Sturmtief

Sturmschäden in Berlin - Feuerwehr fährt 170 Einsätze

Über Deutschland zieht ein schwerer Sturm hinweg. In Brandenburg gab es erste Schäden, in Berlin rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. Das Minutenprotokoll.

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Die Berliner Feuerwehr musste am Freitag wegen heftiger Sturmböen zu rund 170 Einsätzen innerhalb von drei Stunden ausrücken. Vor allem umgestürzte Bäume und Bauteile wurden beiseite geräumt, wie ein Sprecher des Lagedienstes am Abend sagte. Verletzt wurde niemand. „Wir sind bisher glimpflich davon gekommen“, hieß es.

Ein durch Sturmböen heruntergerissenes Riesen-Werbebanner am Potsdamer Platz in Mitte hat Polizei und Feuerwehr auf den Plan gerufen. Teile der Leipziger Straße und Wilhelmstraße waren auch um 20 Uhr noch für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Verletzt wurde niemand. Vom Hauseigentümer beauftragte Höhenkletterer sind mit der Bergung des Banners beschäftigt. Die Feuerwehr rückte indes bereits gegen 19.15 Uhr wieder ab.

Der Sturm über Berlin hat am Abend auch den Fernsehturm lahmgelegt. „Wenn sich der Turm bewegt, stoppen die Fahrstühle automatisch“, sagte Sprecher Dietmar Jeserich am Freitagabend. „Wir mussten schließen.“ Alle Besucher seien noch heruntergebracht worden. Normalerweise werden Gäste mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde herauf- oder herunterbefördert. Bei leichten Schwankungen verlangsamen die Fahrstühle laut Sprecher zunächst das Tempo, doch nun seien die Bewegungen stärker gewesen. Der 368 Meter hohe Fernsehturm am Alexanderplatz wäre normalerweise bis Mitternacht geöffnet gewesen.

Und der Sturm ist noch nicht vorbei. Nach einer ersten heftigen Unwetterwelle am Freitagnachmittag rechnen Wetterdienste und Berliner Feuerwehr auch für das Wochenende mit weiteren heftigen Stürmen in der Hauptstadt. Der ADAC rät vor allem Autofahrern, ihre Fahrzeuge an den kommenden Tagen stehen zu lassen.

Sturmfront sorgt für Ausnahmezustand

Am Freitagmittag hatte sich der Himmel über Berlin schlagartig verdunkelt. Die aus dem Norden heranziehende Sturmfront hatte die Stadt erreicht und bescherte der Feuerwehr exakt um 14.02 Uhr den bereits befürchteten Ausnahmezustand. Innerhalb kurzer Zeit habe sich danach die Zahl der wetterbedingten Einsätze auf 150 erhöht, sagte Feuerwehrsprecher Sven Gerling der Berliner Morgenpost. Bis zum späten Nachmittag erhöhte sich die Zahl der Einsätze nur noch minimal auf 165. Die Behörde hatte angesichts des Einsatzaufkommens am Nachmittag zu den 550 im Dienst befindlichen Beamten der Berufsfeuerwehr 100 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr nachalarmiert.

Die Einsatzkräfte mussten nicht nur zu technischen Hilfeleistungen nach Sturmschäden ausrücken, sondern auch zu drei Bränden. Nach Blitzeinschlägen während des über Berlin hinwegziehenden Gewitters brannte es in Frohnau, Kaulsdorf und Johannisthal. An der Nibelungenstraße in Frohnau stand ein Dachstuhl auf 100 Quadratmetern in Flammen, erst nach zwei Stunden war der Brand unter Kontrolle. Die weiteren Brände an der Bausdorfstraße in Kaulsdorf sowie an der Waldstraße in Johannisthal konnten dagegen schnell gelöscht werden. Verletzte habe es nicht gegeben, sagte Gerling.

Mehrere S-Bahn-Verbindungen unterbrochen

Leidtragende des Unwetters waren erneut Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr. Gleich mehrere S-Bahnverbindungen mussten unterbrochen werden, nachdem der Sturm Bäume auf die Gleise stürzen ließ. Umgestürzte Bäume im Bereich der Wollankstraße an der Grenze von Wedding und Pankow sowie im brandenburgischen Borgsdorf (Landkreis Oberhavel) führten für etwa eineinhalb Stunden zu Unterbrechungen der Linien S 1, S 2 und S 25. Die Linie S 5 Richtung Spandau musste ebenfalls zwischenzeitlich unterbrochen werden, nachdem ein Baum zwischen den Bahnhöfen Olympiastadion und Pichelsberg auf die Gleise gestürzt war.

Neben umgestürzten Bäumen sorgten vor allem herumfliegende Bauteile für ein erhöhtes Einsatzaufkommen. In Schöneberg musste die Dominicusstraße teilweise gesperrt werden, weil Fassadenteile eines gerade restaurierten Hauses herabzustürzen drohten. An der Hannah-Karminski-Straße in Charlottenburg und an der Gartenfelder Straße in Haselhorst mussten umgestürzte Bauzäune gesichert werden. An der Königin-Luise-Straße spaltete ein Blitzeinschlag einen Baum, eine Hälfte prallte auf ein geparktes Fahrzeug, die andere Hälfte gegen die Fassade eines Wohnhauses.

Hertha BSC muss Training abbrechen

Betroffen von dem Unwetter waren auch die Bundesliga-Profis von Hertha BSC. Sie mussten ihr Training am Olympiastadion abbrechen. Auch der Betrieb auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld war durch das Wetter eingeschränkt, zahlreiche Maschinen konnten am Nachmittag erst mit zum Teil großer Verspätung starten.

Bevor die Sturmfront Berlin erreichte, hatte sie bereits in Brandenburg zum Teil erhebliche Schäden verursacht. In Prenzlau (Uckermark) wurde das Dach einer Schule abgedeckt und in Beeskow (Oder-Spree) stürzte das Dach eines Supermarktes ein, dabei wurde eine Frau verletzt. In Barnim musste die Autobahn A 11 in Höhe der Anschlussstelle Joachimsthal teilweise gesperrt werden. Hier landete ein umgestürzter Baum auf der Fahrbahn.

Etwas mehr als drei Stunden tobte sich der Sturm über der Hauptstadtregion aus. Um 17 Uhr wurde der Ausnahmezustand aufgehoben, kurz darauf konnten die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr „mit großem Dank“, so Sven Gerling, entlassen werden.

Foto: dpa