Energie

Mehr Berliner verbrauchen weniger Strom

Die Stromnetz Berlin GmbH beobachtet in Berlin einen sinkenden Stromverbrauch - obwohl Berlin mehr Einwohner hat. Gründe sind die vielen Singlehaushalte - und die LED-Leuchten.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Stromnetz Berlin GmbH macht sich für E-Mobility stark. Das Unternehmen habe die Voraussetzungen für einen günstigeren Elektromobilitätstarif geschaffen, erklärte Unternehmenschef Helmar Rendez. Diesen Tarif könnten Stromanbieter nun ihren Kunden anbieten. Das Besondere daran seien eine reduzierte Konzessionsabgabe und verminderte Netznutzungsentgelte. Dadurch ergebe sich für den Autofahrer bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2000 Kilowattstunden, also einer Laufleistung von rund 10.000 Kilometern, eine jährliche Ersparnis von 130 Euro.

Die GmbH, ein Tochterunternehmen von Vattenfall, betreibt das Berliner Stromnetz mit einem Leitungsumfang von 36.000 Kilometern. Mittlerweile nutzten mehr als 420 aktive und passive Stromanbieter dieses Netz, berichtete Rendez. Rund 378.000 Mal hätten Berliner im vergangenen Jahr ihren Stromlieferanten gewechselt, das sei ein sprunghafter Anstieg. In den Vorjahren habe die Zahl der Wechsler bei 220.000 gelegen.

Allerdings sinkt der Stromverbrauch – obwohl die Einwohnerzahl Berlins stark gestiegen ist. 13.433 Gigawattstunden Strom seien 2014 durch das Netz geflossen, im Jahr zuvor seien es noch 13.919 Gigawattstunden gewesen. Der Stromnetz-Chef führte das nicht in erster Linie auf den milden Winter zurück. Grund sei zum einen der Strukturwandel in der Wirtschaft, der zu einem Rückgang von Industriebetrieben führte. Eine Rolle spiele aber auch der gesunkene Stromverbrauch bei den Haushaltskunden. Dieser habe 2014 im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich 100 Kilowattstunden betragen. In Berlin liege der Verbrauch mit 2100 Kilowattstunden pro Haushalt ohnehin stark unter dem Bundesdurchschnitt. Dazu trügen die vielen Singlehaushalte und die Berliner Sozialstruktur bei, aber auch der Einsatz von LED-Leuchten und energieeffizienten Elektrogeräten.

146 Millionen Euro Investitionen in das Stromnetz

Helmar Rendez kündigte umfangreiche Investitionen in das Stromnetz der Hauptstadt an: 146 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Insgesamt sollen 288 Millionen Euro in die Berliner Netzinfrastruktur fließen. 161 Millionen Euro sind für Erhalt und Ersatz vorgesehen, 85 Millionen Euro für Erweiterung, Entwicklung und Innovation sowie 42 Millionen Euro für Betrieb und Messungen. 70 Prozent davon gingen an Unternehmen der Region Berlin-Brandenburg, erklärte Rendez. Die geplanten Ausgaben für das Netz in den kommenden zehn Jahren bezifferte er auf mindestens 2,6 Milliarden Euro, davon seien 1,6 Milliarden Investitionen.

Zugleich kündigte Rendez am Mittwoch die größte Einzelinvestition in der 130-jährigen Geschichte des Unternehmens an: In Charlottenburg, an der Quedlinburger Straße, wird für 72 Millionen Euro ein Kabelknotenpunkt mit Mittel- und Hochspannungskabeln sowie fernsteuerfähigen Umspannwerken errichtet. Die Arbeiten sollen in diesem Jahr beginnen und 2019 beendet sein. Außerdem wird im November 2015 Richtfest für ein neues Umspannwerk an der Sellerstraße in Wedding gefeiert. Von dort aus soll vor allem der neue Stadtteil Europacity nördlich des Hauptbahnhofs erschlossen werden.

Unternehmen bewirbt sich um Netzkonzession

Mit den hohen Investitionen will Stromnetz Berlin sich auch als künftiger Inhaber der Netzkonzession empfehlen. Wie berichtet, wird der Netzbetrieb vom Senat neu ausgeschrieben. Das Unternehmen bewirbt sich erneut um die Konzession, wäre aber auch zu einer Kooperation mit dem landeseigenen Mitbewerber „Berlin Energie“ bereit. Auch der Senat lehnt eine Kooperation nicht grundsätzlich ab. Allerdings reklamieren beide Seiten für sich den Anspruch, eine Mehrheit zu halten. „Wir wollen die unternehmerische Führung“, stellte Rendez klar. Auf jeden Fall bis Ende 2015 zahlt das Unternehmen die Konzessionsabgabe ans Land Berlin. Im vergangenen Jahr betrug diese 150 Millionen Euro (2013: 144 Millionen Euro). Wie es 2016 weitergeht, sei noch nicht beschlossen. Wenn das Vergabeverfahren zum Stromnetz bis dahin nicht abgeschlossen ist, müsse neu verhandelt werden, so Rendez. Sonst seien Klagen von Kunden zu befürchten.

Noch in diesem Jahr will Stromnetz Berlin im Westteil der Stadt die letzten Hochspannungsfreileitungen beseitigen und damit auch die Strommasten abbauen. Bis 2030 soll das in der gesamten Stadt geschehen sein. Allein 8200 Holzmasten stehen noch in Berlin, in diesem Jahr werden 1600 demontiert.