Berliner Bilanz

„Ein paar Idioten“ überschatten friedliches Silvester

Dieses Silvester ging es nahezu ruhig zu – zumindest für Berliner Verhältnisse. Doch schwere Straftaten durch Unbelehrbare trüben die insgesamt positive Bilanz von Feuerwehr und Polizei.

Der stimmungsvolle Jahresausklang in Berlin war im Vergleich zu früheren Jahren mit weniger Polizeieinsätzen und Brandalarm verbunden. Zudem meldeten mehrere Berliner Kliniken deutliche geringere Zahlen an verletzten Personen durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern. Andererseits kam es auch in dieser Silvesternacht zu negativen Auswüchsen, insbesondere durch Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute. Die Menschen hätten zum Großteil friedlich gefeiert, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. „Aber das Ganze wird überschattet von ein paar Idioten.“

Insgesamt 14 Polizisten wurden bei Einsätzen verletzt, von denen acht den Dienst beenden mussten. Nach einem Übergriff in Tempelhof etwa droht nach Polizeiangaben ein 27-Jähriger zu erblinden, nachdem er gegen 0.45 Uhr als argloser Passant am Tempelhofer Damm aus einer Gruppe heraus von Unbekannten mit Böllern beworfen worden war und eine schwere Augenverletzung erlitten hatte. Obwohl der junge Mann ausweichen wollte, war er im Gesicht getroffen worden. Die Täter entkamen unerkannt.

Welche gefährlichen Böllerschlachten sich auf Berlins Straßen auch diesmal geliefert wurden, zeigt ein auf die Internetplattform hochgeladenes Video:

Die Polizei hatte zwischen 18 und 6 Uhr 3.245 Notrufe, rund 820 weniger als im Vorjahr. Die Funkwageneinsätze gingen gar um 40 Prozent von 2.024 auf 1.243 zurück. Dennoch mussten die Beamten bei 52 Schlägereien, 74 Sachbeschädigungen und 119 Mal wegen falschen Umgangs mit Pyrotechnik eingreifen.

Notoperation nach Schießerei in Wedding

In Schöneberg musste sich an der Kreuzung Pallas- und Goebenstraße eine Funkstreife zurückziehen, weil etwa 100 Jugendliche und junge Männer das Dienstfahrzeug mit Feuerwerk angriffen. Als zudem verbotene Polenböller gezündet wurden und eine Flasche auf die Funkstreife geworfen wurde, nahmen zur Unterstützung gerufene Polizisten einen der Tatverdächtigen fest.

Die Beamten wurden auch zu Schlägereien und Streitigkeiten gerufen. Vor einer Bar im Stadtteil Wedding wurden zwei Männer durch Schüsse schwer verletzt. Ein Opfer wurde im Bauch getroffen und notoperiert, der andere Mann erlitt Verletzungen am Bein. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Die große Party am Brandenburger Tor dagegen verlief laut Polizeibericht „weitgehend störungsfrei“.

Löschfahrzeug mit Böllern attackiert

In Neukölln wurde am Kottbusser Damm ein Löschfahrzeug von aggressiven jungen Leuten mit Böllern attackiert. Als eine Feuerwerksbatterie unter den Drehleiterwagen geschoben und gezündet wurde, schritt die Polizei ein und drängte die Randalierer ab. Das Feuerwehrauto musste mit beschädigtem Unterboden in eine Werkstatt gebracht werden.

Die Feuerwehr spricht von einem ruhigen Jahreswechsel und musste in der Zeit von 19 Uhr an Silvester bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen zu 272 Bränden ausrücken. Laut Feuerwehrsprecher Björn Radünz entspricht dies einem Rückgang um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als 450 Brände bekämpft wurden. Auch die 1000 Rettungseinsätze bedeuteten eine Rückgang um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unmittelbar nach Mitternacht rückten Einsatzkräfte der Feuerwehr in die Leipziger Straße in Mitte aus. Dort waren aus ungeklärter Ursache auf einem Balkon gelagerte Gegenstände in Brand geraten. Ein Polizeibeamter, der Mieter evakuieren wollte, erlitt eine Rauchgasvergiftung und wurde in eine Klinik eingeliefert.

Dachstuhlbrand in Wedding

Niemand verletzt wurde bei einem Dachstuhlbrand in der Burgsdorfstraße in Wedding. Auf dem Dach eines Wohnhauses, dass derzeit saniert wird und vollständig eingerüstet ist, waren Plastikplanen in Brand geraten. Beim Eintreffen der um 0.38 Uhr alarmierten Rettungskräfte standen etwa 100 Quadratmeter in Flammen. Nach zwei Stunden hatten die rund 60 Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. Es blieb unklar, ob eventuell Feuerwerk den Brand verursacht hatte. Am Morgen brannte an der Uhland- Ecke Berliner Straße eine Wohnung im vierten Stock. Das um 5.40 Uhr entdeckte Feuer breitete sich laut Feuerwehr auf 300 Quadratmetern aus. Erst um 8.20 Uhr hatten rund 100 Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle.

Finger nach Böller-Explosion amputiert

Erleichtert äußerte sich Kliniksprecherin Angela Kijewski vom Unfallkrankenhaus Berlin (UKB). 20 Personen wurden wegen Verletzungen durch Böller und Raketen versorgt, die meisten hatten leichtere Blessuren. In fünf Fällen waren Operationen notwendig. „Zwei Männern mussten mehrere Finger amputiert werden. Einem war ein Böller in der Hand explodiert, während er in der anderen eine Schreckschusswaffe hielt“, so die Sprecherin. Ein 64-Jähriger erlitt Kopfverletzungen und Knochenbrüche, als er beim Zünden eines Böllers auf die Straße stürzte und von einem Pkw erfasst wurde. Zum Jahreswechsel 2013/14 hatte das UKB Marzahn 70 Patienten nach Feuerwerks-Unfällen versorgt.

Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung begannen noch in der Nacht, die Reste von Raketen, Böllern und anderem Feuerwerk in der Stadt zusammenzukehren. Die Straßensperrungen rund um die Partystrecke sollten laut Polizeiangaben bis zum 2. Januar nach und nach aufgehoben werden.

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