Berlin

500.000 Euro zur Entradikalisierung von Salafisten

Berlins Innensenator Henkel will eine halbe Million Euro zusätzlich ausgeben, um junge Salafisten von Gewalttaten abzuhalten. Das ist fast das Fünffache der jetzigen Summe.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) will in den nächsten Jahren zusätzlich rund eine halbe Million Euro ausgeben, um radikalisierte junge Islamisten von Gewalttaten abzuhalten. Ab April sollen Sozialarbeiter des Vereins Violence Prevention Network (VPN) im Auftrag der Senatsinnenverwaltung aktiv werden. Es gehe darum, „junge Salafisten von ihrer Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt abzubringen“, sagte Henkel am Mittwoch im Ausschuss für Verfassungsschutz.

Dieses Jahr zahlt das Land für dieses Projekt innerhalb eines Deradikalisierungskonzept 115 000 Euro. In den folgenden vier Jahren sind je 100 000 Euro eingeplant. Der Verein hat laut Henkel langjährige Erfahrungen in dem Bereich.

Ein ganzes Netzwerk gegen gewaltbereite Islamisten solle entstehen, sagte Henkel. „Es geht ausschließlich darum, sicherheitsrelevante Fälle im fortgeschrittenen Stadium zu beobachten.“ Polizei und Verfassungsschutz werden eng eingebunden. Verwandte von Islamisten sollen angesprochen werden ebenso wie Lehrer. „Für mich ist das hier ein Begin und ein Anfang“, sagte Henkel.

330 Salafisten gelten als gewaltbereit

Die Gefahr durch gewaltbereite Islamisten ist laut Henkel weiterhin groß. Derzeit sind dem Berliner Verfassungsschutz etwa 620 Salafisten bekannt, von denen 330 als gewaltbereit gelten.

Als echte Gefahr werden vor allem die Kriegsrückkehrer angesehen, weil sie zum Teil besonders radikalisiert und an Waffen ausgebildet sind. Bislang sind laut Verfassungsschutz etwa 90 Berliner Islamisten in Richtung der Kriegsgebiete ausgereist. Ungefähr ein Drittel von ihnen kehrte wieder zurück. Henkel sprach von einer steigenden Tendenz in diesem Bereich.