte Mai der neue Mietspiegel vorgelegt. Experten gehen davon aus, dass die Durchschnittsmiete innerhalb der vergangenen zwei Jahre auf rund sechs Euro gestiegen ist.

Neumieter bei der Degewo müssen aktuell 6,05 Euro je Quadratmeter zahlen. In den deutlich teureren Neubauten von Berlins größtem kommunalen Wohnungsunternehmen liegen die Mietpreise zwischen 6,50 und 10,50 Euro.

Die Degewo werde in den nächsten fünf Jahren 525 Millionen Euro in die Sanierung und Pflege des Bestandes und weitere 500 Millionen Euro in den Neubau investieren, ergänzte Christoph Beck, für das Finanzmanagement zuständiger Vorstand. Und: Das Unternehmen habe das Geschäftsjahr 2014 mit einem Bilanzgewinn von 38 Millionen Euro abgeschlossen.