Schienenbrüche

Bei Sanierung der Berliner Stadtbahn wurde gepfuscht

Im November waren auf der S-Bahn-Strecke zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten fast zeitgleich an drei Stellen Schienenbrüche entdeckt worden. Jetzt kennen Experten die Ursache.

Foto: Paul Zinken / pa/dpa

Bei der Sanierung der Stadtbahn im Sommer 2014 ist offenbar gepfuscht worden. Zu diesem Ergebnis ist eine bahninterne Untersuchung von mehreren Vorfällen auf der wichtigen Ost-West-Strecke gekommen.

Am 19. November waren zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten fast zeitgleich an drei Stellen Schienenbrüche entdeckt worden. Die provisorische Reparatur der Schäden sorgte damals für stundenlange Behinderungen des Zugverkehrs. Zehntausende Fahrgäste kamen deswegen zu spät zur Arbeit. Bei anschließenden Kontrollen fanden Spezialisten der Bahn weitere vier Stellen auf der Strecke, bei denen die Schweißnähte fehlerhaft waren.

Inzwischen liegt das Ergebnis einer werkstofftechnischen Untersuchung der Schienenbrüche durch die bahneigene Materialprüfanstalt in Kirchmöser (Brandenburg) vor. Danach sei in allen drei Fällen von „Schweißfehlern während der Ausführung“ auszugehen, sagte ein Bahnsprecher der Berliner Morgenpost am Dienstag. Die Bahn prüfe jetzt Regressansprüche gegenüber den mit den Schweißarbeiten beauftragten Unternehmen. Es handele sich dabei um Spezialfirmen, die nicht zum Bahnkonzern gehören.

Qualitätsstandards wurden nicht eingehalten

Während einer insgesamt sechswöchigen Vollsperrung im Sommer war die stark befahrene Stadtbahntrasse zwischen Ostbahnhof und Zoologischer Garten mit Kosten von insgesamt 17 Millionen Euro aufwendig saniert worden. Auf acht Kilometern Länge waren dabei auch alle Schienen erneuert worden. Damit die Reisenden während der Fahrt keine Stöße verspüren, werden die Enden der einzelnen Schienenstücke miteinander verschweißt. Wegen der engen Kurven eine anspruchsvolle Aufgabe, die nur durch besonders zertifizierte Firmen ausgeführt werden kann. Die geforderten Qualitätsstandards seien bei den Arbeiten nicht eingehalten worden, konstatierte nun die Bahn.

Nach den Schienenbrüchen am 19. November hatte die Bahn eine Sonderinspektion der Strecke angeordnet. Seit dem 5. Dezember sind Spezialisten mit einem mobilen Ultraschallmessgerät unterwegs, um die Qualität der Schweißnähte zu prüfen. Dabei sind bislang vier weitere Stellen mit fehlerhaften Verbindungen entdeckt worden, allesamt auf dem Gleis, das von Ost nach West führt. Anders als geplant, konnte die Prüfung nicht vor Weihnachten abgeschlossen werden, sie wird voraussichtlich noch bis Mitte Januar 2015 dauern.

Die auffälligen Stellen sind nach Bahnangaben unverzüglich gelascht – also mit seitlichen Metallzungen stabilisiert – worden. Die Schienen könnten ohne Einschränkungen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde befahren werden. Die schadhaften Schienenstücke sollen voraussichtlich in der zweiten Januarwoche ausgebaut und ebenfalls in der Materialprüfanstalt in Kirchmöser untersucht werden.