Berlin Trend

Berliner sind geteilter Meinung über Kopftuch-Urteil

Die Mehrheit der Menschen in der Stadt spricht sich laut Berlin Trend von Berliner Morgenpost und rbb für staatlich geprüfte Islamlehrer aus. Sie sehen Handlungsbedarf bei der Integration.

Foto: Sören Stache / dpa

Die Berliner sind mit knapper Mehrheit dafür, dass muslimische Lehrerinnen in öffentlichen Schulen ein Kopftuch tragen dürfen. 50 Prozent der Bürger unterstützen damit ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Aber die Zahl der Gegner ist groß. 47 Prozent sagen, das Kopftuch sollte verboten sein.

Das ergab der Berlin Trend von Berliner Morgenpost und rbb-Abendschau. Infratest dimap befragte dafür 1001 wahlberechtigte Berliner zwischen dem 20. und 24. März. Die Toleranz für das Kopftuch im Unterricht ist bei Jüngeren größer als bei den Älteren. Zwei Drittel (67 Prozent) der Berliner unter 30 Jahren wollen das Tuch erlauben, ein Drittel ist dagegen. Unter den über 60-Jährigen ist das Verhältnis umgekehrt. Frauen sind zu 50 Prozent gegen Kopftücher, 45 Prozent unterstützen den Kurs des Verfassungsgerichts.

Der Senat kann mit seinem politischen Kurs gegenüber dem Islam und den muslimischen Gemeinschaften in Berlin auf die Unterstützung der Bürger bauen. Sowohl der Plan für die Ausbildung von islamischen Theologen an Berliner Universitäten als auch die Überlegungen für einen Staatsvertrag mit muslimischen Organisationen werden von einer deutlichen Mehrheit gutgeheißen.

Die Verhältnisse vor allem zu muslimischen Berlinern zu verbessern, scheint den Bürgern auch dringend nötig. Denn eine Mehrheit hält muslimische Zuwanderer für nicht gut integriert.

Nur 37 Prozent halten Muslime für „gut oder sehr gut integriert“

Im Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau gaben nur 37 Prozent der Befragten an, muslimische Migranten für gut oder sehr gut integriert zu halten. 54 Prozent sehen den Stand der Integration eher negativ. Die Einschätzung zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen. Ausreißer nach oben sind nur die jungen Menschen unter 29 Jahren, die Muslime zu 44 Prozent für eher gut integriert halten, und die Wähler der Grünen, die zu 53 Prozent die Eingliederung in die Gesellschaft für gelungen erachten. Ein deutlich negativeres Bild als der Rest der Bevölkerung haben die Anhänger der AfD, von denen vier Fünftel die Muslime für schlecht integriert halten.

Die Menschen haben auch eine klare Präferenz für eine staatliche Ausbildung von muslimischen Religionslehrern, um größeren Einfluss auf die Inhalte des Islam-Unterrichts an öffentlichen Schulen zu erhalten. Bisher organisiert die Islamische Föderation diese Kurse an den Berliner Grundschulen.

71 Prozent der 1001 wahlberechtigten Berliner, die Infratest dimap zwischen dem 20. und 24. März telefonisch befragte, sind für staatliche Ausbildung von Islam-Lehrern, die an einer Berliner Universität erfolgen müsste. Ein entsprechender Lehrstuhl wird von der Wissenschaftsverwaltung geplant. 19 Prozent sind gegen ein solches Modell. Fünf Prozent gaben an, gegen jeglichen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zu sein, wobei dieser Anteil im Ostteil der Stadt fast doppelt so hoch liegt.

Auch AfD-Anhänger finden, der Staat solle Islamlehrer ausbilden

Mit der Initiative für einen Lehrstuhl für islamische Theologie, der Pädagogen auf ihren Dienst vorbereitet, können sich die Bürger quer durch alle politischen Präferenzen mit großer Mehrheit anfreunden. Auch AfD-Sympathisanten finden es zu 80 Prozent gut, wenn der Staat Islamlehrer ausbilde.

Ebenfalls positiv sehen die Menschen die Überlegungen, für das Verhältnis des Staates zu den muslimischen Gemeinschaften und Moscheegemeinden in der Stadt eine neue rechtliche Grundlage zu schaffen und die Muslime somit den christlichen Kirchen gleichzustellen. Für 58 Prozent geht der Vorschlag eines Staatsvertrages mit den Muslimen in die richtige Richtung. 33 Prozent sehen das anders. Nur unter den Älteren über 60 Jahren schafft die Idee keine absolute Mehrheit. In dieser Altersgruppe sind 47 Prozent dafür, 42 dagegen.

Im Lager der Linken und der Grünen sind fast vier Fünftel für diesen Weg, AfD-Anhänger lehnen einen Staatsvertrag ebenso vehement ab. Von den Koalitionsparteien bekommt die SPD mit 62 Prozent Unterstützung und 34 Prozent Ablehnung im eigenen Lager mehr Unterstützung als die CDU. Ihre Anhänger sehen den Weg zu 54 Prozent positiv, 41 Prozent halten nichts von einem Staatsvertrag.